Während die ganze Welt Jules Verne kennt, erzeugt der Name Kurd Laßwitz oft nur fragende Blicke. Einige Gothaer kennen ihn vielleicht noch als Gymnasiallehrer, insbesondere Schüler des Ernestinums, in dessen Flur eine Büste von Kurd Laßwitz steht.
Doch Laßwitz war nicht nur Pädagoge. Was genau, darüber hielt Ronny Lehmann, stellvertretender Leiter der Stadtbibliothek „Heinrich Heine“ am Abend des 21. Januars einen Vortrag im Siebleber Gustav-Freytag-Pavillon. Sein Germanistik-Studium in Leipzig schloss Lehmann mit der Magisterarbeit „Der Weltraum als Maelstrom – frühe Science Fiction bei Kurd Laßwitz“ ab, welche er später unter dem prägnanteren Titel „Schuss ins All“ veröffentlichte. Er kennt sich also aus mit dem Mann, der am 20. April 1848 in Breslau geboren wurde und nach seinem Studium 1876 nach Gotha zog. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon mehrere Erzählungen in Sammelbänden veröffentlicht.
Sein Hauptwerk „Auf zwei Planeten“ entstand ab 1895 in Gotha und er- schien zwei Jahre später zeitgleich mit H. G. Wells Sci-Fi-Klassiker „Krieg der Welten“. Zwar beschäftigten sich beide Autoren mit einer Marskultur, doch während Wells seine Marsianer als Kritik am Kolonialismus die Erde brutal erobern ließ, ersann der Pazifist Laßwitz eine tolerante Marskultur, die der Menschheit den Frieden bringen sollte.
Nach einigen Eckdaten zu Laßwitz‘ Person sowie seiner Einordnung in die Geschichte der Science Fiction ging Lehmann in der zweiten Hälfte seines Vortrags auf einige Erfindungen des Mathematikers und Physikers ein. Darunter fiktive Dinge wie den Raumschifftreibstoff Repulsit, bei dem er allerdings korrekt die Auswirkungen eines überlichtschnellen Fluges formulierte und damit Einsteins Relativitätstheorie zuvor kam.
Andere Erfindungen wie Wasserschuhe, Stufenbahnen (Rolltreppen) und Orbitalstationen gibt es heute tatsächlich. Die Fernschule erinnert derweil an das heutige Homeschooling, wobei es zu Laßwitz‘ Lebzeiten noch nicht einmal die dafür nötigen Bildschirme gab. Das zeigt, wie unfassbar vorausschauend der 1910 verstorbene Autor war. Sogar das abwegig erscheinende Ododion – eine Geruchsorgel – wurde 1996 von Wolfgang Georgsdorf als „Smeller 2.0“ realisiert.
Unter den rund 25 Anwesenden waren einige Science-Fiction-Fans sowie Kurd-Laßwitz-Kenner. Der Gothaer Aktionskünstler Joachim Oestreich hatte sogar eigens für die Veranstaltung zwei seiner selbstgebauten Raumschiffmodelle mitgebracht und ausgestellt.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 1 (2026)























