Niemand ist sicher? Gewiss nicht!

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Wie steht es um die Sicherheit der Bürger im Landkreis Gotha? Norman Klein, der Chef der Gothaer Polizeiinspektion, informierte jüngst darüber – im Rahmen einer Pressekonferenz. Oscar-Redakteur Maik Schulz war dabei – und hatte danach ein ganz anderes Problem: Wie berichtet man über solch ein Ereignis, wenn alle anderen Medien schon berichtet haben? Und vor allem: was? Die Antworten folgen hier!

Zwei Dinge vornweg: Der Landkreis Gotha gehört – wie Thüringen insgesamt – zu den sichersten Regionen Deutschlands. Auch wenn sich hier die Füchse noch nicht „Gute Nacht“ sagen – der Landkreis gehört nun einmal zu den „ländlichen“ Regionen. Und deshalb erleben die Beamten der Polizei-Inspektion relativ ruhige Tage, obwohl sie natürlich nicht über Langeweile klagen müssen. Schließlich erfasste die hiesige Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 7151 Straftaten – und ermittelte dabei 3497 Tatverdächtige. Darunter waren im Übrigen 2642 Männer – sie sind nach wie vor deutlich in der „Überzahl“…

Das Zweite: Die Graffiti-Datei der Stadtverwaltung Gotha – noch vor Jahren als sinnloses Unterfangen verlacht – zeigt deutlich Wirkung. Nirgend wo sonst im Bereich der Thüringer Polizei werden die Haus-Schmierereien angezeigt wie in Gotha. Und – noch wichtiger – nirgendwo werden so viele Graffiti-Straftaten aufgeklärt. Immerhin kann die Polizei jede zweite Straftat in diesem Bereich aufklären – und hat mit einer Quote von 57,3 Prozent wesentlich mehr Ermittlungserfolg als die Kollegen der PI Arnstadt/Ilmenau (27,3 %) und der PI Eisenach (14,3 %).  Allerdings werden hierzulande – wie erwähnt – auch deutlich mehr Schmierereien angezeigt – im vergangenen Jahr waren es 166, von denen 95 aufgeklärt wurden. Zum Vergleich: In Arnstadt/Ilmenau kamen 33 Delikte zur Anzeige, im Eisenacher Bereich gar nur 21. Die Unterschiede erklären sich die Polizisten eben mit dem engagierten Wirken des Ordnungsamtes der Stadtverwaltung – und die gute Zusammenarbeit.

Ansonsten fasste Klein die Kriminalstatistik wie folgt zusammen:
– die Aufklärungsquote insgesamt liegt mit 56,4 Prozent über der des Landes Thüringen – und kann wie in den Jahren zuvor als „hoch“ bezeichnet werden
– am häufigsten wird immer noch geklaut – insgesamt 2258 Diebstahldelikte erfasste die Polizei
– die Ausländerkriminalität spielt kaum eine Rolle, nur 7,3 Prozent aller Tatverdächtigen sind nichtdeutscher Herkunft
– es gibt einen deutlichen Rückgang der Fallzahlen im Bereich der Rohheitsdelikte
– dagegen sind die Fallzahlen bei den festgestellten Rauschgiftdelikten angestiegen. Darüber hinaus, so betonte Klein, „kontrollieren wir inzwischen weitaus öfter“.

Letzteres sei aber durchaus allgemein in Thüringen der Fall – der Landkreis Gotha sei kein „Schwerpunkt-Gebiet“. Auch an hiesigen Schulen hätte die Polizei keinerlei Fälle festgestellt, so Klein, der in der Journalisten-Runde darüber hinaus mit einigen interessanten Einzelfällen punkten konnte.
So verwies er auf „Straftaten gegen das Leben“ – wobei der Angriff eines 17-jährigen Waltershäusers, der seinem Vater ein Messer an die Kehle setzte, als spektakulärster galt. Der Vater überlebte den Angriff übrigens, der Täter befindet sich in der Psychiatrie.

Auch von einem Geldfälscher aus Ohrdruf wussten die Polizeibeamten bei der Pressekonferenz zu berichten: ein 21-Jähriger hatte 5-, 10- und 20-Euro-Scheine gefälscht. Nun sitzt er.
Gleiches gilt für eine 34-jährige Friedrichrodaerin, die bei der Arbeit für einen privaten Pflegedienst ihre Patientinnen beklaute.
Bleibt eine Frage offen, die „nur“ am Rande interessiert, aber den Gothaer Oberbürgermeister immer wieder zur Weißglut bringt: In Gotha häufen sich die Beschwerden der Bürger über den Hundekot auf den Straßen. Eine Ursache davon sei, dass – nach Angaben der Gothaer Stadtverwaltung – regelmäßig die Hundekot-Tüten aus den Hundetoiletten geklaut werden. Oscars Frage, ob jemand aus dem Rathaus dies schon mal angezeigt hätte, quittierten die Polizisten bei der Pressekonferenz mit Erstaunen. Und Kopfschütteln. Falls dies so sei – so die Auskunft – werde man sich melden.

Gemeldet hat sich keiner. Und jetzt muss sich nur noch einer finden, der den Sachverhalt anzeigt. Vielleicht kriegt ja die Polizei heraus, warum die hiesigen Hunde-Toiletten ständig „leer“ sind.  Bleibt die Frage, ob bei so einem Sachverhalt überhaupt ermittelt werde? Die Antwort: Die Polizei müsse bei jeder Anzeige Ermittlungen einleiten. Egal, wieviel Sinn dies mache …

Publiziert: 8. Mai 2011, erschienen in der aktuellen Gothaer Ausgabe von Oscar am Freitag