Vor vier Jahren konnte der Kinofreund miterleben, wie das legendäre Raumschiff „Enterprise“ vom Stapel lief und zu seinem allerersten Weltraumabenteuer ausrückte. Junge, unverbrauchte Schauspieler schlüpften in die Rollen der Science Fiction-Ikonen Kirk, Spock und Co., Regisseur J.J. Abrams („Mission: Impossible III“) bereitete ihnen einen abenteuerlichen Parcours voller Action, Humor und außerirdischer Magie.
Auch wenn sich am Ende nicht jedes Detail passgenau ins „Star Trek“-Universum einfügte, reagierte doch die überwältigende Mehrheit der peniblen Fans entzückt. Einer weiteren Sternenreise stand also nichts im Wege.
Wie gewonnen, so zerronnen: kaum hat Captain Kirk (Chris Pine) das Kommando über die „Enterprise“ erlangt, da wird es ihm auch schon wieder entzogen. Wie gewöhnlich hat es der junge Heißsporn nicht so genau mit den diversen Regeln und Direktiven genommen, auf deren Einhaltung die Sternenflotte hartnäckig besteht. Die Suspendierung kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, ziehen am Himmel doch dunkle Wolken auf. Ein skrupelloser Bösewicht, der leider mit einem brillanten Verstand gesegnet ist (Benedict Cumberbatch, „Sherlock“), sagt der Sternenflotte den Kampf an. Die Tage der „Enterprise“ und ihrer Crew scheinen gezählt, bevor der Warpkern Betriebstemperatur aufnehmen kann… Es ist J.J. Abrams eine Herzensangelegenheit, dass so wenige Handlungsdetails wie möglich an die Öffentlichkeit getragen werden. Er hat ja ohnehin schon gegen die dramaturgische Fußfessel zu kämpfen, dass der Zuschauer vor vorn herein weiß, dass das Raumschiff noch so manches Lichtjahr zurücklegen und die Besatzungsmitglieder noch viele Abenteuer erleben werden – sofern sie sich von roten Uniformen fernhalten.
„Star Trek – Into Darkness“ ist ein akzeptabler Nachfolger des Werkes aus 2009, aber nicht der ganz große Wurf. Das Drehbuch hält sich nicht sklavisch an die Chronologie der Originalserie, so kennt man zum Beispiel schon die Tribbles. Aber, liebe Puristen, würde ein Kirk als Filmemacher streng alle Regeln befolgen? Was die allzu irdische Geschichte betrifft, wird sich wohl so mancher Zuschauer fragen, ob man angesichts eines unbegrenzten Universums an Möglichkeiten nicht auch mal neue Wege hätte beschreiten können. Der Brite Benedict Cumberbatch gibt allerdings einen Schurken zum Zunge schnalzen ab. Und dazu ist er nicht einmal auf eine bedrohliche Maskerade angewiesen. In Anbetracht der allgegenwärtigen Gefahr bleibt diesmal nur wenig Raum für humorvolle Momente. Dafür gibt es jede Menge Verfolgungsjagden und fliegende Fäuste als Zugeständnis ans Actionpublikum. Trekker wünschen sich aber Aliens und nicht Bond. Historisch hingegen ist eine Szene, die die lebenslange Freundschaft zwischen Kirk und Spock begründet. Sie markiert ab sofort das emotionale Highlight der „Enterprise“-Geschichte. Auf einen besonders guten „Star Trek“-Film folgte für gewöhnlich ein mittelmäßiger. Ganz so schlimm ist es diesmal nicht. Der furiose Neustart hat die Messlatte vor vier Jahren nur sehr hoch gelegt. Beim nächsten Mal etwas mehr außerirdisches Flair und den einen oder anderen markigen Spruch von Scotty, dann wird das schon.
Genre: Science Fiction
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Chris Pine, Zoe Saldana, Benedict Cumberbatch u.v.a.
USA 2013, 129 Minuten
Wertung: 4 von 5 Punkten oder 80 %






















