Der OCV e.V. ist einer der jüngsten, vielleicht sogar der jüngste, der Karnevalsvereine im Landkreis Gotha. Nicht nur weil er im Jahr 2012 erst seine 19. Session absolviert, sondern auch wegen des Altersdurchschnitts seiner Mitglieder. Von den aktuell 120 aktiven Mitgliedern sind mehr als die Hälfte Kinder und Jugendliche.
So vielfältig wie die Programmpunkte ist auch das Spektrum der Veranstaltungen.
04.02.2012 20.11 Uhr 1. Büttenabend
05.02.2012 15.11 Uhr Büttennachmittag
10.02.2012 20.11 Uhr Weiberfasching
11.02.2012 20.11 Uhr 2. Büttenabend
17.02.2012 20.11 Uhr Jugendfasching
18.02.2012 20.11 Uhr Kostümball
19.02.2012 15.11 Uhr Kinderfasching
Zu den OCV–spezifischen Besonderheiten gehört, dass das streng geheimgehaltene Prinzenpaar stets erst am 1. Büttenabend der Session gekrönt wird. Typisch ist auch, dass es keine abendfüllenden Büttenabende gibt, sondern dass jedem Büttenabend noch einige Stunden ausgelassener Tanz folgen.
Neben dem Ministerrat des OCV gehören die Kadetten, die Fünkchen, die Funken, die Prinzengarde, das kleines Tanzmariechen, das großes Tanzmariechen, das Damenballett, die Gardeoffiziere und das Männerballett seit Jahren zu den festen Größen im Programm.
Wie lange der Brauch, böse Geister im Frühjahr durch bunte Masken und Kostüme zu vertreiben, in Ohrdruf schon gepflegt wird, konnten wir bis heute nicht klären.
Sicher zu belegen ist die Tatsache, dass die Firma Franck & Co. (gegründet 1840 in der Hohenlohestraße) als älteste Maskenfabrik hier am Ort, bereits schon vorher Masken und Scherzartikel produzierte.
Der erste schriftliche Beleg dafür verbindet sich mit der kommerziellen Nutzung des närrischen Treibens. So hat das Veranstalten von Maskenbällen ab Mitte des 19. Jahrhundert nicht mehr nur dem Zweck, Dämonen zu erschrecken und das Volk zu belustigen. Im Hintergrund stehen neben der Traditionspflege bereits handfeste ökonomische Interessen.
So ist die erste uns bekannte Anzeige eines Maskenballs in Ohrdruf im Wöchentlichen Anzeiger für Ohrdruf gleich mit 3 Werbeanzeigen von Anbietern von Masken, Borden und anderem Kostümzubehör verbunden. Darüber hinaus wurden die Eintrittskarten für die Veranstaltung im Rathaussaale zu Ohrdruf vom Ratskellerwirt verkauft. Es ist also fest damit zu rechnen, dass sich so mancher beim Erwerb der Karten auch schon in Stimmung getrunken hat.
Ob der Rathaussaal für derartige Scherze ungeeignet war oder ob sich der ehrwürdige Rat gegen eine Wiederholung derartiger Veranstaltungen ausgesprochen hat ist aus dem zur Verfügung stehenden Material nicht herauszulesen, es scheint dies allerdings der einzige öffentliche Maskenball gewesen zu sein, der jemals im Rathaus stattgefunden hat. In den folgenden Jahren wurden die vom Gesangsverein „Harmonie“ und der „Schützengesellschaft“ veranstalteten Maskenbälle im Saal des Schützenhauses durchgeführt.
Bis zur Jahrhundertwende wurden die Angebote vielfältiger, immer mehr Musik- und Theatervereine gestalteten Maskenbälle und es ist nicht selten, dass an einem Wochenende 2 oder 3 verschiedene Angebote in verschieden Gaststätten zur Auswahl standen.
Wer die Wahl hat, hat die Qual. Beleg dafür das Angebot zum Carneval 1893.
