Thüringen-Tourismus schwächelt weiter

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Thüringen-Tourismus: Schwächer als die Wettbewerber – Zuwächsen gegenüber 2021, aber deutlich hinter den Zahlen von 2019

Erfurt/Gotha (red, 28. Mai). Die gewerblichen Betriebe (ab zehn Betten) in Thüringen verzeichneten 2022 9,09 Millionen Übernachtungen und damit 1,26 Millionen weniger als im gleichen Zeitraum 2019. Die pandemiebedingten Rückgänge sind damit immer noch vergleichsweise hoch.

Mit einem Minus von 12,2 % gegenüber 2019 liegt Thüringen im Bundesländervergleich im hinteren Drittel und unter dem deutschen Durchschnitt von -9,1 %. Schleswig-Holstein konnte als einziges Bundesland das Ergebnis von 2019 übertreffen. Nachbarländer wie Bayern oder Sachsen-Anhalt liegen in etwa auf dem Bundesniveau. Positiv stimmt der Trend seit 2021, denn gegenüber dem Vorjahr legten die Übernachtungszahlen 2022 in Thüringen wieder um 37,3 % zu, natürlich mit sehr eingeschränkter Vergleichbarkeit aufgrund der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen temporären Lockdown 2021.

Der Bundesländervergleich zeigt, dass insbesondere diejenigen Länder von einer langsameren Erholung geprägt sind, in denen der Anteil Geschäftsreisender, des Städtetourismus und der Gäste aus dem Ausland vergleichsweise hoch ist.

Auch die Mittelgebirgsregionen in Deutschland kämpfen derzeit um die Gunst der Gäste. Wassergeprägte Destinationen zogen dagegen weiter an. In Thüringen setzt sich somit die bereits vor 2020 zu beobachtende Konsolidierungsphase mit Herausforderungen rund um Qualität und neue Gästegruppen fort.

Normalniveau noch nicht wieder erreicht
Der Blick auf die Monatsergebnisse zeigt: Nach einem schwachen Jahresstart, nach wie vor auch durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt, näherte sich das Nachfragevolumen zwischen Frühjahr, Sommer und Herbst 2022 wieder deutlich dem Vor-Corona-Niveau an. Lediglich der August fiel etwas schwächer aus, weil Thüringen insbesondere im August 2021 mit der BUGA in Thüringen einen enorm starken Monat verzeichnen konnte.

Im September und Oktober 2022 reichten die Zahlen auch in Thüringen wieder fast an das Niveau aus 2019 heran. Bei der Zurückhaltung im Dezember 2022 gegenüber dem Dezember 2019 ist auch von einem Zusammenhang mit der Inflation und infolgedessen einer geringeren Kaufkraft der Nachfrage auszugehen.

Besonders positiv hervorzuheben beim Vergleich 2022 gegenüber 2021 sind die Monate November und Dezember mit deutlichen Steigerungsraten. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass Kulturangebote und Weihnachtsmärkte wieder stattfinden und entsprechend angenommen wurden.

Grundsätzlich deutet die Datenlage darauf hin, dass Thüringen aus Nachfragesicht zusätzliche Impulse über die Angebotsentwicklung und die Vermarktung braucht, um im Wettbewerb Schritt zu halten. Zudem scheinen der Gästequerschnitt in Thüringen derzeit so strukturiert zu sein, dass die Nachfrager:innen sensibler auf die Rahmenbedingungen rund um Preis- und Kostensteigerungen reagieren. Mit Blick auf die Herkunftsmärkte und die große Bedeutung des Inlandstourismus sollten aktuell insbesondere die innerdeutschen Potenziale aktiv bearbeitet werden.

Städtedestinationen kommen zurück, Eichsfeld und Übriges Thüringen fast wieder auf Vor-Pandemie-Niveau
Regional betrachtet zeigen sich derzeit das Eichsfeld (-5,5 Prozent) und das Übrige Thüringen (-6,3 %) im Vergleich 2022 gegenüber 2019 am stärksten. Fast alle weiteren Regionen liegen auf einem Nachfrageniveau von 87 % bis 89 % im Vergleich zu 2019. Etwas zurück hängt noch das Thüringer Vogtland mit 84 %. Erfreulich ist es, dass die Städte Eisenach, Erfurt, Jena und Weimar mit -14,9 % zwar noch leicht unter dem Landesdurchschnitt liegen, sie aber im Vergleich zu 2021 Zuwächse von 41,1 % verbuchten. Der Städtetourismus nimmt also offensichtlich wieder Fahrt auf. Dies passt zum bundesweit zu beobachtenden Nachfragetrend der Rückkehr zu klassischen Reisemustern.

