Spracherwerb und Migration

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Deuten lange Schlangen vor den Goethe-Instituten auf eine bevorstehende Ausreisewelle in Richtung Deutschland hin? Lässt sich überhaupt ein Zusammenhang zwischen Spracherwerb und Migration feststellen? Fragen wie diesen wollen Wissenschaftler der Universität Jena in dem Projekt „Spracherwerb und Migration“ nachgehen, für das sie jetzt eine Förderung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten haben.

„Welche Motivation haben Ausländer, die deutsche Sprache zu erlernen?“, fragt Prof. Dr. Silke Übelmesser von der Universität Jena. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Finanzwissenschaft kann für ihre auf zunächst zwei Jahre angelegte Forschung auf einen Datenschatz zugreifen, der bislang noch nicht erschlossen ist: die Jahrbücher des Goethe-Instituts aus den vergangenen 52 Jahren. In den Jahrbüchern erfasst sind alle Institute in Deutschland und weltweit.

In einem ersten Teil des Projekts soll untersucht werden, wie groß die Nachfrage nach Sprachkursen ist und unter welchen Umständen Migranten ihre Sprachkenntnisse erwerben. Im zweiten Teil des Projekts möchte Prof. Übelmesser analysieren, welche Auswirkungen die Möglichkeit des Spracherwerbs auf Migration hat. Welche Rolle spielen zum Beispiel neu gegründete Institute für die Zuwanderung?

„Allein im Jahr 2012 gab es weltweit 246.600 Kursteilnehmer“, sagt Prof. Übelmesser. Denkbar seien die unterschiedlichsten Motive und Faktoren für einen Deutschkurs. Doch auf die individuelle Ebene soll nicht geschaut werden;  vielmehr sollen Zusammenhänge auf aggregierter Ebene im Mittelpunkt stehen. Aufschlüsse erhofft Silke Übelmesser dafür aus den Daten des Goethe-Instituts der Jahre 1962 bis 2013 zu gewinnen.

Das Projekt „Spracherwerb und Migration“ solle sowohl einen Beitrag zur Forschung als auch zur politischen Debatte liefern, sagt Prof. Übelmesser. So könne Spracherwerb als ein Faktor für das Gelingen oder Scheitern von Integration betrachtet werden. „Ein besseres Verständnis davon, wie und wann Sprachkenntnisse erworben werden, erlaubt der Politik mit spezifischen Sprachkursangeboten und Anforderungen unterschiedliche Gruppen von Migranten zielgenau zu erreichen und so deren Integration zu verbessern“, sagt Prof. Übelmesser. Zu fragen sei auch, ob sich Migration über Sprachpolitik steuern lässt.

Das Projekt „Spracherwerb und Migration“ wird von der DFG mit 120.000 Euro gefördert. Neben Sachmittelkosten gehört eine Mitarbeiterstelle dazu. Projektstart soll im Oktober dieses Jahres sein.

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