Gothas neuer Polizeichef ist seit 42 Jahren im Dienst

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Der neue Leiter der Landespolizeiinspektion (LPI) Gotha – der 62-jährige Leitende Polizeidirektor (LPD) Detlev Schum. Foto: Rainer Aschenbrenner

Gotha (red/ra, 26. Februar). Eigentlich sollte der neue Chef der Landespolizeiinspektion (LPI) Gotha am 2. November vorigen Jahres öffentlich ins Amt eingeführt werden. Dazu kam es aber nicht – Corona hatte ihn erwischt. Deshalb stellte sich der 62-jährige Detlev Schum jetzt der Presse; quasi nach 100 Tagen.

Seit Mitte vorigen Jahres ist er Leitender Polizeidirektor – kurz LPD. Das ist so ziemlich der höchste Dienstgrad, den man erreichen kann.

In Thüringen kämen danach dann nur noch zwei „höhere“ Verwendungen und Dienstgrade in der Landespolizeidirektion Thüringen mit Sitz in Erfurt infrage: Die Stelle des Präsidenten – die allerdings seit August 2021 verwaist ist, seit der bisherige Amtsinhaber Frank-Michael Schwarz (früher Chef des Landeskriminalamtes) als Chef der Polizeiabteilung ins Innenministerium wechselte – und die des Vizepräsidenten der Landespolizeidirektion, die derzeit LPD Thomas Quittenbaum innehat.

Schum wurde in einem Dorf in der hessischen Rhön unweit von Fulda geboren. Nach seiner Lehre als Elektromechaniker startete er 1980 seine Polizeikarriere. Er war u. a. bei der Bereitschaftspolizei Südhessen, dort Leiter einer Festnahmeeinheit. Die kam auch bei den Protesten wegen des Baus der Startbahn West für den Frankfurter Flughafen zum Einsatz: „Ich weiß nicht mehr, wie viele Nächte ich deshalb im Einsatz war, aber ich bin seither gewalterfahren.“

Augenzeuge von Polizistenmord
Als bei den Demos am 2. November 1987 zwei Polizisten erschossen und weitere sieben teils schwer verletzt wurden, war er in nächster Nähe – ein Erlebnis, was sich ihm nach seinen Worten tief einbrannte.

Der Täter – der damals 33-jährige Andreas E. ein Mitglied einer autonomen Gruppe, hatte 14 Pistolenschüsse auf die Einsatzkräfte der hessischen Bereitschaftspolizei abgefeuert. Er wurde im März 1991 zu einer 15-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt; kam aber im Oktober 1997 nach zehn Jahren aus der Haft.

Schums Karriere indes ging weiter: Es folgte ein Studium für den gehobenen Dienst. Der frisch gebackene Kommissar kam 1991 nach Thüringen, „als es im Osten noch Wildwest gab“, wie er seine damaligen Erfahrungen zusammenfasste.

Nach einer Zeit als Ausbilder bei der Bereitschaftspolizei absolvierte er von 1994 bis 1996 in Münster die Polizeiführungsakademie. Seither für den höheren Dienst qualifiziert, war die Leitung der Polizeiinspektion in Suhl sein nächster Dienstposten.

Es folgten Versetzungen ins Bildungszentrum der Thüringer Polizei in Meiningen, danach ins Innenministerium, wo er 1999 für Aus- und Fortbildung zuständig war.

Dann übernahm er für acht Jahre die Funktion des stellvertretenden Leiters der Landespolizeidirektion Thüringen, u. a. unter LPD Rainer Grube und später unter LPD Raymond Walk. Letzteren kennt man in Gotha, denn er war von 2002 bis 2006 Leiter der LPI. Inzwischen ist Walk seit 2014 Landtagsabgeordneter der CDU.

Gotha kennt Schum länger – schließlich lebt er mit seiner Frau hier schon seit fast 20 Jahren und war von 2011 bis 2016 Stellvertreter des LPI-Leiters. Danach folgte seine Versetzung nach Nordhausen – als Leiter der dortigen LPI.

Nun ist er also wieder Gotha: „Das ist jetzt für die den nächsten zwei Jahren meine letzte Verwendung“, sagte der verheiratete Vater dreier erwachsener Kinder.

LPD Detlev Schum im „Oscar am Freitag“-Interview

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