Das Multi-Media-Theaterstück „Königshaut“ hat am 2. Juli Premiere in Schloss Friedenstein – Viele Mitwirkende kommen aus Gotha.
Von Bernd Seydel
Wenn man ein Versprechen abgibt, sollte man sich tunlichst daran halten. Der König in dem Multi-Media-Theaterstück „Königshaut“ meint, sich darum nicht scheren zu müssen. Auf dem Totenbett hatte er seinem Vater versprochen, das kriegerische Grimmenstein in Friedenstein zu
verwandeln. Doch selbstherrlich ignoriert er sein Versprechen – bis die Zeit als Person und Richterin in sein Leben tritt und ihn für seinen Hochmut bestraft.
Am 2. Juli hat „Königshaut“ Premiere im Hof von Schloss Friedenstein – und am 3. und 4. Juli wird es erneut gespielt. Die Proben dafür laufen seit April. Zehn Schauspielerinnen und Schauspieler werden auf der Bühne stehen. Ein extra für dieses Stück zusammengestellter Chor aus Gotha bereichert die Wirtshausszenen. Kirchenmusikdirektor Jens
Goldhardt ist für die musikalische Leitung verantwortlich. Musikerinnen und Musiker der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach sorgen für den Sound.
Ausgedacht hat sich das Stück der Autor Wolfsmehl (Foto). Diesen Künstlernamen trägt er schon lange – und das war am Anfang gar nicht nach seinem Sinn. Ein früher Roman von ihm hieß so. Weil er an seinem Wohnort daraus vorlas und die Menschen dann begannen, ihn damit anzureden, entschloss er sich, es offiziell zu machen. Jetzt nennen ihn alle Wolfsmehl – oder auch Herr Wolfsmehl. Ihm ist das vermutlich egal.
Zurück zum Stück „Königshaut“. Nachdem die „Zeit“, gespielt von
André Eisermann, den jungen König in einen alten Mann verwandelt hat, muss dieser das Königshaus verlassen. Als Lohnarbeiter schlägt er sich durch, dann trifft er die Bäuerin Allegra. Sie kommt auf die Idee, den fremden Mann „Königshaut“ zu nennen.
Was die Figuren im Stück erst nach und nach bemerken: Während sie selbst alle älter werden, wird der Landarbeiter und ehemalige König immer jünger. Wer gegen die Zeit angeht, wird mit der Umkehrung seiner eigenen Zeit bestraft.
Auf die Bühne und in den Schlosshof gelangt diese Geschichte nicht nur durch eine wirklich hochkarätige Schauspieler-Besetzung, sondern auch durch eine riesige Projektion auf die Schlossfassade im Innenhof. Als Publikum sitzt man mitten darin, ist umgeben von einer bewegten farbigen Welt, die auf das Geschehen auf der Bühne reagiert und umgekehrt. Dazu kommen zwölf Songs, die die Handlung vorantreiben.
Für die insgesamt 65 Mitwirkenden auf, hinter und neben der Bühne ist das harte Arbeit. Alles muss gut koordiniert werden, damit es wirkt. Autor und Regisseur Wolfsmehl hat deshalb akribisch Probenpläne geschrieben, damit alle Beteiligten wissen, wann sie wo proben. Er selbst ist dafür die ganze Zeit in Gotha.
Auf der Bühne zu sehen sind auch zwei Akteure aus Gotha. Christian Mark ist freiberuflicher Schauspieler und Regisseur. Wer die Produktionen des Theatervereins art der stadt e. V. kennt, wird ihn immer wieder einmal dort gesehen haben – und sich von seiner quicklebendigen Schauspielkunst begeistern lassen. Max Lamperti sammelte seine ersten Bühnenerfahrungen auch beim art der stadt e. V.. Dann packte ihn die Schauspielkunst endgültig. Er ging nach Wien und ließ sich zum Schauspieler ausbilden. Jetzt steht er als „Prinz“ bei „Königshaut“ auf der Bühne.
Gut die Hälfte aller Mitwirkenden bei diesem Multi-Media-Theater stammen aus Gotha. Kein schlechtes Zeichen, dass es hier so viele gute Leute in der Kulturszene gibt.
Wer Lust hat, sich schon vorher mit dem Stück und den Beteiligten vertraut zu machen, sollte in die Tourist-Information am Hauptmarkt 40 in Gotha gehen. Dort gibt es das Programmheft für 2,50 Euro. Auch die Eintrittskarten für „Königshaut“ können dort gekauft werden.
Mutig ist dieses Spektakel auf jeden Fall. Und wenn es so gut wird, wie es sich schon jetzt abzeichnet, dann könnte Theater im Schlosshof eine neue Tradition in Gotha werden. Wir drücken deshalb fest die Daumen und wünschen dem Ganzen viel Erfolg.
Bei „Oscar am Freitag“-TV gibt es im Programm sowie auf unserem YouTube-Kanal weitere Einblicke in die Probenarbeit von „Königshaut“:
Königshaut & Wolfsmehl: Proben für das Multimedia-Spektakel auf Schloss Friedenstein haben begonnen.
Böser Bauer und heiterer Prinz: Christian Mark und Max Lamperti über ihre Rollen in „Königshaut”.
Aktuelle Infos gibt’s darüber hinaus auf unserer Website unter
www.oscar-am-freitag.de
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 6 (2026)





