„Die diesjährige Carnevalssaison erreicht morgen hier ihren Höhepunkt. Se. närrische Hoheit Prinz Carneval regiert morgen Abend von 8 Uhr ab im „Kaisersaal“ die Mitglieder des Sängerkranz, welchen sich zahlreiche vermummte Freunde, alt und jung, aus verschiedenen Kreisen anschließen und dem Rufe des närrischen Prinzen in den „Kaisersaal“ folgen, um der wunderlichen Dinge zu harren, die da kommen sollen. Großartig aber wahr ist die Ankündigung: „Der Distanzritt zwischen Berlin und Wien“ sowie „der Ueberfall des Orient-Express-Eisenbahnzuges“, welche wohl einen unwiderstehlichen Reiz auf die Lachmuskeln aller Anwesenden ausüben und stürmische Heiterkeit hervorrufen werden. Auch im „Schützenhof“ zu Gräfenhain und in Bad Luisenthal werden morgen Abend von den Turnvereinen Maskenscherze veranstaltet, wo sich Männlein und Weiblein in allerlei Kostümen weidlich hänseln und foppen können. Die Mitglieder des Ohrdrufer Turnvereins werden ihrer munteren Laune erst am Fastnachts-Dienstag die Zügel schießen lassen in einem „Herrenabend“ im Nonn`schen Schießhaus. Dann muß Prinz Carneval die fröhlich klingende Schellenkappe an den Nagel hängen; in diesem Jahr zum ersten Male darf von Aschermittwoch ab kein Ball-Vergnügen mehr stattfinden.“
Am 3. Februar 1901 erreicht das närrische Treiben einen neuen Höhepunkt – einen Carneval-Festumzug.
Der Thüringer Waldbote vom 2.2.1901 berichtet darüber wie folgt: „Was alle jetzt lebenden Ohrdrufer Einwohner noch nicht hier erlebt haben, werden sie morgen erleben – einen glänzenden Carnevals-Festumzug am Ohrastrand. Die Veranstalter dieses voraussichtlich gut gelingenden Werkes sind die Vereine „Männergesangsverein“ und „Harmonie“. Angeführt von einem Herold zu Pferde wird Prinz Carneval und Prinzessin mit Gefolge nachmittags 3 Uhr vom „Alten Schützenhofe“ aus seinen Einzug in die Stadt halten und sodann sein närrisches Hoflager bei „Gustaf Alt“ hoch oben auf dem Goldberg aufschlagen, um einmal alle Narrheiten richtig übersehen zu können. Groß wird die Zahl der Getreuen und Verwandten sein, die dem Prinzen folgen und der Zug ein farbenreiches, wechselvolles Bild bieten, noch größer aber die Menschenmenge, welche herbeieilen wird, um die im Inserententheil dieses Blattes veröffentlichte Zugfolge mit 13 Gruppen zu bewundern, sowie dann buntbekappt in ausgelassener Heiterkeit den karnevalistischen Aufführungen beizuwohnen und sich einmal vor Lachen auszuschütten.“
Neu dabei ist nicht nur die Idee zur Gestaltung eines Festumzuges an sich, neu ist auch der Zusammenschluss von 2 Vereinen für diesen Zweck ohne das diese für die Zukunft ihre eigene Identität aufgeben. Eine andere Neuerung aus dieser Zeit – die ersten Fotos vom närrischen Treiben in der Stadt werden gemacht und sind ein Beleg dafür, mit wie viel Liebe, Sorgfalt und Ideenreichtum die Saaldekoration und die Kostüme in dieser Zeit gestaltet waren. Der Mangel an anderen Unterhaltungsmöglichkeiten wie Rundfunk oder Fernsehen brachte die Kreativität der Vereine zum sprießen, denn nur durch ein gutes Programm und eine gute Dekoration (natürlich alles handgemacht) konnte man sich von den anderen Anbietern abgrenzen.
Ab 1906 stand den Ohrdrufer Narren auch der große Saal des Erbprinzen (Weißes Ross) zur Verfügung.
Im Jahr 1907 treten neue „Ortsstatuten betreffend die Erhebung einer Abgabe von Lustbarkeiten in der Stadt Ohrdruf“ in Kraft.
1921 gründete Carl Hanf, der seit 1918 Teilhaber bei der Maskenfabrik Franck & Co war seine eigene Maskenfabrik. An Masken, Zubehör, Dekoration und guten Ideen für die Ausgestaltung von Maskenbällen dürfte zu dieser Zeit kein Mangel geherrscht haben – Narrenherz was willst du mehr.
