Von Blockflöte bis Zither

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Mit der Übergabe der gesammelten Instrumente am 2. Juni 2012 an die Band „Strom & Wasser“ endete die bisher in Deutschland einzigartige Stadtaktion „GOTHA HILFT! – Instrumente für Flüchtlinge“. Insgesamt 64 Instrumente, von Blockflöte bis Zither, waren zwischen dem 25. April und dem 1. Juni in Gotha gesammelt wurden. Die Instrumente sollen Kindern und Erwachsenen in deutschen Flüchtlingslagern zugute kommen.

Am vergangenen Samstag wurden nun die in Gotha gesammelten Instrumente nach Kassel geschafft, wo sie beim Internationalen Frühlingsfest an Heinz Ratz von „Strom & Wasser“ übergeben wurden. Er rief Ende 2011 ein einmaliges Musikprojekt ins Leben und spielt mit den Flüchtlingen, die in ihrer Heimat oft bekannte Musiker waren, sich in Deutschland aber nicht einmal ein Instrument leisten können.
Das Projekt stößt auf großes mediales Interesse: Neben einem gerade entstehenden deutschen Kinodokumentarfilm hat auch die BBC schon 20 Minuten über das Projekt in Deutschland berichtet.

Welche Probleme es hierzulande gibt, zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass nicht alle Musiker der Band für die Tour eine Reisegenehmigung erhielten, so durften zwei Roma nicht nach Kassel reisen. „Zwischen all den Repressionen im Alltag dieser Menschen geben die Instrumente den Flüchtlingen ein Stück ihrer Kultur und Ihrer Freiheit zurück“ ist sich Ratz sicher, der sehr begeistert von der großen Spende aus Gotha war.
„Allen Spendern gebührt ein herzliches Dankeschön“, freut sich Matthias Hey, Sprecher von „GOTHA HILFT!“, der dabei aber auch an alle erinnert, die diese Aktion tatkräftig unterstützten, so zum Beispiel die Firma Fialik in Gotha, die schnell und unkompliziert einen Transporter bereitstellte. Das Umladen der Instrumente wurde von den „Refugees“ (deutsch: Flüchtlingen) gespannt beobachtet, die sich sehr dankbar zeigten und überrascht waren, dass sich eine ganze Stadt für die Instrumentenaktion interessierte. In gebrochenem Englisch und Französisch erzählten sie von ihrem Leben.

„Das war schon ein komischer Moment“ sagte Alexander Linß. „Da stehen vor dir Menschen aus Somalia, Afghanistan, Gambia und der Elfenbeinküste, die einerseits froh über die Hilfsaktion, andererseits mit Blick auf ihre Zukunft unsicher und ängstlich sind, z.B. Sam, der seit vier Jahren in einem Flüchtlingslager bei Reutlingen lebt und erstmals mit seiner sechsjährigen Tochter in Gambia telefonieren konnte, für die er nur noch ein Fremder ist. Und dann gehen sie alle gemeinsam auf die Bühne und all diese Sorgen scheinen für wenigstens eine Stunde vergessen. Ich habe miterleben dürfen, wie all diese Musiker gemeinsam in ihrer jeweiligen Landessprache gesungen haben“ sagt Linß beeindruckt.

Wer Interesse hat, die Refugees mal selbst zu erleben, dem sei das diesjährige Folk- und Weltmusikfestival in Rudolstadt empfohlen. Dort ist die Band am Freitag, dem 6. Juli, und Samstag, dem 7. Juli, zu Gast.
Foto: v.l.n.r.: Elisabeth Adam, Karl Schneemann, Hans Förster, Alexander Linß (alle „Sammler“ der Instrumente) und Heinz Ratz von „Strom & Wasser“ (Foto von Karolin Schulz).