NABU und TLUG rufen zur Hirschkäfersuche auf

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Schon seit Jahrhunderten ziehen Hirschkäfer die Aufmerksamkeit des Menschen auf sich. Sie gehören zur Familie der Schröter mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Lucanidae. Der Name Schröter leitet sich vom Zerschroten des modernden Holzes ab. Bei den Hirschkäfern erledigen dies in erster Linie die Larven und die erwachsenen Weibchen. Die ansehnlichen geweihähnlichen Oberkiefer der Männchen verliehen ihm hingegen die Ehre, so manches Wappen der Familie Schröter oder Schröder zu zieren und gelten als Symbol für Kraft und Stärke.

Jetzt im Juli möchten der Naturschutzbund (NABU) Thüringen und die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) die Aufmerksamkeit erneut auf die prächtigen Tiere lenken und rufen deshalb zur Hirschkäfersuche auf. Hirschkäfer sind auch in Thüringen stark gefährdet. Sie gehören zu einer der wenigen Käferarten, für die auch europäische Schutz- und Erhaltungsvorschriften gelten. Eine wichtige Grundlage für deren Umsetzung sind möglichst detaillierte Kenntnisse zur Verbreitung der Hirschkäfer. Insbesondere außerhalb der Verbreitungsschwerpunkte erweist sich eine zielgerichtete Suche allerdings als sehr schwierig. Umso wichtiger ist deswegen die Erfassung von Zufallsfunden aus der Bevölkerung. Im Rahmen einer gemeinsamen Aktion haben NABU und TLUG bereits 2012 und 2013 mit großem Erfolg zur Hirschkäfersuche aufgerufen. Die Aktion wird auch in diesem Jahr durchgeführt und Meldungen von Hirschkäfern dankend entgegengenommen.

Mit bis zu 80 mm Länge sind Hirschkäfer die größten unter den heimischen Käferarten. Zu finden sind die Tiere in Eichen- und Eichen-Hainbuchenwäldern mit einem hohen Anteil an morschem und totem Holz. Aber auch Gärten und Parks mit altem Baumbestand bieten diesen Insekten Lebensraum. Die Käfer ernähren sich dort von ausfließenden Säften „blutender Bäume“. Deshalb ist auch der Erhalt von alten Bäumen und die Belassung von Totholz in der Landschaft so wichtig. Aufgrund der besonderen Entwicklungsbedingungen ist es schwierig, den Hirschkäfer überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Denn das Larvenstadium kann bis zu sieben Jahre dauern. Dabei werden sie im letzten Stadium bis zu 12 Zentimeter groß, um sich danach in einem selbstgebauten etwa hühnereigroßen Kokon, der sogenannten „Puppenwiege“, in der Erde zu verpuppen. Der fertige Käfer schlüpft zwar bereits im Herbst, überwintert aber noch in diesem Kokon. Erst im Frühjahr gräbt er sich nach oben und lebt nur noch wenige Wochen. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt der Hirschkäfer also in der Erde.

Am besten können Hirschkäfer in der Dämmerung zwischen Ende Mai und Anfang August beobachtet werden. In seltenen Fällen werden Hirschkäfer aber auch tagsüber gesichtet. Wichtig dabei ist allerdings, dass die Tiere in Ruhe gelassen werden. Der NABU und die TLUG sind an allen Beobachtungen interessiert, dabei können auch Meldungen aus früheren Jahren sehr interessant sein. Fehlen dürfen nicht Angaben wie Ort, Beobachtungsdatum und Anzahl der Tiere. Auch Angaben zu möglichen Beeinträchtigungen oder sonstige Beobachtungen zum Lebensraum sind sehr hilfreich aber keine Bedingung. Fotos helfen weiterhin, die Funde richtig einzuschätzen.

Neben dem Hirschkäfer kommen in Thüringen auch weitere stattliche Käferarten vor, die gelegentlich mit Hirschkäferweibchen verwechselt werden, zum Beispiel der Nashornkäfer, der Balkenschröter, der Eremit, der Sägebock oder auch der Lederlaufkäfer. Im Zweifelsfall wird von Seiten der TLUG Unterstützung angeboten, aber um Fotos beziehungsweise Detailinformationen zu den Beobachtungen gebeten, da nur sichere Nachweise für die TLUG brauchbar sind.