Kein Verständnis für Standpunkt des Thüringer Verkehrsministeriums

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In einem Pressegespräch hat der Verkehrsminister durch seine Staatssekretärin, Frau Dr. Eich-Born, erneut erklären lassen, dass ein Weiterbetrieb der Ohratalbahn aus seiner Sicht nicht in Frage kommt. Das überrascht niemanden. Nach wie vor macht man die Entscheidung an den Fahrgastzahlen fest. Und das diese im letzen Quartal gesunken sind, hätte eine verheerende Nachricht für die Betroffenen sein können …

Wenn nicht die IG Ohratalbahn bereits bei Bekanntwerden des Winterfahrplanes 2010/2011 auf dessen Auswirkungen für die Fahrgastzahlen hingewiesen hätte. Durch die Streichung des 5- und des 7-Uhr-Zuges nach Gotha wurde Schülern und Berufspendlern die Möglichkeit genommen, mit der Bahn zeitnah Schule und Arbeitsstelle zu erreichen. Ausserdem wurde der letzte Zug von Gotha nach Ohrdruf so vorverlegt, dass ein Anschluss für Reisende aus dem Fernverkehr nicht mehr gegeben ist. Das dürften die 180 Menschen sein, die nach aktueller Zählung weniger fahren. Es wird mitgeteilt, dass alle Versuche, die Fahrgastzahlen zu erhöhen ohne Erfolg geblieben seien.

Ich frage mich, welche Maßnahmen konkret das waren? Abgesehen von den Schwierigkeiten bei dem Erhalt von Fahrplanauskünften wurden die Vorteile des neuen Verbundtarifs Mittelthüringen völlig unzureichend dargestellt. Zahlreiche Menschen wissen auch ein halbes Jahr nach dem Inkrafttreten nicht, dass jetzt das gleiche Ticket für Bus UND Bahn, sowie Stadtbusse und Strassenbahnen gilt. An den Automaten waren Tickets bis Mitte Januar nicht erhältlich. Kein Wunder, dass die Fahrgäste lieber mit dem Bus fahren.

 Frau Eich-Born führt weiter aus, dass der Güterverkehr auch künftig möglich ist. Dann sollte sie sich einmal mit Herrn Hädrich, dem DB-Beauftragten für Thüringen, unterhalten, der klar sagt, auf einer Strecke ohne Personenverkehr wird die Streckenwartung so heruntergefahren, dass innerhalb kurzer Zeit auch ein Befahren mit Güterzügen nicht mehr realisierbar ist. Die Ansiedlung von Investoren in den Gewerbegebieten entlang der Ohratalbahn dürfte dadurch wesentlich schwieriger werden. Dabei wird die Möglichkeit zum Erhalt nicht nur von den Einwohnern gesehen. Auch Landtagsabgeordnete aller Fraktionen und sogar Ministerkollegen zeigen diese Möglichkeit deutlich auf.

 Um den Wegfall der Ohratalbahn zu kompensieren sollen mehr Busse angeschafft und eingesetzt, Haltepunkte erneuert und verlegt werden. Und das soll mit 200 000 Euro bezahlt werden. Das erstaunt, hätte man doch die Kosten für solch intensive Investitionen eher im Millionen-Euro-Bereich angesiedelt. Oder soll etwa der Landkreis Gotha als Träger des Busverkehrs die Differenz bezahlen? Und woher soll der Landkreis, der gerade erst seinen Haushalt 2011 mit Hilfe einer Kreditaufnahme ausgleichen konnte, dieses Geld nehmen? Das Gespräch mit den Landräten Kaufhold und Gießmann, das Frau Eich-Born erwähnt, dürfte sehr kontrovers verlaufen sein, da sich der Gothaer Landrat ja eindeutig für den Erhalt der Bahnstrecke ausgesprochen hat.

 Daß das Verkehrsministerium sich von Beginn an einem Gespräch mit den Befürwortern der Ohratalbahn und ihren Vorschlägen verweigert hat, mag von weniger wohlwollenden Beobachtern als Gutsherrenpolitik empfunden werden. Und ohne die herausragende Eignung der Mitarbeiter des Ministeriums in Frage stellen zu wollen, kann man eine anhaltende Argumentationsarmut doch nicht übersehen. Angesichts von 2500 Unterschriften und 300 Unterstützern bei Facebook in nur einer Woche kann man das Festhalten am Entschluss durch das Ministerium durchaus aber auch als Pfeifen im Wald empfinden.“

Publiziert: 20. März 2011, 13.21 Uhr