Zurück in Gotha – Rückgabe zweier italienischer Majolikaschälchen

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Im Jahr 1791 erwarb Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1745-1804) von dem Nürnberger Forscher und Sammler Christoph Gottlieb von Murr (1733-1811) 46 italienische Renaissance-Majoliken zum Preis von 10 Dukaten. Dabei handelte es sich um Schalen und Teller des 16. Jahrhunderts, die überwiegend aus Werkstätten in Urbino und Venedig stammten. Möglicherweise wurde Johann Wolfgang von Goethe durch die Sammlung des ihm freundschaftlich verbundenen Gothaer Herzogs angeregt, eine eigene Majolika-Kollektion anzulegen.

Nach der Vereinigung der beiden Herzogtümer Gotha und Coburg im Jahr 1826 gelangten aus Coburg weitere italienische Majoliken in die Gothaer Sammlung. Im Jahr 1879 wurden sie im neu eröffneten Herzoglichen Museum untergebracht und waren somit für die Öffentlichkeit zugänglich.

Karl Purgold, Direktor des Herzoglichen Museums von 1890 bis 1934, bemühte sich in besonderem Maße um die Erweiterung der keramischen Bestände. So erwarb er 1893 auf der Auktion der berühmten Sammlung Spitzer in Paris einen seltenen Albarello (ein Apothekengefäß) aus Deruta um 1480/90. In den 20er Jahren tätigte Purgold weitere Erwerbungen, so dass die Sammlung auf 77 Stücke anwuchs. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 40 Majoliken, verschwanden in der Zeit der Nachkriegswirren 1945/46 auf bislang ungeklärte Weise aus dem Museum.

Die verlorenen Stücke wurden in einer 1997 erschienenen Verlustdokumentation der Gothaer Kunstsammlungen veröffentlicht. 1999 kam es in einem bekannten Schweizer Auktionshaus zur Versteigerung eines Majolika-Tellers aus ehemaligem Gothaer Museumsbesitz. Mit Hinweis auf die Verlustdokumentation, in der auch das betreffende Stück abgebildet ist, hatte das Schlossmuseum das Auktionshaus gebeten, den Teller von der Versteigerung zurückzuziehen und einen Kontakt mit dem Einlieferer zu vermitteln. Alle Bemühungen und Hoffnungen, das Stück für die Gothaer Sammlung zurückzugewinnen, waren jedoch vergeblich.

Umso größer ist in der Stiftung Schloss Friedenstein nun die Freude, dass zwei vermisste Majoliken nach mehr als 65 Jahren nach Gotha zurückkehren. Es handelt sich um zwei venezianische Majolikaschälchen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, die dem Londoner Auktionshaus Christie’s im vergangenen Jahr angeboten worden waren. Eine Anfrage des renommierten Auktionshauses beim Art Loss Register ergab, dass beide Stücke auf der umfangreichen Verlustliste der Gothaer Kunstsammlungen vermerkt sind. Da nach britischem Recht – anders, als in der Bundesrepublik Deutschland – Kunstraub nicht verjährt, erklärte sich der Einlieferer schnell bereit, die Schälchen entschädigungslos zurückzugeben.

Das Art Loss Register (ALR) wurde 1991 gegründet und betreibt die größte internationale Datenbank mit über 300.000 registrierten gestohlenen oder vermissten Objekten. Die Benutzung dieser Datenbank führt zur Wiederauffindung gestohlener Objekte; eventuelle Konflikte, wie rechtliche Streitigkeiten werden vom ALR moderiert und begleitet. Objekte werden sichergestellt und an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben.

Publiziert: 21. Mai 2011, 17.02 Uhr

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