Im Kurort Bad Tabarz, am Fuße des Inselsberges, gilt nicht nur den Gesundheits-Angeboten große Aufmerksamkeit. Neben der kur-medizinischen Vielfalt rücken auch Kunst und Kultur mehr und mehr ins Zentrum öffentlicher Wahrnehmung.
Erst im Juli 2025 entstand an der Außenwand des TABBS ein zwanzig Meter langes und 60 Quadratmeter großes Kunstwerk. Zu sehen sind dort – rechts neben dem Haupteingang – 20 Gäste, die bereits auf der Bühne des KUKUNA zu erleben waren. Die teilweise zwei Meter großen Porträts zeigen unter anderem Gregor Gysi und Sky du Mont.
Schöpfer dieses Werkes ist der diplomierte Industriedesigner Jörg Wolke. Und auch im Jahr 2026 fand er erneut nach Bad Tabarz. Dieses Mal galt seine Aufmerksamkeit der Gemeindebibliothek. „Seit über fünf Jahren hatte die Gemeindeverwaltung den Wunsch, das Bibliotheksgebäude künstlerisch verschönern zu lassen“, erklärte Bürgermeister David Ortmann.
Inzwischen kam es endlich zu Taten. Dank finanzieller Unterstützung durch den Bad Tabarzer Förderverein, die Stiftung „Zukunft für Bad Tabarz“, die kommunale Entwicklungsgesellschaft sowie Privatpersonen konnte Jörg Wolke erneut engagiert werden.
Auf 45 Quadratmetern Wandfläche konnte sich der renommierte Künstler ein zweites Mal „austoben”. „Es war eine sehr intensive Zeit“, so Wolke. Was er damit meint? Innerhalb von nur zwei Wochen entstand das neue Wandgemälde. Dafür nahm der Industriedesigner einige Überstunden auf sich. Dennoch war die Zeit knapp: Der Künstler unterbrach sogar seine Arbeit für eine kommende Ausstellung in Dresden, um in Bad Tabarz dieses besondere Werk zu schaffen.
„Mit diesem Gemälde entstand eine neue kleine Sehenswürdigkeit in unserer Gemeinde“, sagte David Ortmann. Nachdem die überdimensionalen Porträts am TABBS so gut angekommen seien, solle der Weg zu mehr Kunst im öffentlichen Raum konsequent fortgesetzt werden. Bürgermeister David Ortmann folgt dabei einem klaren Plan. Einerseits sollen Touristen (egal, ob aus der Ferne oder näheren Umgebung) jedes Jahr etwas Neues in Bad Tabarz entdecken und ihre Eindrücke in die Welt hinaustragen. Ein wenig Eigenwerbung kann ja schließlich nicht schaden. Andererseits sollen sich die Einwohner der Gemeinde wohlfühlen. „Die Leute sollen mit Stolz sagen, dass sie Tabarzer sind“, resümierte Ortmann.
Das 45 Quadratmeter große Wandgemälde zeigt ein Bücherregal. Zu sehen sind Kinder, die lesen und stöbern. „Das Gemälde soll einfach schön sein. Hier gibt es keine versteckten Symbole. Keiner muss stundenlang davorstehen und über die Kunst nachdenken“, sagte Jörg Wolke über seine Arbeit an der Bibliothek. Dennoch werden Kenner – so wie Bürgermeister David Ortmann wohl einer ist – bestimmte Details wahrnehmen. „Es wurden Gegenstände gemalt, die tatsächlich hier in den Regalen stehen.“ Auch das Auge im Dreieck unter dem Dachfirst wird alteingesessenen Tabarzern bekannt vorkommen. Denn hier wird ein Bezug zur kulturellen Vergangenheit und Geschichte des Ortes hergestellt. Die Ortschaft Tabarz hatte nämlich eine enge Verbindung zur lokalen Freimaurerloge. Deren Mitglieder prägten das kulturelle Leben und das Freizeitangebot der Gemeinde entscheidend mit, erzählte David Ortmann.
Wer weniger auf Details versessen ist, kann trotzdem innehalten und sich an dem Kunstwerk erfreuen. Den besten Blick darauf hat man von einer Bank im nahen Theodor-Neubauer-Park.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 6 (2026)


