1933 finden wir neben den vielfältigen karnevalistischen Angeboten im Anzeigenteil des Thüringer Waldboten das Filmprogramm des Ohrdrufer Lichtspielhäuser und natürlich die strammen Ankündigungen von Parteiveranstaltungen. Während die „Kristall-Diele“ im Waldtor für Dienstag, den 28. Februar für einen lustigen Fastnacht-Abend wirbt und im Apollo-Lichtspielhaus „die verkaufte Braut“ gespielt wird, spricht Paul Fischer aus Arnstadt in einer öffentlichen Kundgebung der NSDAP im Ankersaal.
Aber auch nach dem Krieg war die Lust am Bunten Treiben ungebrochen, wieder wurde auf allen Sälen gefeiert. Bis zur Umfunktionierung als Turnhalle herrschte auch im Lindenhof noch ausgelassenen Stimmung.
Mitte der 1950er Jahre gründete sich der erste Ohrdrufer Carneval Verein und führte die Ohrdrufer durch die närrische Zeit. Besonders beliebt die großen Rosenmontagsumzüge und der Kostümball im Weißen Ross.
In dieser Zeit stellte die Firma Franck & Co. nach über 100 Jahren die Produktion ein, das traditionelle Handwerk der Maskenherstellung wurde von der Firma Carl Hanf bis in unsere Tage weiter getragen. Dieser erste Carneval Verein löste sich schon nach wenigen Jahren wieder auf.
Ende der 60er Jahre ein neuer Versuch. Die Stadt war wieder fest in Narrenhand. In dieser Zeit hatten es besonders die Männer und Frauen in der Bütt schwer nicht anzuecken und so löste sich auch diese zweite OCV wieder auf, ohne das das närrische Treiben endgültig zu Ende war.
Zunächst gestalteten die „TOL“ und „Disco- Klaus“ Tanzveranstaltungen am närrischen Wochenende. Bis zur endgültigen Schließung vom „Weißen Roß“ versuchte Klaus Daudert als „letzter Mohikaner“ die Ehre des Ohrdrufer Karnevals zu bewahren. Das närrische Zepter in Ohrdruf hatte zu diesem Zeitpunk allerdings schon längst der WCV (Wölfiser Carneval Verein) übernommen. So retteten die Wölfiser bis 1990 die närrischen Tage in Ohrdruf. Erst als die Schließung der Schenke Wölfis auch den WCV kurzzeitig ins Wanken brachte und der Saal im „Deutsche Kaiser“ zur Diskothek „Das Ohr“ ausgebaut wurde, kam der Karneval in Ohrdruf ganz zum Erliegen.
Am 12. März 1993, also gerade nach Ablauf der närrischen Session 1992/1993, wurde über den Thüringer Waldboten Ohrdruf ein Aufruf zur Wiederbelebung der alten Karnevalstradition veröffentlicht. Sofort machten sich etwa 10 begeisterte Karnevalisten, (einige mit Erfahrungen aus dem vorangegangenen OCV) daran, einen Verein nach bundesdeutschem Recht zu gründen und diesen ins Vereinsregister des Landkreises Gotha eintragen zu lassen.
Nach den ersten vorsichtigen Schritten auf dem närrischen Parkett und einem riesigen Engagement aller Beteiligten war schon bald ein Verein aufgestellt, dem man die lange Abstinenz vom Karneval schon nach der Session nicht mehr anmerkte. Von Büttenreden über Fünkchen, bis Prinzengarde und Männerballett war bereits alles im Programm vorhanden. Der „Deutsche Kaiser“ war in der Phase der Neugründung das neue Domizil des OCV e.V.
Mit der Untergang des „Deutschen Kaiser“ durch einen Großbrand im Sommer 2002 stand der Karneval schon wieder auf dem Prüfstand. Es fehlte an einem geeigneten Saal. Das Ausweichmanöver in die Diskothek „Das Ohr“ blieb eine Eintagsfliege. Unter dem Motto „wir haben den Kanal noch lange nicht voll“ fanden die Veranstaltungen 2002/2003 im Bürgersaal Schloss Ehrenstein statt.
Seit 2004 hat der OCV seine Veranstaltungen in der Ohrdrufer Goldberghalle und wenn ab dem 04.02.2011 in der Goldberghalle wieder die Wände wackeln und der Boden bebt, dann wissen es alle, der Karneval in Ohrdruf lebt!























