Jedes Jahr vergibt die Kulturstiftung Thüringen mehrere Stipendien an Kulturschaffende. Die diesjährige Urkundenübergabe für die Mehrheit der Stipendien fand am Abend des 10. März im Hanns-Cibulka-Saal der Gothaer Stadtbibliothek „Heinrich Heine“ statt – ein Bericht von Sebastian Bach.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Hans Friedrich Wöhl, der für das Jahr 2026 selbst ein Stipendium für musikalisch hochbegabte Kinder und Jugendliche erhalten hat. Mit seinem Akkordeon gestaltete er das Rahmenprogramm bis zum Abschluss, wobei er das Publikum mit disharmonischen Klängen begeisterte. Die Begrüßung übernahm Katja Lipfert, geschäftsführende Vorständin der Kulturstiftung. Nach ihr richtete Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch ein Grußwort an das Publikum.
Es folgte die Vergabe von 15 Arbeitsstipendien durch Frau Lipfert und die Kuratoriumsvorsitzende Claritta Kratochwil, welche in ihrer kurzen Ansprache betonte, dass die Stipendien Künstlern finanzielle Sicherheit bieten sollen, damit diese sich auf ihr Schaffen konzentrieren können. Im Bereich Medienkunst/Bewegtbild zählen die Weimarer Filmemacherin Chiara Fleischhacker, die Chilenin Paloma Joana Llambías Ottone, Thomas Taube sowie Florian Wehking zu den glücklichen Stipendiaten. Arbeitsstipendien für Musik erhielten Karl Epp, Tim Helbig, Jessica Kaiser, Peter Helmut Lang und Maximilian Lörzer. Für den Bereich Bildende Kunst fiel die Wahl auf Rodrigo Arteaga, Natalia Castillo Rincón, Susan Donath, Annekatrin Lemke, Till Röttjer sowie Heike Stephan. Nicht alle konnten bei der Übergabe der Urkunden persönlich anwesend sein.
Die Arbeitsstipendien, die bestmöglich nach verfügbarem Budget verteilt wurden, waren allerdings nicht der Hauptgang des Abends. Im Zentrum standen die jeweils mit 10.000 Euro dotierten Landesstipendien für Bildende Kunst. Deren Übergabe erfolgte durch Prof. Dr. Steffen Teichert, Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur, sowie Dr. Verena Titze-Winter, Leiterin der Kulturförderung und sozialem Engagement der SV Sparkassenversicherung.
Prof. Dr. Teichert hob die Rolle der Stipendien für Thüringen hervor, welche die Kultur des Freistaates bereichern und modernisieren. Sie sollen den Künstlern dabei nicht nur Freiräume sichern, wichtig sei auch die Vernetzung. Ähnlich äußerte sich auch Dr. Titze-Winter, die zudem auf die 1997 beginnende Geschichte der Landesstipendien zurückblickte und dabei auf die Ausstellungsreihe „StipVisite“ verwies, in welcher die Werke der Stipendiant*innen präsentiert werden. Nachdem die Ausstellung von 2021 bis 2024 im Gothaer KunstForum Hannah Höch gastierte, kehrte sie letztes Jahr nach Erfurt zurück.
Das erste Stipendium wurde an die Iranerin Leila Keivan Hosseini überreicht, die in ihrem Projekt der Frage nachgehen will: Wie schaffen Menschen Heimat, wenn ihr Land verschwunden ist? Diese richtet sich sowohl an Menschen aus der zweiten DDR-Generation als auch an heute in Thüringen lebende Migranten. Das eine Land existiert nicht mehr, während für Migranten die Heimat in der Ferne liegt. So auch für Leila Keivan selbst, deren Herkunftsland aktuell ein Kriegsschauplatz ist. Die Absolventin der Bauhaus-Universität Weimar möchte ihre während des Projektes gesammelten Erfahrungen später in einem Archiv zusammentragen.
Die aus Gotha stammende Künstlerin Bettina Schünemann erhielt das zweite Landesstipendium. Sie möchte das lokale Hier mit den digitalen Informationen aus Satellitenbildern zusammenbringen. Dabei ergibt sich ein direkter Bezug zu ihrer Heimatstadt, denn Gotha war im 19. und 20. Jahrhundert ein Zentrum der Kartographie und Geographie. Im Anschluss an die Urkundenübergabe kam Andrea Karle, stellvertretende Vorständin der Kulturstiftung, mit den beiden Künstlerinnen ins Gespräch, bevor der Abend mit einem Sektempfang seinen Ausklang nahm.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 3 (2026)





















