Gehörgänge freigepustet: Manfred Mann gastierte in Gotha, und viele waren dort

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Bands, die sich in den 1960er Jahren gegründet haben, gehen nun fast wirklich auf ihre ewigen Abschlusstourneen. Da wären die Scorpions, die sich mittlerweile selbst karikieren und als alte Schönlinge der Nation vom Rücktritt zurücktraten und demnächst aber wirklich auf Abschiedstournee gehen werden. Status Quo touren noch eine ganze Weile, versuchen sich zwischendurch an Unplugged-Konzerten und stellen dann doch den immer gleichen Sound in die Abstellkammer des Rock´n Roll-Zirkus.

Auch Manfred Mann hat noch einmal seine Earthband reanimiert, um mit erhobenen Hauptes und jeder Menge Hits in den „Hauptstädten der Popmusik“ Lebewohl zu sagen. Neben den Metropolen der Guten Laune Crimmitschau, Soest und Veitschoecheim hatte sich das Quintett auch Gotha ausgesucht, die Stadt des buckligen Adels, in der ein sozialdemokratischer Bürgermeister am liebsten König werden würde. Hier standen nun also Manfred Mann, sein bester Kumpel Mick Rogers und Robert Hart auf den Brettern, die die Kreisstadt bedeuten.

Die Stadt war goldrichtig gewählt, denn die graue Mehrheit dürstete nach Rock`n Roll, nach handgemachten Klängen und nach Songs, die schon lange kein Radiosender mehr bringt. Zunächst konnte das an alle Pfosten und Bäume angebrachte Plakat in die Irre führen, denn ein hässliches Neongrün wies kaum auf die Band, den Ort und die Zeit hin. Alles passte besser zu einem Hinweis für eine Kirmes in Altkötschenroda, als zu einem Rockkonzert. Egal, die Hütte war voll, es versammelten sich graue Wölfe, runzlige Muttis und ein buckliger Rezensent, um bei Bier und gebrüllten Gesprächen noch einmal die Hits der Jugend zu genießen.

Ach, wie sang der gut geföhnte Robert Hart, der schon Bad Company und Whitesnake mit seiner voluminösen Stimme nach vorne brachte, und wie herrlich zupfte das Urmitglied Mick Rogers die Gitarre. Seine Solis, die zwischen den ausufernden Songs die Gehörgänge freipusteten, waren fein und immer verdammt rockig orientiert.

Da die Ankündigungen einen bunten Strauß bekannter Melodien versprachen, wollten die vielen „Jungs“ und die wenigen „Mädels“ diese auch hören. Manfred Mann, der Genius an den Tasteninstrumenten, und seine musikalischen Freunde hauten alles raus, was man noch so kannte: Vom Bruce Springsteen Cover „Blinded By The Light“, über Stings „Demolition Man“ bis hin zum Jazz angehauchten „Davy`s On The Road Again“ und dem Mitgrölschlager „Father of Day, Father of Night“. Als Zugabe gab es von den glücklichen Musikern für das überglückliche Publikum noch das, zu einem Rockgiganten aufgetürmte, Dylan-Cover „Mighty Quinn“. Zufrieden und mit gutem Bier abgefüllt torkelten die Thüringer zu ihren Autos, um berauscht die Heimfahrt anzutreten.

Ihr Thomas Behlert

Fliesenstudio Arnold

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