Landrat Onno Eckert (auf dem Foto in der Grundschule in Goldbach) blickt mit Sorge auf den Zustand der Schulen im Landkreis. Dabei hat er ein Thema besonders im Fokus.
Es war eine Jahrespressekonferenz im Januar 2025, als der – mittlerweile leider bereits verstorbene – Dr. Holger Poppenhäger als Chef des Thüringer Landesamtes für Statistik zu einer ungewohnt emotionalen Rede anhob. Grund dafür: Die Thüringer Geburtsstatistik – und der Ausblick darauf, was dem Land drohe, wenn sich die Entwicklung niedriger Geburten fortsetzen würde. „Für unser Bundesland wird das zur existenziellen Frage“, sagte der SPD Politiker damals. Die Politik dürfe das Problem nicht negieren, die Folgen wären immens…
In der Lokalpolitik ist das Thema schon länger angekommen, weil die Folgen absehbar sind. „Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird unsere neue Schulnetzplanung greifen“, er klärte Onno Eckert Mitte Januar 2026 auf einer Pressekonferenz. Hier entscheidet sich, welche Schulen für die kommenden fünf Jahre wie aufgestellt werden.
Die Lage sei angespannt aufgrund der geringen Geburtenrate, verriet der Landrat: „Im Geburtenjahr 2015/2016 wurden 1.250 Kinder gemeldet. Knapp zehn Jahre später, im Erhebungsjahr 2024/2025, waren es nur noch 681.“ Dieser drastische Einbruch, wie der Landrat betonte, sei zwar nicht nur im Landkreis Gotha zu erkennen, habe aber dennoch enorme Auswirkungen. Besonders Kindergärten und Grundschulen in kleineren Ortschaften würden die Folgen spüren.
Deshalb müssten sich alle an einen Tisch setzen – Schulträger, Gemeinden und Schulleitungen – und zukunftsfähige Konzepte entwickeln. „Ich könnte mir ein ‚Campussystem‘ vorstellen, bei dem an mehreren Standorten verteilt Grundschulen mit Regelschulen oder Gymnasien zusammenfinden. Damit wäre die Bildung in der Fläche gesichert“, so Onno Eckert. Ebenfalls sei eine Erweiterung einiger Schulen zu Gemeinschaftsschulen denkbar. Gemeinsames Lernen bis zur zehnten Klasse habe ohnehin viele Vorteile, betonte der Landrat.
Dennoch: „Egal, was geschieht, es muss sich etwas ändern. Wer jetzt keinen neuen Weg einschlägt, wird untergehen“, bemerkte Eckert. Zwar wolle er versuchen, so viele Schulen wie möglich zu erhalten, aber: „Eine Grundschule, an der sich nur vier Kinder für einen Jahrgang anmelden, ist nicht tragbar.“ Generell könne er keine Garantien für den Erhalt einzelner Standorte aussprechen.
Diese verzwickte Lage hat den Landrat dazu veranlasst, das Fachamt für „Bildung, Schule, Sport und Kultur“ in sein Dezernat aufzunehmen. „Ich habe im letzten Jahr viele Schulen besucht. Eines ist mir dabei klar geworden: Bildung ist Chefsache.“ Kommunikationswege sollen verkürzt und Entscheidungen beschleunigt werden. Die angestrebten Effekte sollen die Priorität der Bildung im Kreis Gotha verdeutlichen.
Die Statements der Verantwortlichen aus dem Gothaer Landratsamt zeigen: Sie haben wie einst Holger Poppenhäger – den Ernst der Lage erkannt.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 1 (2026)






