Ausländische Gäste
Der Incoming-Markt erholt sich weiterhin nur langsam und liegt noch deutlicher unter dem 2019er-Niveau als der Binnenmarkt. In Thüringen übernachteten zwischen Januar und Dezember 2022 25,4 % weniger ausländische Gäste als 2019, in etwa auf Bundesniveau. Allerdings zeigt auch hier der Blick auf die Vorjahreszahlen, dass im vergangenen Jahr mit rund 467.806 Übernachtungen bereits wieder Zuwächse von 58,3 % im Vergleich zu 2021 generiert werden konnten. Bei den Destinationen verdoppelte sich die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste im Vorjahresvergleich in den Städten Eisenach, Erfurt, Jena und Weimar. Sie vereinten 2022 über 42 % der gesamten Nachfrage aus dem Ausland in Thüringen auf sich, gefolgt vom Thüringer Wald mit fast 34 %. Bei den Top-10-Märkten zogen die Zahlen aus den Niederlanden, den USA, Frankreich und Dänemark am stärksten an. Absolut betrachtet bilden Polen (54.612 Übernachtungen), die Niederlande (41.242) und Österreich (39.860) die Top 3.

Camping und Hotels
Der Trend zu autarken Unterkunftsformen hielt auch 2022 an: Die Betriebstypen Camping und Ferienhäuser/-wohnungen lagen auf oder über dem Niveau von 2019. Gleiches gilt für die Hotels garnis. Erfreulich: Gruppenunterkünfte wie Jugendherbergen/Hütten, Schulungsheime oder Erholungs- und Ferienheime liegen im Vergleich zu 2019 zwar noch deutlich zurück, konnten ihre Übernachtungszahlen zwischen 2021 und 2022 aber verdoppeln. Der bezogen auf das Volumen wichtigste Betriebstyp mit 3,8 Millionen Übernachtungen in 2022 – die Hotels – kommen in Thüringen dagegen nur langsam wieder in Schwung. Trotz der schwierigen Nachfragesituation sind gerade hier Investitionen in die Qualität gefragt, um sich über ein gutes Preis-Leistungsverhältnis am Markt durchzusetzen.

Bettenauslastung
Bei der Bettenauslastung liegt Thüringen im Mittelfeld der ostdeutschen Bundesländer. 32,0 % zwischen Januar und Dezember 2022 bedeuten 4,7 Prozentpunkte weniger als im Vergleichszeitraum 2019, aber gleichzeitig einen leichten Anstieg in den letzten Monaten des Jahres 2022. Bundesweit lag die Bettenauslastung 2022 bei 35,6 % und damit 3,6 Prozentpunkte niedriger als 2019. Weil aber die Zimmerpreise in der thüringischen Hotellerie im Zeitraum 2017 bis 2022 um rund 20 % auf 86 Euro in 2022 angestiegen sind, dürften die Betriebe im Beherbergungsgewerbe darüber einen Teil der Auslastungsrückgänge und der Kostensteigerungen kompensiert haben.

Ausblick
Der Thüringen-Tourismus ist nach wie vor in einer schwierigen Situation. Viele zentrale Kennzahlen liegen nach wie vor unter den Vergleichswerten der Wettbewerber. Aber es gibt auch Lichtblicke. Einige Betriebstypen entwickeln sich bereits wieder positiv, allen voran das Campingsegment. Hoffnung machen auch einige Großveranstaltungen im Thüringer Wald Anfang 2023. Wie sich die Rennrodel Weltmeisterschaften im Januar und die Biathlon Weltmeisterschaften im Februar ausgewirkt haben, werden die Datenveröffentlichungen in den nächsten Monaten zeigen.

Die komplette Auswertung

Fliesenstudio Arnold

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