Gothaer Grundschule präsentiert tierischen Schulbegleiter

0
188
Therapiehund Balu mit seiner "Aktentasche"
Fliesenstudio Arnold

Für viele Grundschüler der Gothaer Reyher-Schule ist der Besuch des Unterrichts etwas ganz Besonderes. Dafür sorgt Therapiehund Balu.

Als einzige Schule im Landkreis Gotha verfügt die Grundschule „Andreas Reyher“ über einen Therapiehund – und das nicht erst seit gestern: „Bereits seit vier Jahren begleitet Balu mich in meinem Alltag“, sagte Schulsozialarbeiterin Sophia Büchner. Projekte mit Tieren und Menschen fand sie immer schon spannend und wollte diese mit ihrer Arbeit verbinden. „Nachdem alles mit dem Kollegium und der Schulleitung abgesprochen war, suchte ich einen passenden Hund.“ Fündig wurde sie im Harz.

Labrador Balu ist inzwischen fünf Jahre alt und hat so einiges auf dem Kasten. Für seinen „Job“ ist das auch wichtig. „Nach dem ersten Jahr in der Hundeschule ging es direkt weiter mit einer speziellen Ausbildung für Therapiehunde, die mit Kindern arbeiten“, erklärte Frau Büchner. Diese Qualifikation sei nicht gerade kostengünstig gewesen, doch die Schulsozialarbeiterin erhielt finanzielle Unterstützung vom Diakoniewerk Gotha, der „Share-Value-Stiftung“ und von Town & Country. Immerhin kostete das Training mehr als 6.000 Euro.

Am Erfolg des Projekts zweifelt an der Grundschule niemand. „Die Kinder verhalten sich rücksichtsvoll gegenüber dem Hund, aber auch untereinander. In seiner Nähe sind sie zum Beispiel nicht so laut und rennen auch nicht wild umher“, meinte Büchner. Neben den positiven Auswirkungen auf das Sozialverhalten habe sich auch das Lernklima verbessert. Die Schülerinnen und Schüler trauen sich an Fächer und Inhalte heran, die sie sonst ablehnen würden. Besonders in Mathematik und beim Lesen sei das aufgefallen. „Dank Balu konnten wir auch viele ‚Komplettverweigerer‘ zurückgewinnen“, erklärte die Schulsozialarbeiterin stolz.

Der Therapiehund ist immer dienstags und donnerstags für zwei Schulstunden vor Ort. Dann gehen er und Sophia Büchner in die Klassen und nehmen am Unterricht teil. Diese Stunden werden speziell vorbereitet. „Auch Balu bekommt für jede Unterrichtsstunde eine individuell gepackte Tasche, die er dann ins Klassenzimmer trägt. Schon das ist für die Kinder häufig ein Höhepunkt.“ Damit alles reibungslos abläuft, mussten die Schüler einige Regeln lernen – etwa zur Hygiene im Klassenzimmer, der Reinigung der Hände und zum richtigen Verhalten in der Nähe des Hundes. So darf es nicht zu laut sein, nur die Lehrer oder Sophia Büchner dürfen Kommandos geben, und: „Balu mag es überhaupt nicht, am Kopf gestreichelt zu werden“, betonte sie.

Wie lange das Projekt laufen soll, weiß die Schulsozialarbeiterin noch nicht. „Ich habe keine Grenze gesetzt. Lediglich einen medizinischen Check jedes Vierteljahr und eine Rezertifizierung als Therapiehund alle zwei Jahre muss ich nachweisen.“

Balu erleichtert den Kindern nicht nur das Lernen und ist in der Schule eine Art Publikumsliebling – er unterstützt Sophia Büchner auch in ihrer Funktion als Schulsozialarbeiterin. Schüler, die sich sonst verschließen, sind in Einzelgesprächen offener und eher bereit zu reden, wenn der Hund anwesend ist. Selbst in Elterngesprächen ist Balu ein gern gesehener Gast und wirkt hier quasi als „Eisbrecher“.

„Balus wichtigste Aufgabe ist es so- mit, einfach da zu sein“, sagte Sophia Büchner erfreut.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 12 (2025)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT