Strahlende Gesichter unter den mitgereisten knapp 200 Thüringern, Enttäuschung und Ernüchterung beim Chemnitzer Anhang. Science City bricht vor 2319 Zuschauer den über fünf Jahre alten Derby-Fluch in der Richard-Hartmann-Halle, schlägt die Sachsen nach einem 25:35-Halbzeitrückstand am Ende mit 80:75 und klettert in der ProA auf den 2. Platz.
„Chemnitz war sehr gut auf unser Spiel vorbereitet. Unsere junge Mannschaft benötigte eine Halbzeit um mit der Intensität dieses Derbys zurechtzukommen. Nach der Pause sind wir besser ins Spiel gekommen. Respekt an das Team von Felix, dass uns im Verlauf dieses Duells alles abverlangt hat. Respekt aber auch an mein Team, welches sich von der stimmungsvollen Kulisse nicht beeindrucken lassen hat, sondern mit zunehmender Spielzeit unsere Taktik umsetzen konnte. Danke an alle mitgereisten Fans, die uns im Derby lautstark unterstützt haben“, sagt Trainer Björn Harmsen nach dem Sieg im prestigeträchtigen Duell.
Zu diesem Zeitpunkt war das gemeinsame Uffta zwischen dem Jenaer Fanblock und der Mannschaft zwar längst verklungen, einzelne „Auswärtssieg-Zwischenrufe“ während der Pressekonferenz zauberten Jenas Coach aber immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Schließlich hatten sowohl der Anhang der Thüringer als auch Jenas Korbjäger schwierige Phasen zu überstehen, denn während die Reise auf der A4 nach Sachsen durch Regen und dichte Nebelschwaden gekennzeichnet wurde, befand sich Science City im Verlauf der ersten Hälfte auf der Suche nach offensiver Durchschlagskraft. Letztendlich kompensierten die Saalestädter ihre schlechten Quoten mit einer Leistungssteigerung nach Wiederanpfiff.
Nachdem sich die beiden Kontrahenten zu Beginn der Begegnung zunächst ein enges Rennen im Vergeben bester Chancen lieferten, völlig freie Würfe einfach nicht durch den Ring des Gegners fallen wollten, waren es die Gastgeber das Duell in der 3.Minute mit einem Korb zum 2:0 eröffneten. Mehr schlecht als recht punkteten sich Chemnitz und Jena durch den ersten Spielabschnitt und während sich in der 5.Minute bei einem mageren Zwischenstand von 4:4 ein niedriger Score abzuzeichnen drohte verabschiedeten sich mit einem punktearmen Zwischenstand von 15:10 aus Gastgebersicht in die Viertelpause.
Auch nach der Rückkehr auf das Parkett fand Science City zunächst offensiv nur schwer in die Spur. Stattdessen sammelten die Leistungsträger Dennis Tinnon, Dorenzo Hudson und Billy Rush früh ihre dritte Verwarnung, mussten sich bis zur Halbzeitsirene das Derby von der Bank anschauen. Die Sachsen nutzen diese Phase allerdings nur teilweise, ließen immer wieder etliche Gelegenheit an der Freiwurflinie liegen, um sich mit einer bis dato verdienten 35:25-Führung in die Halbzeitkabinen zu verabschieden.
Wie verwandelt betraten Jenas Korbjäger nach Wiederanpfiff das Spielfeld. Innerhalb kürzester Zeit hatten die Saalestädter die Partie mit einem 13:0-Lauf zu ihren Gunsten gedreht, führten in der 24.Minute nach Kristian Kuhns Korbleger mit 38:35. Immer wieder zeigte nun die Ganzfeldpresse der Jenaer den erhofften Erfolg. Während die Hausherren versuchten Jenas aggressive Defense zu kontern, unterliefen dem Spielaufbau der Chemnitzer immer häufiger Ballverluste, die Science City zu einfachen Körben nutzen konnte.
Nachdem sich beide Teams mit einem ausgeglichenen 52:52 in die letzte Viertelpause verabschiedet hatten, begann das Derby vor den letzten zehn Minuten faktisch bei Null. Im finalen Abschnitt waren es das Harmsen-Team, welches sich einen schnellen Vorsprung erspielen konnte. Nachdem Garrett Sim mit einem Freiwurf zum Jenaer 67:58 (36.) für die vermeintliche Vorentscheidung gesorgt hatte wurde es in der Restspielzeit aber noch einmal eng. Nun waren es die Thüringer, die im Angriff Bälle daneben legten, Jenaer Würfe die wieder aus dem Ring rollten, während die Chemnitzer Punkt um Punkt aufschließen konnten.
Innerhalb kürzester Zeit hatten sich die Sachsen wieder in Schlagdistanz gebracht, lagen nach einem Freiwurf von Aufbauspieler Eric Palm nur noch mit 69:68 (38.) zurück. In dieser Phase avancierte Garrett Sim einmal mehr zum Matchwinner, versenkte 58 Sekunden vor dem Ende seinen Wurf zum 71:68, bevor der folgende Chemnitzer Angriff erfolglos verpuffte. Nach schnellen Fouls der Gastgeber zeigten sich Sim, Schaffartzik und Hudson vom Lärm der Chemnitzer Fans an der Freiwurflinie unbeeindruckt, brachten den ersten Derby-Sieg nach über fünf Jahren mit nach Jena. „Wir müssen Jena gratulieren, da sie über die volle Spielzeit verstanden haben, ihre Taktik besser umzusetzen“, musste am Ende auch Gastgeber-Coach Felix Schreier neidlos anerkennen.
SCJ: Sim 26 Punkte, Hudson 14, Schaffartzik 14, Kuhn 9, Tinnon 7, Rush 6, Mayr 4, Reyes-Napoles, Wendt, Voigtmann, Landgraf





















