Die OeTTINGER-Krise: Stellungnahmen der SPD im Kreistag und der SPD-/FDP-Stadtratsfraktion in Gotha

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Auch diese vier OeTTINGER-Getränke, die eine DLG-Prämierung bekamen, verschwinden vom Markt. Foto: OeTTINGER

Gotha (red, 9. Juni).

Die SPD-/FDP-Stadtratsfraktion Gotha übt Kritik an der geplanten Brauerei-Schließung:
„Wie gestern informiert wurde, wird Oettinger seine Brauerei in Gotha zum Jahresende schließen, dies bedeutet für fast 200 Beschäftigte eine ungewisse Zukunft und einen großen Verlust für den Wirtschaftsstandort Gotha und die Region.
Die Oettinger-Brauerei übernahm 1991 die ehemalige VEB-Brauerei und hat diese zum ersten Oettinger-Standort außerhalb Bayerns gemacht. In den letzten 30 Jahren wurden mehr als 100 Millionen Euro in den Standort investiert. Aus der kleinen Brauerei wurde die modernste und größte Braustätte Thüringens.
Die Oettinger-Brauereigruppe schreibt schwarze Zahlen, und richtet seit Jahren ihr Marketing auf ein ökologisches Bier ohne Gentechnik. Allerdings stellt die geplante Umstellung vom Mehrweg-System auf ein Einwegsystem diese Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit infrage.

SPD-/FDP-Fraktionschef Marcel Andreß dazu:
„Nach dem viel zu frühen Tod des Oettinger-Brauereichefs und Gothaer Mäzens, Dirk Kollmar, im Jahr 2014 scheint es im Unternehmen kein soziales Gewissen mehr zu geben. Die Schließung ist weder wirtschaftlich noch umweltpolitisch nachvollziehbar.
Kollmar baute den Standort Gotha mit Herzblut zu seiner jetzigen Größe aus und unterstützte zudem jahrelang unzählige Vereine und Feste in der Region. Für sein soziales Engagement erhielt Kollmar im Jahr 2011 das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Myconius-Medaille der Stadt Gotha.
Der bevorstehende Jobverlust trifft die circa 200 Beschäftigten hart. Auch für die Wirtschaft in der Region ist die Schließung schmerzhaft, so bezog die Brauerei einen Großteil der Gerste und des Malzes aus dem benachbarten Erfurt.
Ohne die guten und engagierten Fachkräfte vor Ort und die wirtschaftliche Unterstützung seitens Stadt Gotha und des Landes wäre das Unternehmen Oettinger heute nicht das, was es ist.
Die Oettinger-Brauerei war stets ein angesehener Partner in der Region und ein beliebter Arbeitgeber. Vom Sponsoring zog sich die Brauerei-Gruppe nach dem Tod Dirk Kollmars kontinuierlich immer stärker zurück. Dass Kollmars Vermächtnis jetzt endgültig sein Ende mit der Brauereischließung finden soll, ist eine bedauernswerte Entscheidung für die Region und ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten. Wir zeigen uns solidarisch mit allen Beschäftigten“.

Namens der SPD-Fraktion des Kreistages teilte deren Vorsitzender Christian Theodor aus gleichem Anlass Folgendes mit:
„Wieder einmal sieht es so aus, als ob die ,neuen Bundesländer‘ nur als verlängerte Werkbank westdeutscher Firmen gelten. Mit der Ankündigung der bayrischen Unternehmensgruppe Oettinger, die ihr angehörigen Brauerei in Gotha zu schließen und die Produktion auf die drei anderen westdeutschen Braustätten Braunschweig, Mönchengladbach und Oettingen zu verteilen, wird dies leider wieder deutlich und kann nicht nachvollzogen werden. Die gesamte Branche der Bierbrauereien in Deutschland hat seit geraumer Zeit mit einer negativen Entwicklung des Absatzvolumens auf dem Biermarkt zu kämpfen. Um dieser negativen Entwicklung im Verbund der Oettinger-Brauereigruppe entgegenzuwirken, ist schlichtweg nicht begründbar, warum diese negative Entwicklung fast komplett der Gothaer Brauerei mit deren Schließung zulasten fallen soll, statt eine gesamtunternehmerische Lösung zu finden.
Leider aber hat sich aus meiner Sicht bereits der Abschied der Firma Oettinger aus der Region Gotha seit dem Tod von Dirk Kollmar im Jahr 2014, dem damaligen Leiter der Oettinger-Unternehmensgruppe, immer mehr abgezeichnet. So wurde die Unterstützung für den sehr erfolgreichen Basketball-Sport in Gotha eingespart und die Oettinger-Brauerei hatte sich aus dem Betrieb des in Ihrem Besitz befindlichen ,Stutzhäuser Gasthauses‘ in Luisenthal zurückgezogen und dieses nur noch verpachtet. Für die Stadt Gotha, die Region und den Einwohnerinnen und Einwohner wäre die jetzige Entscheidung wieder ein Rückschlag in einer bisher erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung in Gotha seit der politischen Wende 1990.
Ich kann nur hoffen, dass zusammen mit dem Unternehmen Oettinger für die Brauerei in Gotha eine tragfähige Lösung gefunden werden kann, um die bedrohten Arbeitsplätze zu retten und gleichzeitig die Brauereitradition der größten Brauerei Thüringens in Gotha zu erhalten.
Die SPD-Kreistagsfraktion des Gothaer Kreistages steht an der Seite der Beschäftigten der Gothaer Brauerei und diese können sich der Unterstützung einer möglichen Lösung für eine Zukunftssicherung der Brauerei Gotha durch die SPD-Kreistagsfraktion sicher sein.“ 
 
 

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