Er saß da, starrte wie versteinert auf den Scoutingbogen und schüttelte den Kopf. Chris Ensminger hätte zu Beginn der Pressekonferenz nach dem gestrigen Heimspiel der Oettinger Rockets Gotha gegen die finke baskets Paderborn nicht viel sagen müssen. Das Ergebnis des Abends stand ihm ins Gesicht geschrieben. Der Rockets-Coach war bedient. Nicht zuletzt, weil er sich den Countdown für seinen 40. Geburtstag etwas anders vorgestellt hatte.
Mit 69:71 (30:28) hatte seine Mannschaft kurz zuvor gegen die Gäste aus Ost-Westfalen verloren. Statt des angepeilten fünften Heimsieges in Folge, gab’s eine unnötige Pleite. Denn die finke baskets zeigten sicherlich eine gute Leistung, allerdings präsentierten sie sich keineswegs als unbezwingbares Team. Vielmehr waren die Hausherren gestern nicht in der Lage, diesen Gegner niederzuringen. Das wäre selbst an diesem Tag, der gewiss nicht als der beste in die Annalen der Rockets eingehen wird, durchaus möglich gewesen.
Schließlich gelang ein hervorragender Start. Leo Niebuhr holte den Sprungball und markierte Sekunden später die ersten Punkte der Partie. Es folgten zwei Dreier von Travis Warech und Gary Johnson – zack: Nach anderthalb Minuten lagen die Rockets mit 8:2 in Führung.
In diesem atemberaubenden Tempo ging’s zunächst weiter: Es folgten ein Freiwurf von Ali Fraser, fünf Niebuhr-Punkte am Stück und ein erfolgreich abgeschlossener Angriff von Chase Griffin. Nach fünf Minuten stand es 16:4 für das Team von Chris Ensminger. Die Fans in der abermals gut gefüllten „Blauen Hölle“ feierten ihr Team mit Standing Ovations.
Allerdings ging der traumhafte Startschuss nach hinten los. Denn viel zu schnell schlich sich offensichtlich das Gefühl ein, dass in diesem Spiel nichts anbrennen kann – ein Trugschluss. Statt weiterhin konsequent zu agieren, leisteten sich die Gothaer noch im Auftaktviertel erste Unkonzentriertheiten.
Hinzukam, dass sie das Wurfglück der Anfangsminuten im weiteren Spielverlauf in einigen Situationen verließ. Auch deshalb fanden die Paderborner immer besser ins Spiel und holten auf. Spätestens zur Halbzeit war der Ausgang der Begegnung offen.
Doch wer dachte, die Rockets würden sich nach der Pause deutlich steigern, wurde enttäuscht. Nach dem Seitenwechsel verloren sie für einige Minuten die Linie. Die Paderborner legten in dieser Zeit einen 12:0-Lauf hin und zogen auf 40:30 (25.) davon.
Zwar kämpften sich die Gothaer in das Match zurück: Bereits kurz vor Ende des dritten Viertels gingen sie wieder in Führung (48:46). Dennoch konnten die finke baskets im Schlussdurchgang abermals auf 10 Zähler einteilen – knapp eine Minute vor Ultimo lagen sie mit 63:53 in Führung.
Obwohl die Rockets in der verbleibenden Zeit eine imposante Aufholjagd starteten und die Partie mit einem wilden Wurf in der Schlusssekunde sogar noch zu ihren Gunsten hätten entscheiden können, stand unterm Strich nicht „nur“ eine Niederlage, sondern die bisher schlechteste Leistung vor heimischer Kulisse in der Saison 2013/2014.
„Abgesehen von den guten Anfangsminuten war das heute nicht der Basketball, den wir spielen wollen“, sagte Head Coach Chris Ensminger mit Blick auf die Statistik, die seiner Mannschaft ungeschminkt den Spiegel vorhielt: Magere 37 Prozent Trefferquote aus dem Feld, lediglich 5 Assists, aber 25 Ballverluste spiegeln eine insgesamt dürftige Teamleistung wider.
Diesen Eindruck konnte auch das deutlich gewonnene Rebound-Duell (49:39) nicht entkräften. Denn diesen Vorteil vermochten die Gothaer nicht nutzen. So hatten sie zwar insgesamt 70 Wurfversuche aus dem Feld (Paderborn 55), doch gerade mal 26 (Paderborn 24) fanden den Weg durch den Ring.
Sichtlich zufrieden war hingegen Gäste-Coach Martin Krüger mit der Leistung seiner Mannschaft. Er hatte sich im Vorfeld weniger damit befasst, wie die Partie in Gotha ausgehen soll, sondern vor allem damit, dass er mit seinem Team die gute Entwicklung der letzten Wochen fortsetzen und deshalb vor allem einige Dinge besonders gut machen wollte. „Und das ist uns auch ganz gut gelungen“, sagte Martin Krüger, dessen Team auf dem Weg nach Gotha eine Panne hatte. Ein Kleinbus blieb in der Nähe von Herleshausen unvermittelt stehen, weshalb die finke baskets zu Beginn der Begegnung auch noch nicht komplett waren.
Für die Rockets steht indes fest: In den verbleibenden beiden Spielen des Jahres 2013 müssen sie sich deutlich steigern. Anderenfalls könnte es ein ungemütlicher Jahreswechsel werden.
Oettinger Rockets Gotha – finke baskets Paderborn 69:71 (30:28)
Viertel: 21:15 / 9:13 / 18:18 / 21:25
Oettinger Rockets Gotha: Johnson (3 / – / 1 Dreier), Lipke (7 / 3 von 7 Freiwürfen), Griffin (24 / 4 von 4 / 2), Watson (nicht eingesetzt), Reilly (2), Niebuhr (12 / 2 von 3), Kreis, Fraser (1 / 1 von 2), Heberlein (nicht eingesetzt), Warech (14 / – / 2), Baker, Selvig (6 / – / 2)
finke baskets Paderborn: Taylor (7 / – / 1), Kamp (3 / – / 1), Padberg, Grim (12 / 2 von 2), Kittmann (11 / 3 von 7), Henningsen (6 / 3 von 6 / 1), Thompson (12 / 3 von 8 / 1), Barnes (20 / 6 von 8 / 2), Stachula
Zweier Gotha: 19 von 49 (39 Prozent)
Zweier Paderborn: 18 von 36 (50 Prozent)
Dreier Gotha: 7 von 21 (33 Prozent)
Dreier Paderborn: 6 von 19 (32 Prozent)
Freiwürfe Gotha: 10 von 16 (63 Prozent)
Freiwürfe Paderborn: 17 von 31 (55 Prozent)
Rebounds Gotha: 49 (14 Offense / 35 Defense)
Rebounds Paderborn: 39 (4 / 35)
Assists Gotha: 5
Assists Paderborn: 8
Ballverluste Gotha: 25
Ballverluste Paderborn: 15
Ballgewinne Gotha: 2
Ballgewinne Paderborn: 1
Zuschauer: 1386
Autor: Wolfgang Gleichmar




















