Faszinierende Fehler

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Es gibt Dinge, die erhalten ihren Wert erst durch einen Fehler. Briefmarken sind bei Sammlern zum Beispiel besonders begehrt, wenn sie aus einem Fehldruck stammen. Bei Auktionen kann sich ihr Preis bis in Millionenhöhe nach oben schrauben.

Eine Fehlersammlung von ganz anderem Wert präsentiert die Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam mit der Analytik der SCHOTT JENAer Glas GmbH während der Ausstellung „Dem Glas ins Herz geschaut – Glasfehler gesammelt und analysiert“. Vom 12. September bis 23. November können interessierte Besucherinnen und Besucher in der SCHOTT Villa (Otto-Schott-Straße 13) anschauen, was passiert, wenn bei der Glasproduktion nicht alles glatt läuft. Prof. Dr. Dörte Stachel vom Otto-Schott-Institut für Glaschemie der Universität Jena hat in den 40 Jahren ihrer Lehrtätigkeit über 200 Objekte zur Sammlung „Glas und anorganische Werkstoffe“ zusammengetragen, die Fabrikationsfehler in der Glasproduktion zeigen. In der Regel wären diese Stücke im Abfall gelandet.

„Der Wert der Sammlung lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken“, sagt Dr. Tilde Bayer, die Sammlungsbeauftragte der Universität Jena. „Denn für die Lehre ist sie unbezahlbar.“ Mit den Ausstellungsstücken führen die Lehrenden des Otto-Schott-Instituts Risiken und Fehlerpotenziale während der Glasproduktion vor. Oftmals werden dabei beispielsweise Glasabfälle verwendet, mit denen kleine Steine oder andere Fremdkörper in den Brennofen gelangen. Diese hinterlassen ihre Spuren in Form von Einschlüssen. Andere Fehler in der Gemengezubereitung des Glases sorgen z. B. für Schlieren, Undurchsichtigkeit und Risse. „Die Ausstellung vermittelt den Eindruck von der sensiblen Technik der Glasfabrikation und wozu winzige Abweichungen führen können“, erklärt Tilde Bayer die Schau. „Zum anderen sind die fehlerhaften Stücke aber auch einfach schön anzusehen.“ So können sich etwa bei einer falschen Brenntemperatur während der Fabrikation von Glasgefäßen winzige Fäden bilden, die von Wand zu Wand reichen. Affenschaukeln nennt man dieses Phänomen.

Weitere Ausstellungsstücke zeigen die Korrosion von Feuerfestmaterial, das für den Bau der Glaswannen verwendet wird. So entstehen etwa kleine Edelsteine, wenn diese Bauteile mit Mineralen reagieren, die in der Glasmasse enthalten sind.

In der Ausstellung wird auch gezeigt, wie bei SCHOTT der gesamte Produktionsprozess kontinuierlich kontrolliert wird. In Jena werden die gefertigten Flachgläser permanent geprüft. Werden Fehler im Glas erkannt, gilt es, ihre Ursache im Herstellungsprozess zu erkennen und die Fehlerquelle dauerhaft zu beheben.

Die Ausstellung „Dem Glas ins Herz geschaut – Glasfehler gesammelt und analysiert“ wird am 11. September um 17 Uhr in der SCHOTT Villa eröffnet und ist bis zum 23. November zu sehen. Sie ist dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

Foto: Jan-Peter Kasper/FSU).

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