Gothaer Klinikum verliert echte Powerfrau

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Barbara Bui Vinh im Eingangsbereich des Helios Klinikum

Für ihren Job hat sie gelebt, doch am 30. Juni ist Schluss. Barbara Bui Vinh verlässt nach 44 Jahren das Helios-Klinikum in Gotha.

Die heute 64-Jährige war mit Leib und Seele OP-Schwester. Dabei landete sie eher durch Zufall in diesem Beruf. Nach einer Scheidung war es der alleinerziehenden Mutter nicht mehr möglich, als Krankenschwester im Schichtdienst zu arbeiten. „Als ‚Blutschwester‘ kam ich erstmals mit dem OP in Berührung“, erinnerte sich Barbara. In dieser Tätigkeit war sie unter anderem in der Blutbank des Krankenhauses beschäftigt und stellte die notwendigen Blutkonserven bereit.

Als eine Stelle als OP-Schwester frei wurde, konnte sie nicht ablehnen. Über die Jahre hinweg hat ein Fachbereich ihre besondere Aufmerksamkeit erhalten. „Hauptsächlich war ich in der Viszeral-Chirurgie tätig“, so Barbara. Operationen in diesem Fachbereich werden im Bauchraum und am Magen-Darm-Trakt durchgeführt.

Doch zu ihrem Job gehört mehr, als den Ärzten die Instrumente und die benötigten Werkzeuge zu reichen – obwohl das einen nicht unwichtigen Teil der Arbeit ausmacht. Zu Beginn des Arbeitstages hieß es schleppen. Etwas, das die 64-Jährige wohl nicht vermissen wird: „Wenn ich zum Dienst kam, muss­ten die Instrumentensiebe ausgeräumt werden.“ So wurde das in Erfurt sterilisierte OP-Besteck wieder an seinen entsprechenden Platz gebracht.

Wenn dann ein OP-Saal vorbereitet war, ging es auch schon ans Eingemachte. Dabei galt eines: „Wir sind im OP ein Team“, unterstrich Barbara. Jeder Handgriff muss sitzen und jeder kennt seine Rolle. Nachdem der Patient den Saal verlassen hatte, wurde es Zeit zu reinigen, zu sterilisieren und neues Material nachzufüllen.

Trotz ihrer Liebe zum Beruf ist für Barbara nun Schluss. Ihr Körper mache nicht mehr mit, sagte sie. Die zusätzliche Zeit könne sie nutzen, um sich noch stärker bei den „Helping Angels Gotha“ zu engagieren. Seit vielen Jahren ist sie Mitglied im Verein. Andererseits habe sie nun viel Zeit, die sie mit ihren Enkelkindern verbringen könne. Das dürfe nie vergessen werden, merkte Barbara an: „Meine Familie ist mir immer ganz wichtig.“

Über die Jahre konnte sie viel lernen. Eine Erkenntnis, die auch dem Nachwuchs noch nützlich sein könnte: „Empathie ist sehr wichtig. Aber eines sollte nicht außer Acht gelassen werden: Einige Fälle im OP sind härter als andere. Beim Verlassen des Saales sollte das Erlebte an der Tür zurückgelassen werden.“ Es sei wichtig, so Barbara, loslassen zu können, sonst gehe man daran kaputt.

Auf ihre letzten Arbeitstage werde sie auch ein wenig melancholisch, meinte die 64-Jährige mit einem Lächeln. Jedes Mal, wenn sie vor den Stufen im Eingangsbereich des Klinikums steht, denkt sie an ihren neuen Lebensabschnitt und dessen neuen Herausforderungen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 6 (2026)

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