Die geilste Zeit des Jahres

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Es ist die geilste Zeit des Jahres, der Höhepunkt der Basketball-Saison, die Playoff-Zeit. Während man sich sowohl in Göttingen als auch in Jena über den Anfang April bevorstehenden Beginn der Aufstiegsrunde freute, kehrte schnell Ernüchterung ein – wohlgemerkt in Göttingen und nicht an der Saale (Die Jenaer Internetzeitung berichtete).

Die Korbjäger von Science City Jena liefen den Niedersachsen innerhalb von nur zwei Spielen während der vergangenen drei Tage den Rang ab, überrumpelten das hochfavorisierte Team der BG Göttingen zunächst am Freitag in der heimischen S-Arena mit 86:76, bevor man am gestrigen Abend vor einer mit 1505 Zuschauern ausverkauften Halle in Lobeda-West, mittlerweile auch als „Tempel der guten Laune“ bezeichnet, eine weitere Gala folgen ließ.

Mit einem 87:72-Erfolg am Sonntag schob das Eichler-Team den Tabellenzweiten der regulären ProA-Saison ein Stück näher an den sportlichen Abgrund heran, in Richtung Playoff-Aus einer prestigeträchtigen Meisterschaftsrunde. „Das reguläre Spieljahr ist Schnee von gestern“, sagte Georg Eichler im meteorologisch korrekten Kontext zur momentanen Witterung. „Mit den Playoffs beginnt eine völlig neue Saison. Jetzt geht es um die Wurst. Das Spiel auf Playoff-Parkett ist ein ganzes Stück intensiver. Wir haben diese Gratwanderung bisher wohl ganz gut gemeistert“, sagte Kapitän Christoph Roquette, der am gestrigen Abend nach einer Jenaer 2:0-Führung der Best-of-Five-Serie allen Grund zum Strahlen hatte.

Während Kevin Wysocki im Vita-Cola-Blog vor dem Start des Viertelfinales über die richtige Einstellung sprach, Gedanken seiner letztjährigen Erfahrung mit Essen formulierte, schienen genau diese Worte, der Inhalt seiner Ansprache den Nerv der Jenaer Mannschaft getroffen zu haben. Smart spielen, hart spielen, als Team spielen – was im ersten Moment mit viel Pathos behaftet klingen mag, setzten Jenas Korbjäger sowohl am Freitag als auch gestern auf heimischen Parkett, von der ersten Minute bis zur Schlusssirene fast in Perfektion um.

Während in Niedersachsen vor dem Start des Duells gegen Jena ein 3:0, ein sogenannter Sweep prognostiziert wurde, eigentlich nur die Höhe der Siege unter Göttinger Basketball-Fans und Experten ein Thema war, verpassten die Jenaer Krieger den Niedersachsen zwei kräftige Veilchen, völlig losgelöst wie sich diese Serie auch zukünftig entwickeln mag.

So kamen die Jenaer Jungs nach ihrem zweiten Sieg eher müde als euphorisiert zum Essen geschlendert, hatten in den zuvor absolvierten 40 Minuten viel Kraft gelassen. Eine anständige Regeneration im 2-Tages-Rhythmus ist sowieso kaum möglich, also hieß es auf die Zähne beißen.

Natürlich fehlte den Gästen mit Leitfigur Nicolas Livas, der sich in Spiel 1 kurz vor dem Ende einen Wadenbeinbruch zuzog, der wahrscheinlich wichtigste Verteidiger. Da aber auch Jena auf den zuletzt immer besser ins Rollen kommenden Sanijay Watts zu verzichten hatte war zumindest personell Waffengleichheit angesagt.

Den Part des Gesichts der diesjährigen Playoffs übernimmt aus Jenaer Optik sowieso immer häufiger Aufbauspieler Lee Jeka. Der seit Wochen in bestechender Form auflaufende Australier nahm sich an der Vorstellung von Tim Schwartz gegen Düsseldorf ein gutes Beispiel, knippste gestern aus der Distanz den Fabelwert von knapp 78 Prozent, versenkte sieben seiner neun Dreier und kam in der Endabrechnung auf bärenstarke 30 Punkte.

Doch es war letztendlich das Team als Einheit, eine homogene Gemeinschaft, in der sich jeder einzelne Akteur in den Dienst der Mannschaft stellte, Verantwortung übernahm und sich opferte, um individuelle Statistiken gegen Siege und Jubel einzutauschen. Ganz nach der Devise fünf Finger sind eine Faust schlug Science City im Doppelpack zu, setzte den zweiten wirkungsvollen Treffer gegen einen Gäste-Kader, der im bisherigen Saisonverlauf die Saalestädter bereits zweifach geschlagen hatte.

„Was soll ich sagen, außer das ich, wie bereits beim ersten Sieg in Göttingen extrem stolz auf die Jungs bin“, sagte Chef-Trainer Georg Eichler nach der Partie. „Das Team hat für Sanijay mitgekämpft, ist für ihn mitgerannt, hat für ihn mitverteidigt. Keiner sitzt in dieser Phase der Saison gern angeschlagen auf der Bank. Zudem präsentieren sich die Jungs innerhalb der letzten Wochen vor allem defensiv von ihrer besten Seite, haben auch heute den Göttingern oftmals nur schlechte Würfe erlaubt. Unser Spiel steht und fällt mit unserer Verteidigung, vor allem in den Playoffs “, sagte Eichler.

So blickt nun alles gebannt am Mittwoch in die Göttinger Sparkassen-Arena. Im dritten Aufeinandertreffen entscheidet sich der weitere Verlauf dieser Serie. Ein Sieg der Gastgeber zwingt Jena in ein viertes Duell, ein Erfolg der Thüringer beendet die Serie mit 3:0, in der geilsten Zeit des Jahres…

Über eine weitere enorm positive Nachricht der Sparkasse Jena-Saale-Holzland konnte sich der Basketball-Nachwuchs des Science City Jena e.V. freuen. Nach einer mit 20,- Euro pro erzielten Jenaer Punkt ausgelobten Unterstützung multiplizierten sich Körbe und Spendensumme auf stolze 1740,- Euro. Wir sagen an dieser Stelle noch einmal Danke!

SCJ: Jeka 30 Punkte, Barker 12, Sim 12, Wysocki 11, Roquette 9, Schwartz 7, Reyes-Napoles 5, Adomaits 1, Peric, Mayr, Watts, Krumbeck

Autor: Tom Prager

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