Stellen Sie sich vor, Sie gehen zur Bank und leihen sich 30.000 Euro, um auf Ihrem Gartengrundstück eine neue Garage zu bauen. Sie wollen investieren. Als das Geld dann kam, haben Sie damit jedoch die Dachrinne repariert und Ihre Mietrückstände beglichen. Eine Garage haben Sie mit dem Geld nie gebaut: eine Kolumne von Olaf Seibicke.
Somit steht nicht nur Ihr garagenloses Auto im Regen, sondern auch die Bank und Sie selbst. Sie haben das Geld zweckentfremdet genutzt. Ähnlich hat es unsere Regierung jetzt gemacht. 500 Milliarden Sondervermögen wurden durch den Bundestag beschlossen, um zu investieren und die Wirtschaft anzukurbeln. Das renommierte Ifo Institut hat jetzt errechnet, dass 95 % der Schulden nicht für Investitionen genutzt worden sind, sondern zum Stopfen von Haushaltslöchern.
Für mich stellt sich die Frage, wie so ein derartig großer Betrug möglich ist und welche Kontrollmechanismen versagt haben? Stand unser Staat kurz vor der Insolvenz, dass wir uns somit liquide Luft verschafft haben? Jeder kleine Sparer muss bei Fördergeldern bzw. privaten Krediten Nachweispflichten erfüllen und die Hosen runterlassen. Dies scheint beim Staat nicht zu gelten. Schulden sind eine Hypothek auf die Zukunft. Wenn sie zukunftsorientiert investiert werden, spricht nichts dagegen. Hier drängt sich ein anderer Verdacht auf. Wenn wir über unsere Verhältnisse leben, sollten wir nicht Schulden aufnehmen, um weiterhin Champagner zu trinken. Wir sollten auf Wasser umsteigen.
Der Gothaer Olaf Seibicke ist Direktor des mit fünf Sternen und einem Michelin-Stern ausgezeichneten Hotels „Hohenhaus” im hessischen Herleshausen und schreibt seit Jahren für den „Oscar am Freitag” diese Kolumne.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 3 (2026)






















