Ein Jahr ist vergangen, das Thema bleibt präsent, und die Zahlen sind nach wie vor undurchsichtig: „Lass dich nicht K.O.-Tropfen“, die Kampagne des Jugendamts des Landkreises Gotha, war dennoch ein voller Erfolg.
Am 27. Februar 2025 starteten Sven Zeilmann Kerber und sein Team vom Jugendamt beim Weiberfasching in der Gothaer Stadthalle mit einem Infostand. Ausgestattet waren sie mit Infomaterial, einem Geschenkbeutel – enthalten waren Testarmbänder und Getränkeüberzieher – und viel Enthusiasmus. „Wir wollen für das Thema K.O.-Tropfen sensibilisieren. Natürlich können wir keine hundertprozentige Sicherheit bieten, aber wir können die Achtsamkeit junger Menschen schärfen“, erklärte Zeilmann Kerber (auf dem Foto mit Thomas Jacob) im Februar 2025 zur Vorstellung der Kampagne.
Ein Jahr später stellt sich nun die Frage, ob die 14.000 Euro gut investiert waren. Bei der Präsentation der Bilanz Mitte Februar 2026 zeigten sich Jugendamtsleiter Thomas Jacob, Landrat Onno Eckert und Kampagnenmanager Zeilmann Kerber zufrieden mit dem Ausgang des Projekts. Im Verlauf des einen Jahres fanden Besuche an 18 Schulen statt, zudem war der Infostand auf Veranstaltung zu finden. Insgesamt erreichte die Kampagne rund 3.000 Schüler und 1.000 Feiernde. „Dort, wo sich junge Menschen aufhielten, waren wir präsent. Mit Beratungsgesprächen, dem ‚Goodie-Bag‘ und vielfältigem Informationsmaterial haben wir das Thema ‚K.O.-Tropfen‘ ins Bewusstsein gerückt“, resümierte Zeilmann Kerber. Zu den größten Einsätzen zählten „The Ranch“ in Günthersleben-Wechmar und das Sommernachtsfestival in Goldbach. Doch nicht nur potenzielle Betroffene profitierten von der Kampagne. „Wir haben auch Veranstalter beraten und sie für das Thema sensibilisiert. Dabei ging es um die Einrichtung von ‚Safespaces‘, die Aufstellung von ‚Awareness‘-Teams und die Schulung des Barpersonal im Umgang mit Verdachtsfällen“, erläuterte der Kampagnenmanager. „Lass dich nicht K.O.-Tropfen“ sei eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Einerseits verfügen die Veranstalter über mehr Wissen und Verständnis, andererseits werden mit durchdachten Sicherheitskonzepten zusätzliche Gäste gewonnen werden.
„Weiterhin problematisch bleibt das große Dunkelfeld. Weder Polizei noch Rettungskräfte erfassen systematisch Zahlen zu diesen Fällen“, kritisierte Thomas Jacob. Dabei kommen mehrere Faktoren zusammen: Die Betroffenen bemerken die Verabreichung häufig nicht, da die Substanzen geruchs- und geschmacklos sind. Oftmals werden die Symptome mit starkem Alkohol verwechselt. Hinzu kommt Scham – kaum jemand möchte offen zugeben, Opfer geworden zu sein. Gleichzeitig berichteten Betroffene vereinzelt, dass Hinweise bei Polizei oder Rettungskräften nicht immer ernst genommen würden.
Umso wichtiger sei es, die Präventionsarbeit, wenn auch verändert, fortzusetzen. „Wenn Schulen oder Veranstalter auf uns zukommen und unsere Beratungsangebote nutzen möchten, stehen wir weiterhin zur Verfügung“, betonte Zeilmann Kerber. Auch die Ziele für die Zukunft seien klar formulier: „Es muss den Tätern so schwer wie möglich gemacht werden, aktiv zu werden. Jede noch so kleine Maßnahme kann helfen“, bekräftigte Jugendamtsleiter Thomas Jacob.
Leider sei die Wahrnehmung des Themas stark verzerrt, so Onno Eckert. Seiner Ansicht nach liege das an einem bedrückenden Umstand: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Männer Opfer von K.O.-Tropfen werden, ist äußerst gering. Frauen werden gezielt ausgewählt. Darauf deuten zumindest einzelne Erfahrungsberichte hin.“ Die mit der Verabreichung von K.O.-Tropfen verbundenen Straftaten lassen sich nach Angaben des Jugendamts in drei Bereiche einteilen: Raubdelikte, Sexualstraftaten sowie Bloßstellungen durch Foto- und Videoaufnahmen. Aus Sicht des Landratsamtes ist der Landkreis Gotha seiner Vorreiterrolle gerecht geworden und setzt nun auf ein deutliches Signal der Landesregierung.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 2 (2026)




















