Marco Schütz (Bürgermeister von Tambach-Dietharz, parteilos)

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Die Stadt Tambach-Dietharz ist von dem geplanten Projekt am meisten betroffen. Knapp die Hälfte der Talsperre Schmalwasser, das geplante Oberbecken und die geplante Kaverne liegen auf dem Territorium unserer Stadt. Der Stadtrat und ich haben daher die Raumordnungsunterlagen intensiv geprüft und fristgemäß Stellung genommen. Dabei kommt es auf die Abwägung folgender Belange an:

  •  wasserhaushaltsrechtliche Aspekte (Talsperre Schmalwasser, Alte Tambacher Talsperre, Schutz der Quellen im Mittelwasser)
  • Erholung, Tourismus, Sport im Thüringer Wald, hier insbesondere die Frage nach den klimatischen Auswirkungen des Gesamtprojektes
  • Eingriffe in den Wald und die Auswirkungen auf Landschaft, Mensch, Natur, Denkmalschutz

 

und insbesondere:

  • Auswirkungen des Baus auf die Stadt Tambach-Dietharz und die nähere Umgebung.

 

Zu den genannten Themen gab es bereits umfassende Diskussionen zwischen mir und dem Investor sowie am Runden Tisch, welcher von mir auf Betreiben der Bürgerinitiativen und der Trianel GmbH im Juli vergangenen Jahres ins Leben gerufen wurde und mittlerweile 6 Mal getagt hat. Insbesondere zu den Themen Baustellenlogistik und Erhalt des Gebietes zur Wasserversorgung gibt es Lösungsansätze, welche von mir für unsere Stadt in das Raumordnungsverfahren eingebracht wurden. Die Energiewende fordert unser aller Mitwirken, dazu gehört auch die Herstellung entsprechender Speicherkapazitäten.

Es geht dabei um die Themen Energiewirtschaft und Daseinsvorsorge, Energieversorgung und Versorgungssicherheit. Leider lässt die Politik auf überkommunaler Ebene derzeit an vielen Stellen konkrete Vorgaben zur Ausgestaltung der Energiewende vermissen, insoweit gibt es derzeit leider nur Prognosen, welche die Notwendigkeit von Pumpspeicherwerken als wichtigen Speicher der Energiewende rechtfertigen. Ich hoffe, dass die kommende Zeit eindeutigere Antworten bringt und gehe davon aus, dass der Baubeginn für das Vorhaben erheblich von diesen Antworten abhängt.

Sollten Pumpspeicherwerke im Rahmen der Energiewende notwendig sein, stehen ich und der Stadtrat der Stadt Tambach-Dietharz dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Oberbecken nicht am oder auf dem Rennsteig entstehen soll, sondern an der nächsten Stelle mindestens 100 m entfernt liegen wird; dass das Unterbecken als Talsperre Schmalwasser bereits vorhanden ist und derzeit keine Nutzung hat; dass Oberbecken in einem Gebiet geplant ist, in welchem durch den Sturm Kyrill bereits eine riesige Waldfläche geschädigt ist und dass die Mittelwasserquellen laut gutachterlicher Stellungnahmen am Runden Tisch nicht gefährdet sind bzw. geschützt werden können.

Dem Projekt positiv gegenüber stehen heißt nicht, dass das Vorhaben von mir ohne Wenn und Aber akzeptiert wird. Es geht vielmehr um die ordnungsgemäße Abwägung allen Für und Widers. Dabei setze ich auch auf die intensive Prüfung durch das Landesverwaltungsamt im Raumordnungsverfahren und auch in einem sich eventuell anschließenden Planfeststellungsverfahren.

Und ganz zum Schluss, wenn alle Bedenken, welche gegen diesen riesigen Eingriff in die Natur sprechen, zugunsten des Vorhabens abgewogen sind, hoffe ich für unsere Stadt und die übrigen Betroffenen auf gute Einnahmen durch den Betrieb der Anlage, welche durch die Wahl der richtigen Betriebsform und des richtigen Standortes durch den Investor abgesichert sein muss.

 

MSB Kommunikation