„Oscar am Freitag“-TV: Neue Chance für Schloss Reinhardsbrunn

Fast 1.000 Jahre Geschichte mit einem guten Schluss

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Schloss Reinhardsbrunn. Hier atmet jeder Quadratmeter Geschichte. 440 Jahre Kloster, 420 Jahre Adelsresidenz, dann Lazarett, später Feuerwehrschule. Seit den 1950er-Jahren ein nobles Hotel, vor allem für Gäste mit Devisen. Ergänzt später um einen Intershop, um auch Einheimischen die harte Währung aus der Tasche zu ziehen.

Schloss und Park waren damals Aushängeschild des mit über einer Million Übernachtungen zweitgrößten Urlauberortes der DDR, Restaurant, Café und erst recht die in den 1980er-Jahren eingerichtete Kellerbar galten als begehrte Treffpunkte.
Konzerte des Leipziger Gewandhausquartetts und Kongresse unterschiedlicher Art machten das Schloss zum kulturellen Zentrum und zum Bildungsstandort.

Treuhand machte einen Strich durch die Rechnung

Nach dem Mauerfall kam die Anlage auf eine Landesliste wichtiger kulturhistorischer Immobilien, die in staatlichen Besitz überführt werden sollten. Doch die Treuhand verkaufte Reinhardsbrunn wie weitere 14 Spitzenhotels der DDR.

Neuer Eigner wurde die Berliner Hotelgruppe Travel Charme, hinter der betuchte Investoren standen. Sie führten das Kavaliershaus weiter. Planten auch, das geschlossene Haupthaus für 45 Millionen Mark auszubauen. Dazu kam es nicht.

2006 wurde das Schloss an die in Weimar ansässige Firma BOB Consult GmbH verkauft, die 2008 vom russischen Unternehmen Rusintech für 12 Millionen Euro gekauft wurde. Die Umstände der Transaktion weckten das Interesse der Thüringer Staatsanwaltschaft, die Geldwäsche vermutete. Deshalb wurde 2009 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Dubiose Machenschaften

Rusintech war nämlich erst kurz vorm Kauf der BOB Consult mit 10.000 Rubel Anfangskapital gegründet worden. Der Umsatz fürs Jahr 2008 war Null. Die Ermittler fanden heraus, dass die Kaufsumme von 12 Mio. Euro einem Offshore-Konto des russischen Duma-Abgeordneten Anatoli Iwanowitsch Ostrjagin von der regierenden Partei Einiges Russland entstammten.

Ostrjagins in London lebender Sohn Konstantin war der Geschäftsführer der Firma, die das Schloss kaufte. Die russischen Besitzer nahm dann auf das Schloss Hypotheken auf. Auf der Immobilie lasten seitdem Schulden von fast 10 Mio. Euro.

2016 begann dann ein Enteignungsverfahren, dass am 10. Juli 2018 abgeschlossen wurde. Das Schloss ist seither im Besitz des Freistaat Thüringen.

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