Dass Tanzen verbindet, zeigt das Beispiel des jungen Türken Serhan. Der 24-Jährige kam erst vor wenigen Wochen nach Jena – und tanzt schon in der Bewegungsküche in Lobeda-Ost mit. Die Bewegungsküche ist mehr als ein reines Tanzprojekt, sie ist zugleich ein Integrations- und Sozialprojekt.
Das bestätigt auch Amira Shemeis, Vorstandsmitglied des Bewegungsküche e. V. „Dadurch, dass Serhan zu uns kommt, knüpft er natürlich Kontakte zu den anderen Jugendlichen. Und wir als Verein können ihm bei Bedarf die Hilfen anbieten, die er benötigt“, weiß die 35-Jährige. Integration kann auch so betrieben werden.
Der Kontakt zu Serhan kam über Sven zustande; mit seinen 24 Jahren gehört er schon zu den alten Hasen der Bewegungsküche. Auch er arbeitet im Vorstand des Vereins mit.
Seit vier Jahren tanzt der 20-jährige Alex in der Bewegungsküche. Seine Eltern sind Spätaussiedler. Alex spricht, als wäre er in Jena aufgewachsen. Bestimmt nicht ausschließlich ein Verdienst der Bewegungsküche, aber auch so wird gelebte Integration deutlich.
Janosch, 17 Jahre jung, kommt fast jeden Tag nach der Schule in die Drackendorfer Straße 12a. „Durch meinen Bruder bin ich auf die Bewegungsküche aufmerksam geworden, hab´s mir angeschaut und bin hier geblieben.“
So unterschiedlich die Vier auch sein mögen, allen gemein ist die Liebe zum Tanz, vor allem zum Breakdance. „Das ist wie eine Droge. Eine Woche ohne geht gar nicht“, sind sich alle vier einig. „Breakdance ist eine Mischung aus Kunst, Körperbeherrschung und harter Arbeit“, erklärt Sven. Ehrgeiz braucht man dafür, Kontinuität und Stabilität. An einem Move werde manchmal einen Monat lang gearbeitet, bis er sitzt. Breakdance ist für die Jungs nicht nur ein Hobby, sondern ein Lebensgefühl.
„Eigentlich sind Breakdancer Individuen und nicht massenkompatibel. Aus diesen Einzelgängern eine Gruppe zu formen, ist nahezu unmöglich und damit die Herausforderung für uns“, erklärt Amira.
Dass die Jugendlichen so gern und zahlreich in der „Bewegungsküche“ sind, hat natürlich Gründe. Einer davon: „Bei uns sind alle gleich, hier gibt es keine Barrieren oder Hierarchien. Wir arbeiten miteinander“, erzählt Amira, die mit Leib und Seele für „ihre“ Bewegungsküche da ist. Wenn es sein muss, auch 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. 2009 wurde sie dafür mit dem Walter-Dexel-Preis der Stadt Jena ausgezeichnet.
Dass hier mehr als getanzt wird, spürt man: Die Bewegungsküche setzt oft da an, wo Schule und Elternhaus an ihre Grenzen stoßen.
„Denn sobald man mit Kindern oder Jugendlichen in Kontakt kommt, bleibt es nicht aus, dass man auch Sozialarbeit betreibt“, beschreibt Amira die Situation. „ Wenn wir die Jugendlichen fordern, dann immer mit einem Quäntchen mehr. Denn man wächst mit seinen Aufgaben! Das gibt den Jugendlichen Selbstvertrauen“, erklärt Amira. „Die Arbeit hier macht Sinn und erfüllt mich auch mit Stolz.“
Vor fünf Jahren gründete die ausgebildete Tanzlehrerin den Verein. „Wir wirken durch Beständigkeit, weil wir stets und ständig da sind.“ Die Angebote erstrecken sich von Tanz – Hip Hop, Funky Paartanz, Dancehall, Breakdance – Gesang, Theater, DJ-ing bis hin zu Malerei. Der Verein_bietet auch Wochenendworkshops, Ferienaktionen, Ausflüge, Schularbeitsgruppen und Projekttage an. Aufgetreten wird natürlich auch: z. B. bei den jährlich stattfindenden Jugendweihefeiern. In Winzerla gibt´s auch Schul-AGs, die von der Bewegungsküche betreut werden.
Leider gibt´s immer noch Vorurteile gegenüber dem Verein: „Manche Kinder dürfen nicht zu uns kommen. Das ist schade. Wenn wir davon erfahren, versuchen wir natürlich mit den Eltern ins Gespräch zu kommen,“ so Amira Shemeis.
Dass sich das lohnen kann, zeigen die vielen Beispiele der Jugendlichen.
Katja Vollenberg






















