Wir sind stolz auf dich, Franziska
Diesmal möchte ich ganz sachlich anfangen, auch wenn mir das nicht leicht fällt. Deine Premierentorten schmecken überaus lecker und sehen sooooo gut aus. Es sind kleine, essbare Kunstwerke. Ich will nicht sagen, dass ich nur wegen der Premierentorte zur Premierenfeier nach der Premiere gehe. Das Theaterstück davor, also die Premierenaufführung, ist selbstverständlich auch großartig, aber eine Premiere kann man nicht essen. Aber deine Premierentorte.
(Mit scharfem Tonfall aus der Kulisse: „Was willst du mir eigentlich sagen? Ich verstehe gerade gar nichts.“)
Ich sage doch nur sachlich, dass sie großartig ist.
(„Wer? Die Premierentorte?“)
Nein, unsere Franziska. Franziska Schnauß. Sie wird geehrt.
(„Wegen ihrer Premierentorte?“)
Ja, also nein. Nicht nur deswegen. Wegen allem. Was sie alles bei uns beim art der stadt macht. Sie bekommt die Myconiusmedaille.
Von der anderen Seite kommt der Erklärbär auf die Bühne. Es ist kein echter Bär, sondern ein Mensch, der ein Kostüm trägt, das Franziska genäht hat. Nähen kann sie auch. „Die Myconiusmedaille ist nach der Verleihung des Ehrenbürgerrechtes die höchste Auszeichnung der Stadt Gotha. Diese Ehrung erhalten Persönlichkeiten, die sich ehrenamtlich auf sozialem, kulturellem, ökonomischem und ökologischem Gebiet hervorragende Verdienste um die Stadt Gotha erworben haben.“ Der Erklärbär verschwindet in der Kulisse.
Genau, sage ich doch. Denn auf riesigen Stelzen kann sie auch laufen. Sogar auf der Straße beim Gothardusfestumzug, bei den Europeaden und bei den Thüringentagen. Stehen kann sie aber auch. Ganz unbeweglich in einer Nische im Treppenhaus vom Schloss Friedenstein – wie eine griechische Figur aus weißem Stein. Wenn Franziska gerade mal nicht steht oder geht, dann hilft sie uns im Fundament, renoviert und verwandelt alte Kinosessel in Theatersessel. Und wenn sie das alles nicht macht, dann arbeitet sie im Vorstand mit und zeigt Kindern, wie man auf Stelzen laufen kann. Masken kann sie auch herstellen, so dass man denkt, da kommt ein echter Bär – aber das wisst ihr schon.
(Frage aus der Kulisse: „Durfte der Bär auch ein Stück von der Premierentorte essen?“)
Nein. Ja, doch. Vielleicht. Jedenfalls kann sie auch Kulissen bauen und Tische festlich schmücken und Räume geschmackvoll dekorieren und … Franziska kann eigentlich alles.
Der Bär schaut durch die Tür: „Backt sie auch Premierenbärentorten?“
Nein, ich rege mich nicht über Bären auf, nicht über Monstantin, nicht über das Sockenmonster. Alle diese Figuren hat Franziska auch geschaffen. Wir sind so stolz auf dich, dass du uns seit dem Jahr 2001 unterstützt, begleitest, hilfst. Ganz überriesigengroßen Theaterdank. Wir freuen uns, dass die Myconiusjuroren das auch so gesehen haben, auch wenn sie vermutlich keinen Premierenkuchen dafür bekommen haben.
Wir sind stolz auf dich, liebe Franziska. Bitte bleibe noch lange bei uns.
Mit Bewunderung und Freude sende ich ehrenvolle Grüße aus dem Fundament – Bernd Seydel für den art der stadt e. V.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 4 (2026)





















