Die literarische Intervention „Beredsamkeit der Dinge“ startet zur Gothaer Museumsnacht

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Isabelle Lehn, geboren 1979 in Bonn, lebt heute in Leipzig und schreibt erzählende und essayistische Prosa. 2024 erschien im S. Fischer-Verlag ihr Roman „Die Spielerin“. (Foto: Jasmin Zwick)
Fliesenstudio Arnold

Die „Beredsamkeit der Dinge“ geht in die vierte Runde! Kann man einen Mumiensarg, Conrat Meits „Adam und Eva“ oder einen Tanzspiegel aus Wyoming aus dem Blickwinkel der Mode lesen? Ja, man kann! Die Autorin Isabelle Lehn hat genau dies getan und acht Exponaten im Herzoglichen Museum Gotha und Schloss Friedenstein einen literarischen Objekttext an die Seite gestellt. Dabei ist witzige und kluge Kurzprosa in 600 Zeichen entstanden: „Dresscode!“. Das geht aus einer Meldung der Friedenstein Stiftung Gotha hervor.

Pünktlich zu Museumsnacht am Samstag, 22. November, werden die Texte im Herzoglichen Museum zu lesen und hören sein, mit einem Bonusobjekt im Schloss Friedenstein. Die „Beredsamkeit der Dinge“ wird um 20 Uhr in der Skulpturenhalle des Herzoglichen Museums in Anwesenheit der Autorin eröffnet. Im Rahmen eines lockeren Gesprächs liest sie auch aus ihrem aktuellen Roman „Die Spielerin“ (S. Fischer, 2024). Die literarische Intervention – inklusive Liebhaberbüchlein und gemütlicher Sitzgelegenheit vor dem jeweiligen Objekt – ist bis zum 26. April 2026 zu erleben.

Bei Isabelle Lehn trifft modernes Fashion-Vokabular auf Kulturgeschichte. Mit der Autorin setzt die Friedenstein Stiftung ein museales wie literarisches Experiment fort. Über ihre Objekttexte können sich die Museumsbesucher:innen den Exponaten auf eine neue Weise nähern – über Texte, die nicht wissenschaftlich erklären, sondern mit den Mitteln der Literatur kommentieren, assoziieren und spielen. Normalerweise sind Objekttexte jene oft zu klein beschriebenen Schilder, die dem Museumsgast Auskunft zum Werk in unmittelbarer Nähe geben. Künstler:in, Titel, Material und Technik. In dichtem Fachduktus informieren sie über die Objektgeschichte oder die kulturelle Bedeutung des Exponats.

In der 2022 ins Leben gerufenen Reihe folgt Isabelle Lehn den Autor:innen Miku Sophie Kühmel, Elisabeth R. Hager und Yannic Han Biao Federer nach. Erstmals sind in diesem Jahr unter den bedichteten Exponaten auch Objekte, die sich sonst im Depot befinden. Alle stammen aus der ethnographischen Sammlung: ein Perlenschurz aus Guyana, ein chinesischer Hut aus Federkielen, ein Tanzspiegel aus Wyoming/USA, eine Flachs-Tasche aus Neuseeland oder grüne Chagrin-Schuhe aus Lahore/Pakistan.

Das literarisch-museale Experiment gibt es auch zum Mitnehmen: In Form einer Liebhaberausgabe aus ökologischem Material und von Hand gebunden in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren. Das Booklet kostet fünf Euro. Isabelle Lehn hat ihre Texte eingelesen, in die Audios reinhören kann man hier:https://flexliterarischeobjekttexte.podigee.io

Über die Autorin

Isabelle Lehn, geboren 1979 in Bonn, lebt heute in Leipzig und schreibt erzählende und essayistische Prosa. Sie ist promovierte Rhetorikerin, Autorin des mehrfach ausgezeichneten Debütromans „Binde zwei Vögel zusammen“ und des Romans „Frühlingserwachen“. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie zahlreiche Preise und Stipendien, darunter ein Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds und zuletzt den Dietrich-Oppenberg-Medienpreis für ihren Aufsatz „Weibliches Schreiben“, der sich mit der geschlechtsspezifischen Rolle von Autor:innen im Literaturbetrieb auseinandersetzt. 2024 erschien im S. Fischer-Verlag ihr Roman „Die Spielerin“, der die Schattenseiten des internationalen Finanzsystems ins Visier nimmt und von Denis Scheck als „die feministische Antwort auf „Der Pate“ gelesen wurde.

Die Informationen im Überblick:

„Die Beredsamkeit der Dinge. Dresscode! von Isabelle Lehn“

Herzogliches Museum Gotha
23. November 2025 bis 26. April 2026
Eröffnung zur Museumnacht: 22. November 2025, 20 Uhr, Skulpturenhalle

Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag
10 – 16 Uhr (November bis März, ab April bis 17 Uhr)
Montags geschlossen, an Feiertagen geöffnet. Am 24.12. und 31.12.2025 haben alle Museen geschlossen.
Der Eintritt in das Herzogliche Museum kostet 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Kinder und Jugendliche bis 12 Jahre haben freien Eintritt.

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