Gothaer Tradition: 50 Jahre G-Haus

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Scheckübergabe zum 50-jährigen Jubiläum im G-Haus (Foto: Rainer Richter)
Fliesenstudio Arnold

Das Gemeinschaftshaus „Goldbacher Siedlung“ feierte vor wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag. Grund genug für die Oscar-Redaktion, Rainer Richter um einen Beitrag zu bitten – mit seiner Ehefrau betreibt er seit 35 Jahren die Gaststätte und ist auch aktiv bei der Siedlergemeinschaft, die vor 50 Jahre den Bau initiierte.

Für mich ist das ein ganz besonderes Jubiläum: 50 Jahre Gemeinschaftshaus der Goldbacher Siedlung. Ein halbes Jahrhundert. Ein halbes Jahrhundert voller Geschichten, Erinnerungen, Begegnungen – und Menschen, die anpacken, glauben, gestalten.

Als 1972 die ersten Schaufeln in den Boden gingen, war das kein staatliches Projekt, keine große Investition „von oben“.
Nein – das hier war Herzenssache. Es war die Kraft der Gemeinschaft, der Glaube an ein Miteinander, das trägt. Unsere Siedlerinnen und Siedler haben geschuftet, Stein auf Stein gesetzt, mit bloßen Händen und großem Herzen.
Viele Gothaer Betriebe spendeten Baumaterialien – nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung.
Und so entstand, zwischen 1972 und 1975, dieses Haus – gebaut mit Schweiß, Zusammenhalt und der tiefen Überzeugung: Wir brauchen einen Ort für uns.

Geplant war ein Gasthaus – offen für alle – und ein kleines Einkaufszentrum. Und genau das wurde es: ein Treffpunkt für Jung und Alt, ein Ort, an dem Freundschaften begannen, Gemeinschaft gewachsen ist, Geschichte geschrieben wurde. Bis 1989 – getragen von den Händen und Herzen der Siedlergemeinschaft.

Seit 1990 führen meine Frau Christina und ich dieses Haus fort – mit Dankbarkeit und Stolz. Wir wollten daraus mehr machen als nur ein Wirtshaus. Wir wollten, dass das Gemeinschaftshaus ein Stück Heimat bleibt – ein Ort, an dem man ankommt, durchatmet, miteinander redet, lacht, lebt. Ein Gasthaus mit Tradition. Mit Seele. Mit Liebe zum Detail.

Und ja – ein Stück dieser Geschichte gehört meiner Mutter, Gertrud Richter, die mit ihrem kleinen Tante-Emma-Laden über viele Jahre hinweg unzähligen Menschen ein Lächeln geschenkt hat. Ihr Laden existiert heute zwar nicht mehr, doch ihre Herzlichkeit, ihre Bodenständigkeit und ihr Sinn für Gemeinschaft sind bis heute spürbar – sie hat diesem Haus ihren ganz eigenen Geist eingehaucht.

Ein Haus wie dieses lebt nicht von Wänden, Dächern oder Stühlen – es lebt von Menschen. Von Menschen, die es aufgebaut, getragen, bewahrt und gestaltet haben.

Darum darf in diesem Beitrag der Verweis auf einen Mann nicht fehlen, ohne den dieses Haus vielleicht nie gestanden hätte: Hugo Preuß – 89 Jahre jung, Ideengeber beim Bau, war darüber hinaus jahrzehntelang unser verlässlicher Haustechniker. Hugo ist unser Ehrenmitglied – und das ist mehr als nur ein Titel. Ihm gilt auch an dieser Stelle ein großes, ehrliches, herzliches Dankeschön.

Doch auch heute ginge hier nichts ohne Menschen, die da sind, wenn man sie braucht. Mein Dank gilt unserem Vorstand, Manfred Steinke – für unermüdliche Hilfe im Alltag, und Bernd und Bärbel Löwe – für unzählige Einsätze im und rund ums „G – Haus“, wie wir es alle nennen. Dank gilt auch allen Siedlerinnen und Siedlern, die diese Gemeinschaft tragen, mit Leben füllen und sie zu dem machen, was sie ist: ein Stück Zuhause. Jüngste haben wir das Jubiläum gefeiert: 50 Jahre Gemeinschaft – 50 Jahre Zusammenhalt – 50 Jahre gelebte Nachbarschaft.

Doch dieses Jubiläum ist nicht nur Rückblick. Es ist auch ein Versprechen. Dass wir unser Gemeinschaftshaus auch in Zukunft mit Stolz, Liebe und Verantwortung weiterführen.

Dass wir bewahren, was Generationen vor uns aufgebaut haben – mit Herzblut, Einsatz und Zusammen- halt. Dass das „G-Haus“ weiterhin ein Ort bleibt, an dem man sich begegnet, an dem man sich zuhause fühlt, an dem Tradition lebendig bleibt.

Es geht nicht darum, Neues zu schaffen, sondern darum, das Beste zu erhalten – mit Achtung vor der Vergangenheit und Zuversicht für die Zukunft.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 10 (2025)

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