Schuldnerberatung Gotha erhält Zuwendung in Höhe von 126.000 Euro

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Anja Hofmann (Sozialamt Landkreis Gotha), Otmar Iser (Schuldnerberater), Thomas Schulz (Fachbereichsleiter Familie, Jugend und Soziales des THEPRA Landesverband Thüringen e.V.), Petra Gierke (Leiterin der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle Gotha) und Onno Eckert (Landrat Kreis Gotha)
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Am 25. August erhielt der THEPRA Landesverband Thüringen e.V. einen symbolischen Förderscheck von Gothas Landrat Onno Eckert in Höhe von 126.000 Euro. Das sind 6.000 Euro mehr als im Vorjahr. Doch die Notwendigkeit ist schnell geklärt.

Sie wollen ein neues Fahrrad oder einen Fernseher. Vielleicht ist auch auf dem Weg zur Arbeit das Auto stehen geblieben. Nun haben Sie das nötige Geld nicht zurückgelegt und nehmen einen Kredit auf oder zahlen die Schulden in Raten ab. Und dann schnappt die Schuldenfalle zu.

Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle Gotha steht Menschen bei Überschuldung zur Seite und berät Betroffene. Seit Januar 2024 ist die Stelle Teil des THEPRA Landesverbands. Dabei kommen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen zum Team von Petra Gierke. „Es kommen nicht nur Flüchtlinge oder Empfänger von Sozialleistungen. Häufig sind es Arbeitnehmer, die mit ihrem Gehalt die Lebenshaltungskosten nicht mehr tragen können. Sie stocken schon mit Geldern auf, aber durch steigende Preise für beispielsweise Nahrungsmittel und Pflegeprodukte kann kein angemessener Ausgleich gefunden werden“, sagte die Einrichtungsleiterin. Thomas Schulz, Fachbereichsleiter für Familie, Jugend und Soziales bei THEPRA, ergänzte, dass sich „im ‚Brennglas‘ der Beratungsstelle die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegelt.“

Das vierköpfige Team hat im Jahr 2024 4.125 Beratungen durchgeführt. Damit konnte zwar ein leichter Rückgang gegenüber 2023 verzeichnet werden, jedoch lässt eine andere Statistik Grund zur Sorge aufkommen. „Die Zahl der Ratsuchenden unter dreißig ist wieder angestiegen. Von etwas unter 15 Prozent auf nun 22 Prozent“, meinte Petra Gierke, „auch dadurch ist das Durchschnittsalter derer, die die Beratungsstelle aufsuchen, von 44 Jahren in 2023 auf 42 Jahre im vergangenen Jahr gesunken.“ Mögliche Hintergründe für diese Verschiebung seien vermehrt Online-Käufe und die hartnäckige Bewerbung von Bezahldiensten mit Ratenfunktionen. „Es ist wichtig hervorzuheben, dass viele kommen, die eben nicht Luxusgüter erwarben oder im Allgemeinen über ihre Verhältnisse gelebt haben“, bekräftigte Gierke. Auch unerwartete Umstände, wie ein Unfall, eine Krankheit oder der Tod eines Lebensgefährten können stabile finanzielle Situationen zerrütten. „Im letzten und in diesem Jahr merken wir auch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Es kommen viele, die sich bei einfachen Dingen, wie einem Handyvertrag verkalkuliert haben und inzwischen auf Schulden und Gläubigeranfragen sitzen bleiben“, erklärte Otmar Iser, Schuldenberater in Gotha.

In der Gothaer Beratungsstelle werden gleich zwei Fachbereiche unter ein Dach gebracht. Bei intensiven, freiwilligen Gesprächen wird eine Übersicht der Verpflichtungen aufgestellt und mit Zustimmung des Betroffenen ein Prozessplan erstellt. Die Aufnahme eines Verbraucherinsolvenzverfahrens ist langwierig und nicht mit einem Fingerschnippen erledigt. „Wir beraten zur Aufstellung neuer Haushaltspläne, zu den Folgen und Bedingungen bei einer Privatinsolvenz und setzen uns – auf Wunsch – auch mit den Inkasso-Betrieben auseinander“, so Petra Gierke.

Mit der neuen finanziellen Zuwendung des Landkreises sollen sinkende finanzielle Mittel, die der Freistaat Thüringen zur Verfügung stellt, ausgeglichen werden. „Der Bedarf an Beratungsstellen ist da und er wird auch in Zukunft nicht abnehmen“, meinte Thomas Schulz.

Betroffene können sich telefonisch unter der 03621 403208 oder per Mail an schuldnerberatung-gth@thepra.info melden und kostenfrei beraten lassen. „Viele wenden sich zu spät an uns, da das Thema Schulden sehr mit Scham behaftet ist. Jedoch sollte man früh genug Rat anfordern“, schloss Petra Gierke. Auch deshalb sei die Beratungsstelle in der August-Creutzburg-Straße 17 in Gotha etwas abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit eingerichtet. Damit solle die Hemmschwelle gesenkt und Vertrauen zum Fachpersonal hergestellt werden.

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