Feuer, Diebstahl, Beutekunst

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Fliesenstudio Arnold

In einem Pressegespräch und einer kleinen Feierstunde im Festsaal auf Schloss Friedenstein wurde am Mittwoch, 15. Februar 2012, der zweite Band der Verlustdokumentation der Gothaer Kunstsammlungen zur Gemäldesammlung vorgestellt. Dr. Martin Eberle, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, dankte dabei vor allem der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Schlossmuseums, Frau Dr. Allmuth Schuttwolf, die den Katalog in jahrelanger Arbeit erstellt hat. Die Kulturstiftung der Länder hat das Buchprojekt finanziert. Insofern war die Anwesenheit von Dr. Britta Kaiser-Schuster, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder, für die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha eine besondere Freude.

Die Verlustdokumentation der Gemäldesammlung ist der zweite Band in der Reihe der Verlustdokumentationen der Gothaer Kunstsammlungen. Band 1 zum Kunsthandwerk erschien 1997. Die Publikation vor 15 Jahren hat insbesondere den Kunsthandel enorm für die herausragenden Kunstwerke aus Gotha sensibilisiert. Durch die Beschreibung und die Vorstellung im Bild konnten viele Kunstwerke identifiziert werden, die dann mit großzügigster Unterstützung zahlreicher Organisationen – darunter immer wieder die Kulturstiftung der Länder – nach Gotha zurückgeholt werden konnten.

Der neue Band, den Förster & Borries in Zwickau hergestellt hat, enthält alle bisher bekannten Abgänge aus der Gemäldesammlung seit Ende des 19. Jahrhunderts und ist zugleich ein wichtiger Beitrag bei der Erschließung ihrer Geschichte. Unter den 435 Abgängen sind nicht nur drei Gemälde, die 1931 beim Brand des Münchner Glaspalastes untergingen (dabei ein Gemälde von C. D. Friedrich, Am Meeresufer, Kat. Nr. 141) oder die fünf Bilder, die dem berühmten Bilderraub auf Schloss Friedenstein von 1979 zum Opfer fielen, sondern auch ca. 120 Kriegsverluste. Von 50 Gemälden weiß man, dass sie sich in Russland befinden, darunter auch der Großteil der Cranach-Sammlung, die heute in Gotha etwas über 20 Gemälde umfasst, im 19. Jahrhundert jedoch noch weit über 40 Gemälde zählte. Der Katalog listet aber auch ca. 70 Bilder auf, die in den 1930er Jahren legal zum Aufbau eines Vermögens der Herzoglichen Kunststiftung verkauft wurden. Dies wurde gleichzeitig zur Profilierung der Sammlung genutzt.

Durch die Eröffnung des Herzoglichen Museums in Gotha 1879 und den 1890 veröffentlichten Katalog der Herzoglichen Gemäldegalerie von Carl Aldenhoven (1842–1907), Museumsdirektor von 1883 bis 1890, wurde die Gemälde-Sammlung nicht nur in Deutschland bekannt, sondern erfuhr dank ihrer beeindruckenden Bestände an altdeutscher, holländischer und flämischer Malerei, aber auch wegen ihrer damals schon langen Sammlungstradition zunehmend internationale Würdigung. In ihrer weiteren Entwicklung war sie einer stärkeren Profilierung unterworfen, wodurch es auch zu einzelnen Verkäufen, insbesondere bei Werken der italienischen Malerei und deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts, kam.

Ihr weiterhin beachtlicher Ruf wurde den Kunstsammlungen während der sowjetischen Militärbesatzung zum Verhängnis. Trophäenbrigaden der Roten Armee waren beauftragt, Kulturgüter zur Kompensation jener Kunstwerke zu erbeuten, die von Deutschland in der Sowjetunion geraubt oder zerstört worden waren. Noch während des Krieges wurde nach potentiellem Ersatz gesucht und die dokumentierten Sammlungen in Gotha in die Planungen einbezogen. Dementsprechend kam es nach Kriegsende und Besatzungswechsel zum Abtransport der wichtigsten Meisterwerke der Gothaer Gemäldesammlung nach Moskau. Zuvor hatte das Herzogshaus Sachsen-Coburg und Gotha wenige ausgewählte Stücke nach Coburg transportieren lassen, denn die Stadt gehörte seit 1919 zu Bayern und war nach den Beschlüssen der Konferenz von Jalta zunächst der amerikanischen Besatzungsmacht unterstellt und dadurch dem sowjetischen Zugriff entzogen. Damit war die Gothaer Gemäldesammlung nahezu aller Glanzstücke beraubt.

Nach den Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und der DDR kehrten im Rahmen umfangreicher Rückführungsaktionen seit 1955 zahlreiche Kulturgüter in die DDR zurück. Im Herbst 1958 und Frühjahr 1959 wurden an Gotha neben vielen anderen Kunstwerken insgesamt 62 Gemälde zurückgegeben. Doch nicht alles kehrte heim. Noch heute befinden sich nachweislich 50 Bilder im Puschkin-Museum Moskau. Neben den zahlreichen Verlusten kam es nach der Wiedervereinigung auch zur glücklichen Wiederkehr einiger verloren und verschollen geglaubter Werke.

Die Verlustdokumentation der Gemälde verzeichnet alle Abgänge aus der Sammlung, sei es durch rechtmäßige Verkäufe vor, während des oder nach dem Zweiten Weltkrieg, Abtransporte durch die Sowjetarmee sowie Zerstörungen durch Katastrophen oder Diebstahl. Grundlage der Erfassung bildet der von Carl Aldenhoven herausgegebene Katalog. Daneben wurde Archivmaterial, insbesondere über Verkäufe und Revisionen, ausgewertet. Eine weitere große Hilfe stellte der handschriftliche »Katalog der Herzoglichen Gemäldegalerie« von 1943 dar, den die Herzoglich Sachsen Coburg und Gotha’sche Hauptverwaltung in Coburg dankenswerter Weise zur Verfügung stellte.

Gleichzeitig mit dem Verlustkatalog wurde das Gemälde Die Beweinung des heiligen Sebastian vorgestellt, das dank großzügiger Unterstützung des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder grundlegend restauriert werden konnte. Es wird künftig im Betkabinett des Herzoglichen Appartements neu präsentiert.

Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha hatte also gleich zweimal allen Grund, der Kulturstiftung der Länder und ihrem Freundeskreis zu danken. Beiden ist sie in einer langjährigen und fruchtbaren Partnerschaft verbunden.

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