Oscars Gastkommentar: Immer wieder freitags – Vom Sonntagsblatt zum frechen Oscar

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Sachen gibt’s! – Während unsereiner Oscars silbernes Jubiläum vorbereitet, gehen anderswo Lichter, Lampen und Scheinwerfer aus. So war jüngst zu vernehmen, dass die seit drei Jahrzehnten gut und gern gesehene TV-Sendung „Immer wieder sonntags“ demnächst vom Spielplan genommen wird.

In diesem Jahre wird wohl noch gesendet, aber dann ist Schluss. Ganz im Gegensatz zum Döner-Treff am Schützenberg, der zwar auch seit dreißig Jahren beliebt und besucht ist, aber deshalb noch lange nicht dichtmacht, sondern straff aufs goldene Geschäftsjubiläum zusteuert. Nun, ins zwanzig Jahren isses ja bereits soweit. Noch krasser kommt uns Gothaern der Friseursalon Amberg daher, welcher den besagten 30 Jährchen noch ein volles, rundes Jahrhundert draufpacken kann: 130 Jahre gibt’s das Geschäft in der Pfortenwallgasse bereits – ein vermutlich einmaliger Rekord unter Gothas Friseuren und Barbieren. Ja, dem Ingenieur, Coiffeur sowie Friseur ist bekanntlich nichts zu schwör.

Doch zurück zur großen, weiten Fernsehwunderwelt! „Immer wieder sonntags“ – da kommt gerade uns älteren Semestern schlagertextmäßig „die Erinnerung“! Und ich rede hier nicht nur vom Hitparaden-Klassiker des Gesangs(ehe) paares Cindy und Bert. Dibi-dibi-dibdib- dib! Nein, bei „Immer wieder sonntags“ verdreht heutzutage die gesamte MSB-Belegschaft vorahnend die Augen, denn es folgt zwingend und zweifelsfrei eine der ältesten Kamellen, die immer wieder durch unsere Verlagsgeschichte ins und unters Volk geworfen wird. Denn vor grauen Jahren war’s, als der heutige Verlagsleiter eine damals ziemlich erfolgreiches Sonntagszeitung für den Gothaer Raum fabrizierte. Voller Klatsch und Tratsch, schön bunt und oberflächlich – eben so recht was für die sonntägliche Nachmittagslektüre. Was sich unser damaliger und aktueller Boss indes nicht nehmen ließ, war Meinung, Haltung, Wortmeldung. Bei aller Heiterkeit und allem Sinn fürs Schicke und Schöne – hier ging es um Kolumne, Kommentar und mit Gags glänzende Glosse.

Nun – eine der Rubriken hieß (die Leserschaft gewisslich ahnt es schon) denn auch (wie konnt’ es anders sein?) „Immer wieder…“ – na ja, Sie wissen schon. Speziell hier ließ der Verlagsleiter und Herr aller redaktionellen Dinge keinen anderen Autor `ran. Teilweise in gotteslästerlichem Tonfalle verfasst, bewirkten diese Texte, dass unser Kollegium sich montags zur Redaktionskonferenz einer weiteren Beschwerde und/oder Klageerhebung vergegenwärtigen durfte.

Leute, es war aber auch eine Schau! Putzig schon deshalb, weil unsere kaufmännische Alleskönnerin und Schatzmeisterin mit dem damaligen Chefredakteut in privatem Einvernehmen stand, was dienstlich mitunter zu Unstimmigkeiten führen konnte. Ich mach’s kurz: Der MSB-Boss, in jener Jugendzeit noch fast einsneunzig hoch und kaum zwei Zentner leicht, zog regelmäßig den Kürzeren.

Wir alle dürften dazumal über beträchtliches Humorverständnis verfügt haben. Wir und ihr alle! Vor allem jene, die da in den Texten bei lebendigem Leibe durch den Kakao gezogen wurden. Indessen stand am Montag trotz manchen Wortwechsels mit eingeschnappten Leberwürsten nie in Zweifel, ob am Sonntag erneut unsere Schmonzette im Sonnenscheine erscheinen würde.

Das alles ist jetzt nicht ganz 30, aber doch schon 24 Jahre her. Meine Enkelkinder waren noch nicht geboren. Die deutsche Fußball-Auswahl hatte die Trainer Berti und Rudi hinter, Klinsi und Jogi vor sich. Spätere Weizenbiertrinker wie Waldi Hartmann waren noch Sportreporter, im deutschen Tor stand zwar nicht mehr Toni, aber doch wenigstens Olli. Schlagersänger Ekki Göpelt war auch noch trällernd am Leben.

Ja – und dann kam Chefreporter (und Fußball-Schiri) Maiki und dröhnte mir gevühlfoll ins Öhrli: „Heini, deine Gattin Heidi rief eben an und bittet zur Suppe! Weiße Bohnen. Im Übrigen: Wir machen demnächst eine neue Zeitung. Erscheinungstag der morgige Freitag!“

So war das. Und so blieb es. Fast ein Vierteljahrhundert lang. Suppe gibt’s auch immer noch. Weiße Bohnen!

Weiß Gotti: Is’ ja doch alles supi hier!

Heini Eckenkieker

Dieser Artikel erschien im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 3 (2026)

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