Thüringer „Harald Gerlach“-Literaturstipendien übergeben

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Harald Gerlach (1988). Foto: Günter Prust/Wikipedia

Gotha (red, 8. Juli). Das mit 12.000 Euro dotierte Literaturstipendium „Harald Gerlach“ wurde gestern in Gothas Augustinerkloster zum dritten Mal durch die Kulturstiftung Thüringen übergeben.
Erstmalig nahmen mit Stefan Petermann und Preisträgerin Emma Braslavsky zwei Stipendiaten aus zwei aufeinander folgenden Jahren in einer Veranstaltung ihre Stipendien entgegen.
Thüringens Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, sagte:

„Stipendien sind ein großer Glücksfall für unsere Kulturszene. Sie bringen die Stipendiaten in den Genuss einer ökonomischen Unabhängigkeit, die sie zu künstlerischer Freiheit ermutigen soll. Die Jury und das Kuratorium haben nach meiner Einschätzung zwei sehr interessante Persönlichkeiten mit vielversprechenden Projekten ausgewählt und ich werde sicher weiter verfolgen, was daraus geworden ist.“

Die Auszeichnung für das Jahr 2020 geht an Stefan Petermann, der aus Werdau in Sachsen stammend zum Studium an die Bauhaus-Universität nach Weimar kam und dort lebt.
Sein aktuelles Romanprojekt „Lange Stille“ ist räumlich in Thüringen angesiedelt, nahe der Werra und spielt in einem Dorf, das laut Jury viel zu klein ist, als das jemand davon gehört haben könnte. Es handelt es sich um ein Romanprojekt, bei dem Elemente der deutsch-deutschen Vergangenheit fiktiv in die Zukunft versetzt und dort fortgesetzt werden, um die Gegenwart zu erklären. Eine ungewöhnliche Erzählperspektive, die aber aus der so geschaffenen Distanz neue Blickwinkel eröffnen kann.

Die diesjährige Auszeichnung geht an die aus Erfurt stammende Emma Braslavsky. Sie hat fremdsprachliche Philologien in Berlin, Moskau und Ho Chi Minh City studiert.
Seit 1999 arbeitet sie als freie Autorin und Kuratorin. In „Erdling“, dem neuen Romanprojekt von Emma Braslavsky ist laut Jury die Erzählzeit quantenmechanisch aufgebrochen, sodass die Protagonistin, eine anfangs eher erfolglose Studienabbrecherin und Privatdetektivin, durch „Zeit- und Raumverschiebungen“ an unterschiedliche Schauplätze deutscher Geschichte gebracht wird. Der Roman begibt sich auf die Spuren deutscher Mentalität und verfolgt sie bis zur Eskalation.

Das Literaturstipendium richtet sich an Autorinnen und Autoren, denen die Möglichkeit gegeben werden soll, über einen längeren Zeitraum intensiv an einem aktuellen Vorhaben zu arbeiten.

Das Harald-Gerlach-Stipendium erinnert an den Schriftsteller Harald Gerlach (1940-2001), der die hiesige Literaturlandschaft mitprägte.

Bisherige Stipendiatinnen und Stipendiaten waren Lutz Seiler (2009), Jan Volker Röhnert (2010), Christian Rosenau (2011), Daniela Danz (2012), Bärbel Klässner (2013), Hubert Schirneck (2014), Nancy Hünger (2015), André Schinkel (2016), Ron Winkler (2017), Peter Neumann (2018) sowie an Vera Vornweg (2019).

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