Bürgermeister Brychcy: „Sabotage am Hochwasserschutz“

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Waltershausen (red/ra, 13. Juli). „Das ist Sabotage.“ Anders will und kann Waltershausen Bürgermeister Michael Brychcy nicht beschreiben, was ihn und seine Verwaltung und nun auch die Kriminalpolizei Gotha beschäftigt.

Die Stadt hat auf eigenen Grundstücken an den Waldteichen Hochwasser-Schutzbauten errichten lassen. Das sind in einer ersten Ausbaustufe drei Teiche, die terrassenartig aufeinander folgen. Sie sind untereinander mit Überläufen verbunden, die am jeweils oberen Teich in dessen (Stau-)Damm eingebunden sind.

Geplant schon vor acht Jahren, wurde die Teich-Kaskade vor drei Monaten in Betrieb genommen. Sie soll nicht nur Überflutungen verhindern oder zumindest deren Gewalt mindern, sondern auch verhindern, dass das Oberflächenwasser aus dem Außenbereich der  Stadt in die Kanalisation gelangt.

Von öffentlichem Interesse
„Daran hat auch der Wasser- und Abwasserzweckverband ein großes Interesse, weil dieses Wasser zusätzliche Kosten erzeugt“, erklärt Brychcy. Solch Wasserüberschuss würde das Funktionieren der Kläranlagen beeinträchtigen. Deshalb wird es in die Vorflut „abgeschlagen“, also in örtlich vorhandene Fließgewässer abgeleitet. Und weil es sich um ungeklärte Wasser handelt, wird dafür jeder Zweckverband in Thüringen zur Kasse gebeten und muss eine Abwasserabgabe entrichten.

„Das Hochwasserschutz-Bauwerk sollte jene Sturzfluten bändigen, die bei Starkregen und Wolkenbrüchen aus dem Wald oberhalb der Striemelsbergstraße runterdonnern und dann die Stadt wiederholt geflutet haben.“

Dieses Jahr sei das schon dreimal der Fall gewesen. Und selbst weit entfernt vom Oberen Waldtor habe das Wasser hüfthoch gestanden wie etwa in der Unterführung am Bahnhof, erinnert Brychcy. Auch der Neubau am Standort des alten Kinos sei schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.

Fotos: Stadtverwaltung Waltershausen

Bewusste und gezielte Zerstörungen
Das alles, weil die Schutzbauten offensichtlich sabotiert wurden – und werden: „Die Überläufe wurden durch augenscheinlich passend bearbeitete Propfen aus Styropor oder Holz verschlossen.“ Andere wesentliche Bauteile des Hochwasserschutzes wurden entfernt, „was nicht mit einem kleinen Bagger möglich ist, sondern nur mit wirklich schwerer Technik“, erklärt Brychcy.

Die Überläufe der bisher drei terrassierten Dämmen zum Hochwasserschutz im Gebiet der Waldteiche in Waltershausen wurden von Unbekannten sabotiert.
Foto: Christina Niedenzu / Stadtverwaltung Waltershausen

Wer ein Interesse daran haben könnte, solch Sabotage zu betreiben, darüber könne er nur spekulieren. Aufgrund einiger Indizien ermittele aber die Kriminalpolizei derweil nicht mehr nur „in alle Richtungen“, wie es sonst immer in Polizeiberichten heiße, wenn die heiße Spur fehle.

„Diletantisch und böse“ sei das, was der oder die Saboteure da betreiben, ist der Bürgermeister ungehalten. Leidtragende seien nicht nur die Anrainer des Oberen Waldtores. Die Sturzbäche haben jedesmal Dutzende Keller geflutet.

Wie hoch die Schäden allein in diesem Jahr sind, kann wohl noch nicht beziffert werden. Aber Brychcy macht deutlich, dass die aktuellen Ereignisse sich in den Planungen niederschlagen werden, die die Stadt gerade für den Bereich ums Obere Waldtor auflegen. „Da wird man nicht nur über die Anzahl der Parkplätzen der Anwohner zu diskutieren haben, sondern auch darüber, wie man verhindern kann, dass ständig Keller vorlaufen.“

Weitere Schutzbauten sollen folgen
Noch ist der ursprünglich geplante Umfang des Hochwasserschutzes im Wald südwestlich der Striemelsbergstraße nicht erreicht. Weitere fünf Zwischenspeicher-Teiche müssen noch gebaut werden.

Alternative Lösungen wie etwa die Teiche an der Striemelsbergstraße ins Rückhaltesystem einzubinden, seinen nicht realistisch. Sie müssten dafür erst hergerichtet, mindestens ausgebaggert werden. Da sie aber in Privatbesitz sind und bisher keine gütliche Einigung mit dem Eigentümer möglich war, sei diese Variante passé, so der Rathauschef.

Nicht nur wegen der Sabotage und der wiederholten Reparaturen explodieren zudem gegenwärtig die Kosten: War man zur Planung vor Jahren von rund 1,5 Millionen Euro Kosten ausgegangen, so stehen jetzt unterm Strich eher 2,5 Mio. Euro.

(„Oscar am Freitag“-TV wird sich des Themas annehmen – mehr dazu dann im Wochenmagazin vom 16. Juli)

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