86 Bürgerinnen und Bürger aus Gotha und Umgebung haben am Samstag im Rahmen des Bürgerdialogs Demografischer Wandel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die Frage diskutiert, wie Deutschland und somit auch die Region Gotha ideenreich und innovativ bleiben kann.
Im Tagungszentrum in der ehemaligen Kaserne in Gotha-West entwickelten die Teilnehmenden auf der fünften von bundesweit sechs Bürgerkonferenzen Gestaltungsideen zum Zusammenleben, zur Arbeitswelt, zum lebenslangen Lernen und zur Bildung.
Das waren u. a.:
• Zusammenleben: Förderung von Mehrgenerationenhäusern als Begegnungszentren im Verbund mit Kinderbetreuungseinrichtungen, Bibliotheken oder Jugendzentren
• Arbeitswelt: Ökonomische Anreize für mehr Familienfreundlichkeit in Unternehmen schaffen – zum Beispiel durch zweckgebundene Abgabenleistung bei Nichteinhaltung einer Eltern-Quote oder bei Fehlen eines Betriebskindergartens
• Lebenslanges Lernen: „Arbeiten außerhalb der Linie“ zum Beispiel in einem Coachingmodell, in dem ältere Arbeitnehmer jüngere beraten / Online-Datenbank mit Fachkräfteprofilen von Ruheständlern aufbauen
• Bildung: Lerntandems für ein „Learning on the job“ statt wenig effektive formale Weiterbildungsangebote
Eva Nourney, Leiterin des Referats Wissenschaftsanalysen, Wissenschaftskommunikation und Forschungskoordinierung im BMBF nahm die Ergebnisse entgegen und dankte den Teilnehmenden für ihr Engagement: „Es ist wichtig, dass wir über den demografischen Wandel nicht nur in unserem Büros nachdenken, sondern auch erfahren, was die Bürgerinnen und Bürger bei dem Thema bewegt und welche Vorschläge und neuen Ideen sie haben.“
Nourney unterstrich, dass die Ergebnisse des Bürgerdialogs Eingang in den Prozess der politischen Meinungsbildung finden werden – im BMBF ebenso wie im Umsetzungsprozess der Demografiestrategie der Bundesregierung.
Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch zeigte sich in seiner Begrüßung erfreut, dass Gotha für eine der sechs Bürgerkonferenzen ausgewählt wurde und betone die Bedeutung des demografischen Wandels als politischem Querschnittsthema: „Die demografische Entwicklung betrifft so gut wie alle Gesellschaftsbereiche und alle politischen Ebenen: Es geht darum, wie wir das Zusammenleben der Generationen in Bund, Ländern und Kommunen in der Zukunft gestalten. Deshalb wünsche ich mir nicht nur eine gute, sondern auch eine effektive Diskussion.“
Einblick gewinnen. Mitreden.
Die Teilnehmenden nutzten die Veranstaltung, um Einblick zu gewinnen und mitzureden. Sie informierten sich bei den anwesenden Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, diskutierten mit ihnen und untereinander ihre Fragen, Bedenken und
vor allem Erwartungen. So auch die beiden Betriebswirtinnen Daniela (28) und Bianca Müller (32) aus Gotha: „Wirklich überrascht hat uns, wie breit das Spektrum der Fragen ist, die sich im Zuge des demografischen Wandels stellen. Mit dem Thema Fachkräftemangel und lebenslanges Lernen haben wir uns beide während unseres Studiums auseinandergesetzt.
Bei der Diskussion heute ist auch klar geworden, wie viel es zum Beispiel beim Dialog zwischen Jung und Alt noch nachzuholen gibt. Bei dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie gingen die Meinungen weit auseinander und es war interessant, Standpunkte kennenzulernen, mit denen man sonst kaum in Berührung kommt.“
Die Expertinnen und Experten nahmen die Impulse und Ideen auf – so zum Beispiel beim Thema lebenslanges Lernen und Arbeitswelt: Manfred Gogol von der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie sprach sich für ein neues Altersbild aus, in dem das Erlernen neuer Fähigkeiten einen festen Platz einnimmt: „Im Laufe des Lebens erwirbt jeder Einzelne außerordentlich viele verschiedene Kompetenzen. Es wird darum gehen, diese Fähigkeiten zu erhalten und noch im Alter weiter zu entwickeln.“
Thomas Herrmann, Inhaber des Lehrstuhls für Informations- und Technikmanagement an der Ruhr-Universität Bochum, betonte die Bedeutung neuer Technologien: „Ich sehe Trends in der Arbeitswelt, die dazu beitragen können, Arbeit zu erleichtern und einen fließenderen Übergang zwischen Berufstätigkeit und Rente zu ermöglichen. Zugleich kann uns Technik dabei helfen, am gesellschaftlichen Zusammenleben länger aktiv teilzuhaben.“
Die Dokumentation der Diskussionsergebnisse nahmen Frau Nourney für das BMBF sowie die teilnehmenden Expertinnen und Experten am Ende des Tages entgegen. Sie fließen in den Bürgerreport ein, der Anfang 2013 auf dem Bürgergipfel Demografischer Wandel an Bundesbildungsministerin Annette Schavan sowie an Verantwortliche aus dem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben übergeben wird.
Noch bis Ende November wird der Bürgerdialog parallel zu den Bürgerkonferenzen auch im Internet geführt. Alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind eingeladen, sich zu beteiligen: http://www.buergerdialog-bmbf.de/demografischer-wandel/index.php




















