Drittmittel – Ein notwendiges Übel im modernen Hochschulbetrieb?

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Die Drittmittelquote an Thüringer Hochschulen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Der größte Teil kommt dabei aus öffentlichen Mitteln. Im sogenannten wissenschaftlichen Wettbewerb wird von staatlicher Seite Elitenförderung betrieben. 

Drittmittel gelten als Indikator für gute wissenschaftliche Einrichtungen. Die Rechnung ist einfach: Wer viele Förderanträge bewilligt bekommt, der gehört auch zur Spitze. Tatsächlich aber offenbart sich vielmehr eine Verstetigung prekärer Verhältnisse. „An Hochschulen ist die befristete Beschäftigung zum Normalfall geworden, viele Mitarbeiter*innen müssen quasi ihre eigene Stelle über Drittmittelanträge gegenfinanzieren. Zusätzlich zum Druck den die eigentliche Arbeit nunmal auslöst kommt somit noch dauerhafte Ungewissheit über die eigene Existenzsicherheit – in drei Monaten kann alles vorbei sein. Das führt auch dazu, dass die Menschen immer mehr Anträge stellen müssen, sich also mit Bürokratie beschäftigen anstatt zu forschen“, fasst Arne Nowacki, Sprecher der KTS, die Situation zusammen.

Hochschulfinanzierung mit Drittmitteln ist ungerecht. „Es ist nicht etwa so, dass der Wettbewerb um Drittmittel ein Wettbewerb unter Gleichen ist. Vielmehr gilt hier: Wer schon eine gute Infrastruktur hat, bekommt die Gelder. Infrastruktur ist auch notwendig, denn durch Drittmittel hungern die Hochschulen letztlich aus. Sie decken die Nebenkosten, die durch Forschungsvorhaben entstehen, nur unzureichend ab – der Rest muss von den Hochschulen selbst getragen werden. Wer also mehr Gelder einwirbt, muss auch mehr bezahlen. Prekäre Arbeitsverhältnisse für Lehrende, unstetige und unsichere Betreuungsverhältnisse für Studierende sind nur ein Teil der Folgen. Denn auch die Benennung von Hörsälen nach Firmen ist Alltag und an manch einem Fachbereich wird nur noch die Bedienung von Geräten einer bestimmten Firma gelehrt. Das geht entschieden zu weit! Der zunehmenden Ökonomisierung der Hochschulen muss auf allen Ebenen dringend Einhalt geboten werden. Daher fordern wir, dass die Spitzenförderung durch die öffentliche Hand zugunsten der Breitenförderung abgebaut wird und die Drittmittelquoten für Hochschulen gedeckelt werden“, schließt Mandy Gratz, ebenfalls Sprecherin der KTS.

Die Konferenz Thüringer Studierendenschaften ist die gesetzliche Vertretung der Studierendenschaften Thüringens. Sie vertritt die über 50.000 Studierenden der neun Hochschulen Thüringens gegenüber dem Freistaat Thüringen. Beachten Sie bitte auch unsere Wahlprüfsteine unter http://kts-thueringen.de/index.php/landtagswahl-2014/wahlpruefsteine/infrastruktur-und-mobilitaet#Drittmittel

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