Internationaler Workshop „Medien im Mathematikunterricht“

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Digitale Medien erobern die Klassenzimmer, Schülerinnen und Schüler gehen ganz selbstverständlich mit Smartphone und Tablet um. Was kann die neue Technik im Unterricht und wo liegen ihre Grenzen? Können wir uns in Zukunft das Rechnen sparen, weil der Computer uns darin eh überlegen ist?

„Um das Einmaleins kommen die Schüler nicht herum“, sagt Prof. Dr. Michael Fothe von der Universität Jena. Der Leiter der Abteilung Didaktik der Mathematik/Informatik spricht vom grundlegenden Zahlenverständnis, das die Schülerinnen und Schüler verinnerlichen müssen. Dazu gehörten Überschlagsrechnungen ebenso wie das Einmaleins. „Wirklich verstehen kann ich die Zahlen erst, wenn ich tatsächlich etwas mit ihnen tue!“ Vergleichbar sei das mit dem Schwimmen oder Radfahren: Eine bloß theoretische Abhandlung darüber vermittelt keineswegs die Fähigkeiten, die dazu nötig sind.

Aktuell erforschen Michael Fothe und seine Mitarbeiter, wie digitale Technik helfen kann, Chancengleichheit für Schüler in ihrer Unterschiedlichkeit sicherzustellen. „Unser Ziel ist inklusiver Mathematikunterricht“, sagt Fothe. Das Projekt heißt „Medien im Mathematikunterricht“, es gehört zur Initiative „ProfJL – Professionalisierung von Anfang an im Jenaer Modell der Lehrerbildung“. Begonnen wurde es 2015, für zunächst dreieinhalb Jahre, mit finanzieller Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Schritt für Schritt nehmen sich die Wissenschaftler dabei die Sinne vor und arbeiten dabei auch mit Lehrerinnen und Lehrern zusammen. Am Anfang stand die Beschäftigung mit dem Sehen. Wie können Sehbehinderte oder Blinde befähigt werden, beispielsweise Geometrie zu lernen? Ab Herbst dieses Jahres steht das Hören im Zentrum der Forschung. Dr. Kinga Szücs von der Abteilung Didaktik bietet ein Tutorium für angehende Lehrerinnen und Lehrer an. Neben der Theorie stehen dabei immer die Entwicklung von konkreten Unterrichtskonzeptionen und die praktische Erprobung im Fokus. Das Ganze sei ein Experimentierfeld, sagt Michael Fothe. Doch das Ziel ist klar formuliert: „Wenn unsere Studierenden vor der Klasse stehen, sollen sie mit der Technik und den Methoden vertraut sein.“

Eine Bestandsaufnahme der eigenen Forschungen und neue Impulse dafür soll es zum internationalen Workshop „Medien im Mathematikunterricht“ geben. Vom 27. bis 29. September treffen sich etwa 20 Wissenschaftler und genauso viele Lehrerinnen und Lehrer im Senatssaal der Universität Jena (Fürstengraben 1), um über den Einsatz digitaler Technik im Matheunterricht und über die Weiterentwicklung dieser Technik zu diskutieren. Dabei, so Michael Fothe, wird es auch um die Frage gehen, inwieweit sich die Ziele des Mathematikunterrichts verschieben. Schon jetzt stünden etwa realitätsnähere Aufgaben als in der Vergangenheit auf dem Lehrplan, zudem ganz neue Formen und Möglichkeiten der Visualisierung. Im Austausch mit Fachkollegen u. a. aus Ungarn und Österreich wird sogar die provokante Frage gestellt, ob nicht die digitale Technik eines Tages den Mathematikunterricht gänzlich überflüssig machen wird.

Das Programm im Internet: http://www.profjl.uni-jena.de/Veranstaltungen.html

(Beitragsbild: Was bringt der Einsatz von Smartphones im Mathematikunterricht? Diese Frage diskutieren Mathematik-Didaktiker an der Uni Jena. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

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