Konferenz an der Uni Jena

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Soziologen der Universität Jena veranstalten am 4./5. Dezember 2012 in Jena eine Konferenz über „Rechtsextremismus: Forschungsergebnisse und Gegenstrategien“:

„Rassistisch diskriminiert zu werden gehört für viele Menschen zum Alltag“, sagt Matthias Quent von der Universität Jena. Für Menschen mit Migrationshintergrund, die durch ihr bloßes Aussehen als „anders“, als fremd wahrgenommen werden, seien Anfeindungen an der Supermarktkasse, im Bus oder durch Polizeikontrollen ein Teil des täglichen Lebens.

Matthias Quent hat das „Rechtsextremismus(-potenzial) im lokalen Kontext“ untersucht. Der Soziologe wählte für seine Feldforschung die Städte Jena und Saalfeld aus. Ergebnisse seiner Forschung wird Quent erstmals öffentlich zur Konferenz „Rechtsextremismus – Forschungsergebnisse und Gegenstrategien“ am 4. und 5. Dezember in Jena vorstellen.

Zum Auftakt spricht Wilhelm Heitmeyer von der Universität Bielefeld am 4. Dezember um 16 Uhr in der Aula des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1) über „Rechtsextremismus: Radikalisierung und gesellschaftliche Selbstentlastung“. Der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung richtet den Blick auf gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Im Zusammenhang mit den NSU-Morden werde viel von Ermittlungspannen und Verfahrensfehlern geredet, sagt Heitmeyer. Dabei werde der Werdegang der rechtsextremen Täter vielfach ausgeblendet.

Matthias Quent, der die zweitägige Konferenz vorbereitet, verweist auf einen anderen Befund seiner Forschungen: „Wir haben schon bei Elfjährigen rechtsextremes Gedankengut festgestellt.“ Das Einstiegsalter sei offensichtlich weiter gesunken, so der Soziologe von der Universität Jena. Das gelte auch für den unreflektierten Umgang mit Musik aus der rechten Szene: „Viele Jugendliche finden die Musik gut, ohne nach den Inhalten der Texte zu fragen.“

Der Jenaer Soziologe Prof. Dr. Klaus Dörre hat eine deutlich andere „Empörungsschwelle“ gegenüber Rechtsextremen in einer Stadt wie Jena im Gegensatz zum ländlichen Raum ausgemacht. Dörre konstatiert, dass die NPD auf dem Land viel eher als eine ganz normale Partei wahrgenommen werde. Sei beispielsweise ein Jugendclub fest in der Hand von Rechten, werde das nicht problematisiert, Motto: ‚Hauptsache, es wird was für die Jugend getan.‘ So fänden rechte Parolen besonders in Gegenden Anklang, in denen sich die Bewohner auf der Verliererseite wähnen.

Die Wissenschaftler von der Uni Jena sehen weiteren Forschungsbedarf und wollen ihre Untersuchungen unter dem Dach des Kompetenzzentrums Rechtsextremismus der Friedrich-Schiller-Universität weiterführen.

Ihre bisherigen Forschungsergebnisse werden sie am Mittwoch (5. Dezember) ab 15.00 Uhr während einer Podiumsdiskussion in den Rosensälen der Universität (Fürstengraben 27) vorstellen. Unter dem Titel „Neue Fragen, neue Herausforderungen – Rechtsextremismus als Forschungsgegenstand“ diskutieren Uni-Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke, Prof. Dr. Elmar Brähler von der Universität Leipzig, Prof. Dr. Fabian Virchow (FH Düsseldorf), die Sprecherin der Bürgerbündnisse gegen Rechts in Thüringen Madeleine Henfling und die Thüringer Sozialministerin Heike Taubert (SPD). Die Moderation der Gesprächsrunde übernimmt Prof. Dr. Klaus Dörre. Gäste sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.


Das Programm der Tagung ist im Internet zu finden unter: www.soziologie.uni-jena.de/Veranstaltungen.html.

Eine Teilnahme an der Tagung ist möglich, um Anmeldung wird jedoch gebeten per E-Mail an: matthias.quent@uni-jena.de.

Auf dem Bild zu sehen: Der Jenaer Soziologe und Tagungsorganisator Matthias Quent hat bei seinen Forschungen festgestellt, dass schon bei Elfjährigen rechtsextremes Gedankengut vorhanden ist.

(Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)