Herzschlagfinale mit Jenaer Sieg im ersten Derby-Viertelfinale 

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Mit einem erst in den Schlusssekunden herausgeworfenen 70:67-Erfolg startete Science City am Freitagabend gegen Chemnitz siegreich in die Playoffs 2016. Die Thüringer bezwangen das Team aus Sachsen vor einer leidenschaftlich mitgehenden Kulisse von 3000 Zuschauern, darunter 280 Chemnitzer, erspielen sich in der Best-of-Five-Serie eine wichtige 1:0-Führung, bevor die Ostthüringer bereits am Sonntag in Chemnitz zu Spiel 2 gastieren.

Während Immanuel McElroy vor dem Tip-Off die Ehrung als Science-City-MVP 2016 in Empfang nehmen konnte, der Leitwolf des Harmsen-Teams die Saalestädter über weite Teile der mitreißenden und umkämpften Begegnung anführte, überschattete eine Verletzung des Leitwolfs in der 33.Minute das letzte Viertel der Partie. Zwar kam Jenas Königstransfer des zurückliegenden Sommers in der finalen Minute noch einmal zurück aufs Parkett, erzielte die letzten vier Jenaer Punkte, ein Einsatz am Sonntag kann wohl erst kurzfristig entschieden werden.

„Zunächst möchte ich den Zuschauer für die unglaubliche Stimmung und den mehr als würdigen Rahmen dieses Spiels danken, startete Jenas Trainer Björn Harmsen sein Fazit. „Ich glaube, dass sich für alle Beteiligten die heute Abend vor Ort waren, keine bessere Dramaturgie hätte entwickeln können. Eine ausverkaufte Arena, ein Derby, ein knappes Duell bis zur Schlusssirene. Das war große Werbung für unseren Sport“, so Harmsen. „Es war von vornherein klar, dass dieses wichtige erste Spiel in dieser Serie kein einfacher Gang werden wird. Rodrigo hat sein Team bestmöglich vorbereitet, nicht zuletzt auch mental sehr gut eingestellt. Es sind Playoffs und ich hoffe, dass wir auch in den nächsten Duellen ähnlich spannende Begegnungen erleben können, sich eine schöne Serie entwickelt, auch wenn es den Puls regelmäßig in die Höhe treibt. Zudem hoffe natürlich, dass Mac sich nicht ernsthafter verletzt hat. Aber da werden wir abwarten müssen. Unsere medizinische Abteilung ist exzellent aufgestellt und besitzt mein ganzes Vertrauen“, sagte Jenas Coach nach der Partie.

Sportlich startete Science City wie die Feuerwehr in die Playoff-Runde. Nach einem Layup von Oliver Clay auf 10:2 (3.) enteilt, hatten die Gäste zunächst Mühe ihren Rhythmus zu finden. Folgerichtig nahm Chemnitz eine Auszeit, versuchte im Anschluss sich neu zu ordnen. Dies gelang in der Folge jedoch nur bedingt. Ein Distanzwurf von Julius Wolf zum 13:2 (4.) schien das Duell in die erhofften Bahnen lenken zu können. Doch die NINERS schlugen zurück. Punkt um Punkt dezimierten die Sachsen ihren Rückstand, lagen zur ersten Viertelpause nur noch 19:17 zurück. Auch im Verlauf des zweiten Spielabschnitts blieb das Playoff-Derby eng und umkämpft. Nachdem der vorrangig aus der Distanz erfolgreiche Chemnitzer Greg Loggins per Dreier zur erstmaligen Gästeführung getroffen hatte, die Sachsen mit 23:24 (14.) in Front bringen konnte, zogen die Hausherren ihrerseits die taktische Notbremse, Auszeit Jena. Bereits bis zu diesem Zeitpunkt waren Science City einige vermeintlich einfache Korbleger misslungen, Nachlässigkeiten, welche sich in der Zwischensumme des ausgeglichenen 35:35-Halbzeitstandes statistisch bemerkbar machten.

So begann die zweite Hälfte zwar nicht bei Null, jedoch für beide Teams auf derselben Level. Während Chemnitz in der zweiten Hälfte als erstes Team das Gaspedal fand, sich einen 43:37-Vorsprung erspielte, konterten Jenas Riesen in der Folge. Marcos Knight lud bei seiner Penetration gleich zwei Chemnitzer unter dem Gästekorb zur Flugstunde, verwandelte zunächst seinen Layup mit Kontakt, bevor er an der Freiwurflinie die Jenaer 44:43-Führung besorgte. Bis zur letzten Viertelpause entwickelte sich ein komplett offener Schlagabtausch, in dessen Verlauf die Zwischenstände noch vier Mal wechseln sollten. Vor dem Gang in das letzte Viertel hatten die Chemnitzer knapp die Nase vorn – 47:48. Einmal mehr betrat im Abschlussabschnitt dann Altmeister Alfred Hitchcock die Arena. Gewohnt stilsicher und in bester Thriller-Manier lotste der Regisseur die Protagonisten der beiden Teams durch eine nervenaufreibende Schlussphase. Als Immanuel McElroy in der 33. Minute auf einem Fuß eines Gegenspielers umknickte, mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Parkett liegenblieb und nur durch die medizinische Abteilung der Thüringer gestützt das Spielfeld verlassen konnte, verdunkelten sich die Wolken über Science City. Zwar sprangen mit Wayne Bernard, Guido Grünheid und Ermen Reyes-Napoles drei erfahrene Jenaer Leistungsträger ein, das Fehlen des Anführers ließ zu diesem Zeitpunkt jedoch nichts Gutes erahnen. Doch Science City bewies in der entscheidenden Phase Standfestigkeit und Willen. So sorgte ein Dreier von Wayne Bernard 156 Sekunden vor der Schlusssirene für ohrenbetäubenden Jubel unter den Jenaer Fans. Sein Treffer zum 66:60 konterte der stark spielende Daniel Mixich auf 66:62, nach Jenas anschließender Auszeit kam jedoch auch Jenas Krieger mit der Nummer 23 zurück. Letztendlich fast unverzichtbar, wie er mit seinen vier Zählern in den finalen 44 zu spielen Sekunden eindrucksvoll unter Beweis stellte. Zwar gesellte sich nach den beiden verwandelten Freiwürfen von Jenas MVP 2016 zum 70:65 noch ein Korbleger des Ex-Jenaers Robert Cardenas, dieser hatten jedoch nur noch statistische Relevanz.

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