Plus an Mobilität

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Rollstuhlfahrer und Menschen mit Handicap können schon bald auch in den Wagen der Thüringerwaldbahn- und Straßenbahn (TWSB) die Region erkunden.

Möglich machen das vier Gelenktriebwagen mit Niederflur-Mittelteil, die das Unternehmen vom Verkehrsverbund Rhein-Neckar erworben hat und die nach notwendigen Umbauten ab Ende nächsten Jahres als behindertengerechte Fahrzeuge zwischen Gotha und Tabarz verkehren werden. Im Beisein von Landrat Konrad Gießmann sowie Olaf Stiehler und Ingolf Horn vom Behindertenverband des Landkreises Gotha wurde die erste umgerüstete Bahn heute öffentlich vorgestellt.

„Wir integrieren den ersten Gelenktriebwagen zunächst in den normalen Fahrplan, ohne diese Verbindung gesondert als behindertengerecht auszuweisen“, sagt Dieter Schedel, Geschäftsführer der TWSB. Der Grund: Erst wenn alle vier Wagen entsprechend umgebaut und ausgestattet wurden, was das Unternehmen bis Ende 2013 in Eigenregie übernimmt, können drei Bahnen im regulären Fahrplan entsprechend ausgewiesen werden, während eine für den Havariefall in Reserve vorhanden ist. Die rund 300.000 Euro schwere Anschaffung und Umrüstung der Bahnen fördert der Freistaat Thüringen jeweils zu 50 Prozent; den restlichen Betrag stemmt die TWSB aus Eigenmitteln.

Deutliches Signal mit finanzierbarer Lösung gesetzt

„Die Thüringerwaldbahn- und Straßenbahn setzt hier ein deutliches, positives Signal. Das Unternehmen nimmt sich der Belange von Menschen mit Handicap an und hat mit dem Erwerb gebrauchter Niederflurwagen einen Weg gefunden, der sich auch finanzieren lässt“, würdigt Landrat Konrad Gießmann die Lösung. Der Ankauf fabrikneuer Niederflurbahnen wäre bei Stückpreisen von 2,5 Mio. Euro aufwärts weder für das Unternehmen noch den Landkreis als Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr möglich gewesen. „Deshalb gilt mein ausdrücklicher Dank der Findigkeit der TWSB, aber auch dem Freistaat Thüringen als Kofinanzier dieses Projekts.“

Für den Kreisverband der Behinderten erfüllt sich nunmehr in absehbarer Zeit ein lange gehegter Wunsch: „Wir haben seit Jahren in unserer Arbeitsgruppe Bau und Verkehr gemeinsam mit der TWSB nach Lösungen gesucht und sind sehr froh, dass es nun eine klare Perspektive gibt“, so Michael Schneider, Vorsitzender des Verbands. Wichtig sei, dass eine feste Taktung für behindertengerechte Fahrten in den Plan aufgenommen wird, sobald die Arbeiten beendet sind. Er verweist gleichzeitig darauf, dass die Investition in Niederflurtechnik nicht nur Menschen mit Handicap, sondern auch jungen Eltern mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren die Bahnfahrten deutlich erleichtert.

Ausstattung den Notwendigkeiten angepasst

Die gebrauchten Niederflurwagen verfügen über einen stufenlosen Zugang, eine Rampe, um den Spalt an der Bahnsteigkante zu überbrücken sowie spezielle Türöffnungstaster für Rollstuhlfahrer. Ausreichend Stellplätze für Rollstühle und Kinderwagen bieten sie ebenfalls. Bis zur Indienststellung aller Wagen werden noch Ziel- und Haltestellenanzeigen und die Fahrscheinentwerter angepasst, die Karosserien instand gesetzt und die Beleuchtung auf Niedrigenergielampen umgestellt. Das Fahrpersonal wird ebenfalls noch in die neuen Typen eingewiesen.