Wenn Technik den Arbeitsplatz kostet

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Die fortschreitende Digitalisierung wird die Arbeitswelt weiter verändern. Thüringen ist eines der drei Bundesländer, die am stärksten von der Digitalisierung betroffen sind. Insbesondere für Männer, die vor allem in Fertigungsberufen beschäftigt sind, ergibt sich im Helfer- und Fachkraftbereich ein hohes Potenzial, durch den Einsatz von Computern oder computergesteuerten Maschinen ersetzt zu werden.

Für Frauen in sozialen oder kulturellen Dienstleistungsberufen ist dies vergleichsweise niedrig. Jedoch ist die Betroffenheit bei Frauen in Thüringen bundesweit am höchsten, was unter anderem mit ihrem Anteil an Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe zusammenhängt.

Katharina Dengler und Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) haben eine Expertise für den Dritten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung mit dem Thema „Substituierbarkeitspotenziale von Berufen und die möglichen Folgen für die Gleichstellung am Arbeitsmarkt“ erstellt.

Hohe Substituierbarkeitspotenziale bedeuten in einigen Branchen oft einen Arbeitsplatzabbau, aber nicht zwingend starke Arbeitsplatzverluste, denn vorhandene Potenziale werden nicht immer und nicht sofort ausgeschöpft. Ebenso kann die Digitalisierung durch Produktivitätssteigerungen und steigende Nachfrage mit einem Beschäftigungswachstum einhergehen.

„Wichtig ist für Unternehmen zu schauen, inwieweit Digitalisierung eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für beide Geschlechter ermöglicht. Traditionelle Geschlechterverhältnisse aufzubrechen kann nur durch die konkrete Ausgestaltung in den Betrieben gelingen. In den Berufen zu erledigende Tätigkeiten werden sich verändern, so dass es spezifischer Strategien zur Stärkung der Gleichstellung bedarf“, betont Ina Benad, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Gotha.

Der Einsatz digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglicht ein zeitlich und örtlich flexibles Arbeiten. Dies darf aber Karrierechancen nicht mindern. Gezielte Informationen darüber, wie digitale Technologien Frauen unterstützen können, traditionelle Männerberufe auszuüben, kann einen weiteren Beitrag zu Gleichstellung leisten.

Im Zuge der Digitalisierung gewinnt die vernetzte Zusammenarbeit an Bedeutung, das heißt, die Anforderungen an Kommunikationsfähigkeit und interdisziplinäre Zusammenarbeit steigen. Umgekehrt werden die (informations-)technischen Kompetenzen in sozialen und Dienstleistungsberufen wichtiger. Voraussetzung für mehr Geschlechtergerechtigkeit ist es, die tatsächlich für die Berufsausübung benötigten Fertigkeiten und Fähigkeiten sichtbar zu machen, in der Berufsberatung, bei der Personalplanung, der Stellenausschreibung oder der Arbeitsplatzbewertung.

Für eine verbesserte Gleichstellung und die Anpassung an die veränderte Arbeitsorganisation sind Bildungsangebote erforderlich – sowohl für die verstärkte Vermittlung digitaler Inhalte, als auch für die Entwicklung sozialer Kompetenzen wie Kooperationsbereitschaft, Kommunikationsstärke und Empathie. Es reicht aber nicht aus, entsprechende Bildungsangebote zu unterbreiten, auch die Finanzierung von Teilnahmegebühren sowie die
(Mit-)Organisation von Kinderbetreuung und die berufliche Beratung zur Gestaltung der weiteren Erwerbskarriere fördern die motovierte Beteiligung an Qualifizierungen.

„Es geht nicht darum, dass in allen Berufen die gleiche Anzahl Männer und Frauen beschäftigt sind, sondern eher darum, Männer und Frauen zu unterstützen, wenn sie sich für geschlechteruntypische Berufe entschieden haben. Sowohl Männer als auch Frauen sollten die Berufe ausüben, die am besten zu ihren Kompetenzen und Interessen passen. Dabei sollte die erledigte Arbeit von Männern und Frauen gleichermaßen wertgeschätzt werden“, so Ina Benad weiter.

Unternehmen, die Fragen zur Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt oder zu Maßnahmen der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben, steht der gemeinsame Arbeitgeberservice unter der Telefonnummer 0800 4 5555 20 oder die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Gotha per E-Mail
gotha.bca@arbeitsagentur.de oder unter der Telefonnummer 03621 42 2226 gerne zur Verfügung.

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