Handwerk beklagt mangelnde Konjunktur

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Der Präsident der Handwerkskammer Erfurt, Stefan Lobenstein. Foto: HWK

Handwerkskammer Erfurt stellt Ergebnisse der Frühjahrskonjunktur vor: „Die Lage im Handwerk bleibt ernst“ 

Erfurt/Gotha (red, 20. April). Es sei ein leichter Aufschwung spürbar, doch das Niveau aus dem Jahr 2019 liege noch in weiter Ferne: Wegen der gestiegenen Inflationsrate und des angespannten Energiemarktes bleibe die Lage im Nord- und Mittelthüringer Handwerk ernst – auch wenn die schlimmsten prognostizierten Szenarien ausgeblieben seien.

Das geht aus dem Konjunkturbericht für das Frühjahrs 2023 der Handwerkskammer Erfurt hervor: „Im Vergleich zum historisch schlechten Herbst 2022 ist die Konjunkturlage leicht gestiegen. Die Betriebe sind aber nach wie vor stark verunsichert und agieren mit Vorsicht. Das spüren auch die Verbraucher, die für Handwerkerleistungen künftig tiefer in die Tasche greifen müssen“, sagt der Präsident der Handwerkskammer Erfurt, Stefan Lobenstein.

Laut Konjunkturumfrage konnten die Gesundheitshandwerker ihre prekäre Situation stabilisieren. Nur noch 6 % der Unternehmen (Frühjahr 2022: 38 %) melden eine schlechte Geschäftslage. Auch 70 % der personenbezogenen Dienstleister schätzen ihre derzeitige Lage befriedigend oder sogar als gut ein, weswegen die stark gebeutelte Branche nach Jahren der Entbehrungen wieder positiver in die Zukunft blickt. Dagegen hat sich die Situation für die eng verzahnten Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, die noch verhältnismäßig gut durch die Corona-Jahre kamen, besorgniserregend entwickelt. „Weil Zulieferer von Baustoffen nur noch mit Tagespreisen arbeiten, ist eine ernsthafte Kalkulation von Aufträgen mittlerweile kaum noch möglich. Nachfragerückgänge und Stornierungen sind die Folgen, weswegen auch die Auftragslage der Betriebe einen erheblichen Rückgang aufweist“, erklärt Thomas Malcherek, der Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Erfurt.

Eine im Vergleich zum Vorjahr deutliche Verschlechterung wird auch im Kfz-Handwerk verzeichnet. Der anhaltende Chipmangel und das historische Tief beim Neuwagengeschäft schlagen sich in einer äußerst pessimistisch gestimmten Erwartungshaltung nieder. Sowohl der Umsatz (- 5 %) als auch der Auftragsbestand sind gesunken. 88 % der Betriebe berichten von einer Zunahme der Einkaufspreise und mehr als die Hälfte (51,2 %) von einer Steigerung der Verkaufspreise.

Die Energiekrise hatte die Nahrungsmittelhandwerke besonders hart getroffen. 91 % der Betriebe berichten von gestiegenen Rohstoffpreisen, aber nur 59 % konnten diese Steigerungen in Form von höheren Verkaufspreisen weitergeben. Damit ist die Branche eines der am stärksten von Umsatzeinbrüchen betroffenen Gewerke im Nord- und Mittelthüringer Handwerk. In der Folge ist hier mit -12 % nicht nur der größte Rückgang der Beschäftigtenzahlen zu verzeichnen, sondern auch eine merklich zurückgegangene Investitionsneigung (-32 %).

Bürokratie belastet Handwerksbetriebe stark
Ob die Dokumentationspflichten im Datenschutzrecht und für Internetauftritt der EU, die Photovoltaikstrategie der Bundesregierung oder Hürden des Thüringer Vergabegesetzes: Die Bürokratie belastet Handwerksbetriebe nach wie vor stark. „Statt ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen und damit beispielsweise auch ihren Teil für das Erreichen der Ziele im Klimaschutz, der Nachhaltigkeit und einer starken Wirtschaft leisten zu können, müssen sich die Inhaber und Mitarbeiter mit Unmengen Formularen, ja wahren Bürokratiemonstern herumschlagen, die Kosten verursachen und Zeit fressen. Aufwand und Nutzen stehen in keinerlei Verhältnis, weswegen vor allem kleine Betriebe Abstand nehmen von Ausschreibungen und benachteiligt werden“, beklagt Stefan Lobenstein. Diese These bestätigt Heiko Platz. Der Geschäftsführer des 1990 gegründeten SHK-Betriebs Bezold + Platz GmbH aus Herrenhof im Landkreis Gotha gab einen Einblick in die Praxis.

Gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) drängt die Handwerkskammer Erfurt auf den schnellstmöglichen Abbau der Bürokratiehürden. Als zwei wesentliche Punkte führt die Organisation unter anderem die Erweiterung des Bürokratieverständnisses und die Entschleunigung der Gesetzgebung, auf die Handwerksbetriebe immer wieder mit großem Aufwand reagieren müssten, an. Zudem müssten Gesetze klar formuliert und Paragrafendschungel entflochten werden. „Die Betriebe dürfen nicht überfordert, sondern müssen unterstützt werden. Statt das Klima zwischen Verwaltung und Wirtschaft zu vergiften, braucht es einfache Instrumente, die die vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglichen“, betont Thomas Malcherek.

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