Ukrainefreunde im Kriegsgebiet

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Während des Luftalarms wird der Unterricht im Luftschutzraum fortgesetzt (Quelle: Dietrich Wohlfarth)

Seit dem 08. April sind die Ukrainefreunde Gotha unterwegs. Von Kiew aus reiste die Gruppe aus Dietrich Wohlfarth, Evamaria Krzok, Dmitri Jaroschewski, Martin Dietzel und Matthias Rehme, von dem Ukrainefreunde Gotha e.V., sowie Sabine Erdmann-Kutneviv, Mitarbeiterin von Brot für die Welt und Santiago Engelhardt, Fotograf und Journalist, beide aus Berlin in das Gebiet Tscherkassy.

Von ihrer ersten Etappe berichtet die Gruppe in einem vorläufigen Reisebericht:

Die Ukrainefreunde Gotha unterstützen seit über 30 Jahren soziale Projekte in der Ukraine. Persönliche Begegnungen vor Ort sind gerade in Kriegszeiten unschätzbar wertvoll. So können wir auch sicherstellen, dass die von uns zur Verfügung gestellten Mittel sachgerecht eingesetzt werden. Dabei werden auch immer wieder neue Impulse für unsere Zusammenarbeit gegeben.

Als erstes treffen wir im christlichen Kinderhaus in Dumantsi Slavik Kochnev. Vor dem Krieg begleitete er Menschen als Busfahrer – heute ist er die letzte Begleitung für gefallene Soldaten zu ihren Familien. Als Freiwilliger unterstützt er die Streitkräfte beim Transport von Leichnamen und schwer Verwundeten. „Diese Aufgabe ist mir von Gott gestellt worden“, sagt er. Das schwerste dabei sei die Übergabe an die Angehörigen. Sehen die Leute die Fahrzeuge mit dem bekannten Emblem, gehen sie auf die Knie, um den Gefallenen die letzte Ehre zu erweisen. Einer der Transporter ist vor kurzem bei einem Unfall schwer beschädigt worden. Wir konnten mit Unterstützung der Diakonie Mitteldeutschland das Geld für die Reparatur bereitstellen und es Slavik übergeben. Santiago Engelhardt, ein Fotojournalist aus Berlin, der uns begleitet, entschließt sich, ihn bei der nächsten Fahrt zu begleiten.

In Chorniavka, einem Nachbarort von Dumantsi, liegt die Schule für die umliegenden Dörfer. Seit 2013 gibt es eine Partnerschaft mit der Evangelischen Regelschule Gotha. Die Direktorin Hanna Selenska berichtet uns vom Leben der Schüler im Krieg. Auf ihrem Schreibtisch steht die Hülse eines Artilleriegeschosses. Es ist mit der Statue auf dem Maidan in Kiew als Motiv bemalt – ein Symbol für die Unabhängigkeit der Ukraine. Von 26 der 164 Schüler befinden sich die Väter im Krieg. Zwei sind bereits gefallen. Bei einem Rundgang durch die Schule ertönt die Schulglocke – Sie beendet keine Schulstunde an, sondern löst einen Luftalarm aus. Gemeinsam gehen wir in den Keller des Gebäudes, der als Schutzraum umfunktioniert wurde. „Der Elefant frisst Gras“ erklärt eine Lehrerin Schülern der ersten Klasse beim Schreibunterricht. Die Wände hinter den Kindern sind grau, das Licht kalt.

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