Start für Video-Sound-Installation „Die Gothaer Synagoge lebt“

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Synagoge Gotha, um 1920. Foto: unbekannter Autor, Public Domain via Wikimedia Commons

Gotha (red/mk, 25. Oktober). Die systematische Auslöschung jüdischen Lebens durch das NS-Regime wirkt bis in unsere Gegenwart. Die raumgreifende Video-Sound-Installation „Die Gothaer Synagoge lebt“ will in den Abendstunden vom 27. bis 31. Oktober (21 Uhr bis 24 Uhr) im Altstadtforum Gotha auf sinnliche Weise wieder sichtbar machen, was gewaltsam unsichtbar gemacht worden ist: die Synagoge als Teil des Gothaer Stadtbildes und „jüdische Kultur“ als lebendigen Teil der „deutschen Kultur“.

Nachdem die Fassadenprojektion aufgrund pandemischer Bedingungen nicht wie vorgesehen im Mai stattfinden konnte, ist sie nun ein Highlight der „Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur“.

Dreharbeiten für „Die Gothaer Synagoge lebt“. Foto: Nivre/Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Am Entstehen dieser Fassadenprojektion haben Jugendliche und Schulklassen ebenso ihren Anteil wie der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm. Sie verstehe sich als experimentelle Form der Erinnerungskultur, wie Projektleiter Christoph Mauny erläutert: „Gemeinsam mit den Menschen dieser Stadt und der Region wollen wir partizipative und ästhetische Formate entwickeln, um vermehrt aus einer eher ritualisierten Form des Gedenkens auszubrechen. Eine lebendige Erinnerungskultur will ‚die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen‘.“

Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte die Gothaer Synagoge zum stolzen Teil der altehrwürdigen Residenzstadt, wurde als Sehenswürdigkeit beworben, mitunter auf Augenhöhe mit Schloss Friedenstein.

Als nach jahrzehntelangen Bemühungen die prachtvolle Synagoge am 11. Mai 1904 feierlich eingeweiht wurde, geschah dies bemerkenswerterweise nicht nur im Beisein des Staatsministers und des Oberbürgermeisters, sondern auch der Vorsteher der beiden großen christlichen Kirchen. „Heute erleben wir in Thüringen mit der neuen Tora-Rolle für die Jüdische Landesgemeinde, finanziert von der evangelischen und katholischen Kirche, wieder solch ein Zeichen des interreligiösen Dialogs wie damals in Gotha“, so Mauny.

In der Nacht der staatlich organisierten Novemberpogrome vom 9. zum 10. November 1938 wurde die Gothaer Synagoge, 34 Jahre lang verankert mitten in der Stadt, zerstört.

Wenige Monate später begann der Abriss der Trümmer – auf Kosten der jüdischen Gemeinde.

Nach dem Krieg spielten Kinder auf der Brachfläche zwischen baulichen Überresten der „Syna“, ohne zu wissen, was damit gemeint war.

Später wurden Parkplätze geschaffen, dann ein Supermarkt, in „Wohnscheiben“ hausten Menschen.

Nach einem halben Jahrhundert des Vergessens wurde 1988 ein Denkmal gesetzt.

Nach dessen vorübergehenden Entfernung ist es seit Ende 2020 in neuer Gestaltung Teil des Shoppingcenters „Altstadtforum“. Dieser Gedenkort, ein Durchgang zwischen zwei Gebäudeteilen des Fachmarktzentrums, wird mit Mitteln der Medienkunst zu einem Ort lebendigen Erinnerns.

„Die Gothaer Synagoge lebt“ ist ein Projekt der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha in Kooperation mit Genius Loci Weimar, gefördert von der Thüringer Staatskanzlei im Rahmen von „Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“.
Das Teil-Projekt „Vokabeln zur jüdischen Kultur“ wird gefördert vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport im Rahmen des Landesprogramms Denk bunt. In Zusammenarbeit mit der Stadt Gotha, der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, dem Staatlichen Schulamt Westthüringen sowie Schulen und Jugendlichen aus dem Landkreis Gotha.

Zur Projektseite: https://friedenstein.eu/projekte/die-gothaer-synagoge-lebt

 

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