Ein Tausch mit Köpfchen: Statue von König Sesostris III. temporär ersetzt

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Die vier Lämpchen der Vitrine strahlen ins Leere. Der Platz im Untergeschoss des Herzoglichen Museums Gotha, dort wo normalerweise das Oberteil einer Pharaonenstatue vor goldenem Hintergrund inszeniert wird, ist leer. Die Statue von König Sesostris III. aus dem Mittleren Reich (1860 v. Chr.) befindet sich momentan in Karlsruhe, wo sie ab dem 17. Dezember 2016 in einer großen, international bestückten Sonderausstellung des Badischen Landesmuseums zu sehen ist: In „Ramses – göttlicher Herrscher am Nil“ wird das Objekt aus Granodiorit wirkungsvoll in einer Einzelvitrine präsentiert und erhält damit – ebenso wie in Gotha – einen seiner Bedeutung entsprechenden Platz.

Sesostris III. war einer der bedeutendsten Herrscher des Mittleren Reiches, der den Herrschaftsraum Ägyptens maßgeblich ausdehnte und zum Schutze des Landes Festungen und Städte errichtete. Auch die Monumentalkunst erlebte im Reich unter ihm einen enormen Aufschwung, zahlreiche Tempel entstanden. Politisch und ökonomisch führte Sesostris III. Ägypten zu einer neuen Blüte.

Um den Besuchern des Herzoglichen Museums auch weiterhin ein gleichsam bedeutendes Kunstwerk in der ägyptischen Sammlung präsentieren zu können, wurde heute ein Austauschkopf installiert. Gemeinsam mit den Depotmitarbeitern Jürgen Weis und René Winter hat die wissenschaftliche Mitarbeiterin Uta Wallenstein ein Objekt aus dem Karlsruher Museum in der Vitrine positioniert: Es handelt sich um einen altägyptischen Pharao aus der Dritten Zwischenzeit (22.bis 23. Dynastie, um 1000 – 700 v. Chr.). Er wird bis Mitte Juni 2017 in Gotha zu sehen sein.

Stiftung an drei großen archäologischen Ausstellungen beteiligt

Die Karlsruher Ausstellung, bei der auch Leihgaben aus dem Pariser Louvre, aus dem British Museum oder dem Museo Egizio in Turin zu sehen sind, zeichnet ein umfassendes kulturhistorisches Bild der Ramessidenzeit. Es wird nicht nur die Persönlichkeit Ramses II. beleuchtet, sondern auch seine Familie und sein Hof. Ebenso gewährt die Ausstellung Einblicke in die Gesellschaftsstruktur Altägyptens und seine Außenpolitik. Mit dieser Ausstellung wird erstmals in Deutschland einem der bedeutendsten Herrscher Ägyptens eine großartige Schau gewidmet.

Ramses II. herrschte im 13. Jh. v. Chr. über einen Zeitraum von 66 Jahren und damit so lange wie kein anderer Pharao über das alte Ägypten. Er gilt als einer der bedeutendsten Herrscher Ägyptens und wurde schon zu seinen Lebzeiten vergöttlicht. Unter ihm entstanden so viele Bauwerke und Statuen wie zu keiner anderen Zeit. Bekannt sind seine kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Hethitern, einer Großmacht Vorderasiens. Nach dem Sieg seiner Truppen in der Schlacht von Kadesch schloss er mit den Hethitern den ersten Friedensvertrag der Weltgeschichte.

Mit der Leihgabe von Sesostris III. beteiligt sich die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha innerhalb eines Jahres an drei größeren archäologischen Ausstellungen. Vom 26. November 2015 bis 29. März 2016 war das Gothaer Porträt der römischen Kaiserin Agrippina (50 bis 54 n. Chr.) in Köln in der Präsentation „Agrippina – Kaiserin aus Köln“ zu sehen, im Rheinischen Landesmuseum Trier wurde eine tönerne Spardose aus dem 1./2. Jh. n. Chr. mit der Darstellung eines Wagenlenkers in der Großausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ (14. Mai bis 16. Oktober 2016) aus Gotha gezeigt. Hierin zeigt sich nicht zuletzt die Bedeutung Gothas auch für die archäologische Fachwelt.

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