Stark angefangen, stark nachgelassen – aus Sicht von Science City Jena bildete am Samstagabend bereits die Anfangsphase den Kulminationspunkt beim Gastspiel in Nürnberg.
Während die Thüringer schnell mit 7:0 in Führung (2.) gingen, verspielten Jenas Korbjäger in der Folge diesen Vorteil fahrlässig. Schlimmer noch, denn bis zum 9:23-Rückstand in der 8. Minute ließen sich die Saalestädter eine deftige Serie der Gastgeber einschenken, retteten sich wie ein taumelnder Boxer erst durch den Gong erlöst beim Zwischenstand von 12:28 in die erste Viertelpause.
Entsprechend deutlich ging auch Trainer Björn Harmsen nach der Niederlage mit seiner Mannschaft ins Gericht. Ungeschönt und nüchtern bilanzierte Jenas Coach hinsichtlich des kollektiven Aussetzers, dass „wir trotz eines guten Starts im Anschluss nicht die notwendige Spannung und Intensität aufs Parkett gebracht haben, um einen starken Kontrahenten wie Nürnberg gefährden zu können“.
Die qualitativ hochwertig besetzten Norisstädter bedankten sich auf ihre Art und Weise, gewannen nicht nur das Duell des 19. Spieltages, sondern nahmen Jena zudem den möglicherweise noch wichtig werdenden direkten Vergleich ab. Die Thüringer hatten in der Vorrunde gegen eine personell gehandicapte Nürnberger Mannschaft noch mit 82:79 gewonnen. Lediglich die mitgereisten gut 30 Jenaer Fans konnten nach Spielende einen Erfolg verbuchen, errangen den Sieg des höheren Lautstärkepegels, der die sonst überwiegend ruhige Halle der Franken deutlich dominierte.
Nachdem das Anfangsviertel den Auftakt von vier nicht sonderlich gelungenen Jenaer Akten bildete, sich Science City dennoch statistisch gesehen mehr als einmal in Sichtweite bringen konnte, liefen Sim, Wendt, Tinnon und Co. dem Rückstand aus der Startphase bis zur Schlusssirene hinterher. Während Jenas Spiel auch im zweiten Viertel zunächst wirkungslos blieb, nichts oder nur wenig gelingen wollte, knüpften die Franken an ihre Vorstellung des ersten Viertels an. Durch zwei Freiwürfe von Nürnbergs Flügel Cornelius Adler in der 13. Minute auf 35:15 enteilt, kam Jena erst anschließend wieder besser ins Spiel, hatte sich nach einem Dunk von Daniel Mayr zum 26:35 (16.) wieder herangekämpft. Die Gastgeber statistisch vor Augen, verfiel Science City erneut in alte Verhaltensmuster, kassierte im Anschluss vermeidbare Körbe, um sich mit der Hypothek eines 35:53-Rückstandes in die Halbzeitkabine zu verabschieden.
Auch in der zweiten Hälfte blieben die Franken das tonangebende Team, konservierten den im zweistelligen Bereich pendelnden Vorsprung bis in die Schlussphase. Zwar bekamen Jenas Korbjäger kurz vor dem Ende noch einmal die Möglichkeit für feuchte Nürnberger Hände zu sorgen, verspielten diese Gelegenheit jedoch leichtfertig. Als Dorenzo Hudson in der 37.Minute bis auf 82:87 verkürzen konnte leistete sich Garrett Sim einen folgenschweren Aussetzer, als er den Ball während einer Jenaer Offensiv-Aktion in die Hände des Gegners passte. Beim darauffolgenden Angriff der Franken bedankte sich Nürnbergs Wayne Bernard mit einem weiten Mitteldistanzwurf zum 82:89 (39.), die Entscheidung.
„Wir sind weder wach noch bereit in dieses Duell gestartet. Dazu kam der frühe 7:0-Start, der aus meiner Sicht unser Genickbruch war, weil er die Mannschaft dazu verleitet hat dieses Duell viel zu locker anzugehen. Der Auftritt heute war mit Sicherheit der motivationsloseste den wir bislang abgeliefert haben. So kann man einfach nicht in ein Spiel starten, egal gegen wen und egal wo. Mit eine derartigen Einstellung kriegst du am Ende eben auch richtig eine auf die Nuss“, sagte Harmsen nach der Niederlage. „Das Gute an der Niederlage ist, dass die Jungs hoffentlich ihre Lehren daraus ziehen werden und sehen, dass man sich jeden Erfolg neu zu erkämpfen hat und hart dafür arbeiten muss. Im Sport ist es generell so, dass der Grat zwischen Selbstbewusstsein zu Überheblichkeit sehr schmal ist. Ich bin mit der heutigen Vorstellung äußerst unzufrieden“, sagte Harmsen.
SCJ: Sim 20 Punkte, Hudson 15, Mayr 14, Schaffartzik 12, Reyes-Napoles 9, Rush 7, Tinnon 5, Kuhn 5, Wendt, Wolf























