Kinder sammelten für Eichelhähers SB-Restaurant

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Kiloweise Vogels Leibspeise: FB-Vorsitzender Uwe Szpöt füllt Eichelhähers "Mittagstisch". Foto: OaF/ra

Günthersleben/Wechmar (red/ra, 24. Oktober). Das hat sich gelohnt! 117 kg Eicheln sammelten die Steppkes der Kindertagesstätte „Sonnenschein“ in Günthersleben und jene der Kita „Wichtelburg“.

Stolze Menge: 117 kg Eicheln. Foto: OaF/ra

Die fleißigen Mädchen und Jungen machten das nicht, um anschließend schicke kleine Figürchen zu basteln. Sie taten es vielmehr – und dennoch mit Spaß und Energie dafür –, damit sie mal mit ihren Kindern durch einen Wald gehen können, an dessen Aufwuchs sie auch Anteil hatten…

Wieso? Ganz einfach: Auf den rund 900 ha der Forstbetriebsgemeinschaft „Totenkopf-Vizerod“, die auch Wald der Gemeinde Wechmar-Günthersleben bewirtschaftet, stehen rund zwei Dutzend „Selbstbedienungs“restaurants.

Schon nach wenigen Tagen leergehamstert. Foto: OaF/ra

Das sind flache, umrandete Futterschalen auf mannshohen Stangen oder Baumstümpfen, an denen sich vor allem Eichelhäher (Eichelhähers Stimme) bedienen:

„Der Eichelhäher (Garrulus glandarius) ist ein Singvogel aus der Familie der Rabenvögel (Corvidae). Er ist über Europa, Teile Nordafrikas und des Nahen Ostens sowie in einem breiten Gürtel durch Asien und dort südwärts bis nach Indochina verbreitet. Er brütet in lichten, strukturreichen Wäldern aller Art, in Mitteleuropa aber bevorzugt in Misch- und Laubwäldern. Sein Nahrungsspektrum ist sehr vielfältig, wobei im Sommerhalbjahr tierische, im Winterhalbjahr pflanzliche Nahrung überwiegt. Vor dem Winter werden Vorräte diverser Nussfrüchte angelegt. (Quelle: Wikipedia)

Ein Eichelhäher (Garrulus glandarius). Foto: Luc Viatour/Wikimedia

Eichelhähers Magen- und Leibspeise sind – wen wundert’s bei dem Namen? – vor allem Eicheln. Und wie manch mensch neuerdings Klopapier hortet, horten diese gefiederten Waldbewohner die Früchte der Eichen.

Deshalb bekommen die Vögel an den Futterlätzen den Schnabel nicht voll genug, schnappen sich sechs, sieben der Eicheln. Die bringen sie dann zu ihren Speisekammern – gegrabenen Löchern, in denen die Baumfrüchte dann gelagert werden.

Weil aber Eichelhäher – wie übrigens auch Eichhörnchen – offenkundig nur ein Kurzzeitgedächtnis haben, vergessen sie zuweilen, wo sie ihre Schätze gehamstert haben.

…das ist eines der Bäumchen, das aus einer der 2018 gesammelten Eicheln wuchs. Foto: OaF/ra

Das freut Muttern Natur und im Folgejahr sprießen dann hie und da eine oder zwei, manchmal auch noch mehr Mini-Eichen aus dem Waldboden.

Die Kita-Knirpse aus Güntersleben-Wechmar haben übrigens nicht das erste Mal Eicheln gesammelt. Das taten sie schon einmal 2018 – und die Folgen – resp. „Früchte“ ihrer Arbeit – sind schon zu sehen (Foto l.)

Selbstverständlich honoriert die Forstbetriebsgemeinschaft den Fleiß der Kinder – der gemeinsame Förderverein der beiden Kitas bekommt für die Vogelfutter-Sammlung eine durchaus ansehnliche Prämie gezahlt.

 

Ein bisschen mehr Wiki-Wissen zum Eichelhäher:
(…) er legt das ganze Jahr über Depots aus überschüssiger Nahrung an. Mit dem gezielten Sammeln von Eicheln und anderen Nussfrüchten beginnt er aber erst zu deren Reife im August, was bis in den frühen Winter, bisweilen auch bis ins nächste Frühjahr anhalten kann.

Auf dem Höhepunkt im Oktober verbringt der Vogel oft 10 bis 11 Stunden täglich mit dem Sammeln. Dazu werden teils große Strecken von 5 bis 8 km überwunden, um beispielsweise fruchtende Eichenbestände oder Einzelbäume aufzusuchen. Meist sind die Entfernungen aber kürzer.

Bei längeren Sammelflügen werden etwa 5 bis 7, manchmal bis zu 10 Eicheln im Schlund gesammelt und in das eigene Revier transportiert. Für eine weitere Eichel ist zudem im Schnabel Platz.

Der Vogel versteckt die Eicheln bevorzugt auf strukturierten Flächen an Waldrändern und Lichtungen. Die Früchte werden einzeln, seltener zu zweien oder dreien in der Bodenstreu, in Löchern und Spalten, in der Vegetation oder an Baumwurzeln versteckt, mit einigen Schnabelhieben hineingetrieben und hernach grob zugedeckt.

Beim Wiederauffinden der Vorräte orientiert sich der Eichelhäher an den Gegebenheiten in der Landschaft, so dass er sie auch unter einer höheren Schneedecke erstaunlich zielgenau finden kann. Bei einer Untersuchung in Sachsen-Anhalt wurde für die etwa 20-tägige Hauptsammelzeit ermittelt, dass ein einzelner Eichelhäher bis zu 2.200 Eicheln, also etwa 11 kg an Vorräten anlegt. Dies wurde für die gesamte Sammelzeit auf etwa 3.000 Eicheln bzw. 15 kg pro Vogel hochgerechnet. Vermutlich wird aber nur ein geringer Prozentsatz wirklich genutzt, wodurch der Eichelhäher zur Verbreitung von Eichensämlingen beiträgt.

Text/Fotos: Rainer ASCHENBRENNER

 

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