Tagebuch des Luftkrieges in Gotha

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Der Gothaer Straßenbahnführer Hermann Wegerich führte während des Zweiten Weltkrieges ein Tagebuch zu den Luftschutz-Alarmierungen und Bombardierungen in der Residenzstadt. Bereits 2006, nach Wiedereinrichtung des Gothaer Stadtarchivs im Neuen Rathaus, war eine Kopie dieses Tagebuches durch den inzwischen verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des Heimatkreises Gotha Arthur Liebetrau an Oberbürgermeister Knut Kreuch übergeben worden.

In dieser Woche kam nun das Original per Post ins Rathaus. Harry Wolf, der Schwager des verstorbenen Tagebuch-Autors Hermann Wegerich übereignet das Original dieses wertvollen Zeitdokumentes damit dem Stadtarchiv.

Das Luftkriegs-Tagebuch, das in einem Kassenbuch geführt wurde, enthält ausführliche handschriftliche Eintragungen zu allen Alarmierungen und Bombardierungen, die von Hermann Wegerich durchnummeriert wurden sowie eine Reihe eingeklebter Presseartikel der damaligen Zeit. Demzufolge gab es in Gotha während des Zweiten Weltkrieges 405mal Luftschutz-Alarm, erstmalig am 26. August 1940, um 2.06 Uhr und letztmalig am 3. April 1945, um 10.14 Uhr. Bekanntlich gab es aber gegen 16.30 Uhr noch einen Bombenangriff, bei dem um Arndtstraße, Friedrich-Perthes-Straße, Schlichtenstraße und Weimarer Straße insgesamt 20 Todesofer zu beklagen waren. Möglicherweise erfolgte im Zusammenhang damit keine Alarmierung mehr.  Der Autor, der in der Sundhäuser Straße wohnte, notierte an dieser Stelle „gegen Abend Theater in Brand geschossen“.

Das Tagebuch zeichnet die furchtbaren Geschehnisse des Luftkrieges nach, der in Gotha 542 Menschenleben forderte. Die eingeklebten Zeitungsartikel zeigen beispielhaft, wie die Angriffe der Alliierten kommentiert wurden, den Hass der Bevölkerung und den sogenannten „deutschen Schicksalskampf“ verstärken sollten.

Hermann Wegerich erwähnt in seinen Einträgen vom 3. April 1945 auch „weiße Fahnen der Ergebung sind auf dem Schloß gehisst“. Die weithin sichtbaren Zeichen der Kapitulation hatte der Gothaer Kampfkommandant Oberstleutnant Ritter von Gadolla veranlasst, nachdem sich NSDAP-Kreisleiter Busch, Oberbürgermeister Dr. Schmidt und SS-Obergruppenführer Hennicke aus Gotha abgesetzt hatten. Gadolla wurde bei seiner Parlamentärsfahrt in Richtung der Amerikaner schließlich gefangengenommen und von einem Standgericht zum Tode verurteilt.

Das Original des Luftkrieg-Tagebuchs von Hermann Wegerich  wird derzeit zur Vorbereitung einer Publikation der Stadtverwaltung ausgewertet. Die Kopie ist für Interessenten im Stadtarchiv einsehbar.